Ständig in der Transformation

Anfang April wurde bei Phoenix Contact Electronics in Bad Pyrmont ein Transformationsatlas erstellt. Der „Hidden Champion“ im Bereich Elektrotechnik ist einer von rund 200 Betrieben im Bezirk, der die Transformationsprozesse systematisiert. Zwischenfazit: Bei Phoenix fallen keine Arbeitsplätze weg.


Der Elektronikkonzern Phoenix Contact Electronics war bisher stolz darauf, in allen Bereichen Vorreiter der Transformation zu sein. „Wir sind seit der Gründung unseres Standortes im Jahr 1996 ständig in der Evolution“, sagt Klaus Hedwig, der Betriebsratsvorsitzende.

Anfang April 2019 haben die Betriebsräte zusammen mit der IG Metall den Fragebogen zum Transformationsatlas ausgefüllt, eine Ist-Analyse in allen Bereichen. „Bisher gab es keinen Abbau von Arbeitsplätzen“, stellt Hedwig fest. „Diskussionen gab es über die grundsätzliche Zuordnung der Beschäftigten: Wer gehört zur Produktion, wer zum indirekten Bereich?“


Keine Arbeitsplatzverluste

Die Produktion ist bereits stark automatisiert. Noch heute hat das Unternehmen mit seinem Stammsitz in Blomberg einen eigenen Werkzeugbau: Spezialisten, die Spritzgusswerkzeuge für Kunststoffformgeber herstellen. „Mit jedem neuen elektronischen Bauteil wurde auch die Automation weiterentwickelt“, meint Betriebsrat Michael Goldberg, „und die Beschäftigten haben parallel mitgelernt.“ Künftig könnten die Kunststoffformgeber mit Hilfe von Datenbrillen die Werkzeuge selbst umbauen. Trotzdem würden keine Arbeitsplätze wegfallen. Durch die Datenbrillen hätten die Werkzeugmacher mehr Kapazitäten frei und die Wartezeiten auf ein Werkzeug würden sich verkürzen.

Weitere Beispiele zeigen, dass die Transformation nicht unbedingt mit Jobverlust einhergehen muss. So hat die neue Verpackungsautomatik in der Produktion eine große Entlastung für die Beschäftigten gebracht. Vorher mussten sie in kurzen Taktzeiten verpacken. Heute konzentrieren sie sich auf die Prozesse und die Störungsbeseitigung. Zur Zeit ist ein fahrerloses Transportsystem in der Testphase, das die Beschäftigten auch körperlich entlasten soll.

„Oft geht es darum, Prozesse zu optimieren,“ sagt Hedwig. Natürlich habe das Management die Vision einer selbst organisierten Produktion. Heißt das auch Arbeit auf Abruf? Wird der Beschäftigte auch Spielraum für seine persönlichen Verteilzeiten haben? Bisher haben die Betriebsräte die Mitbestimmung genutzt, um die Arbeitsbedingungen durch innovative Arbeitszeitmodelle, die Einhaltung des Gesundheits- und des Datenschutzes mitzugestalten.

 

Gemeinsame Strategieplanung der Betriebsräte und der IG Metall: Robert Wycislo (IG Metall), Michael Goldberg, Stefan Freitag, Klaus Hedwig und Uwe Mebs (IG Metall, v. l.) (Foto: Vogelsang)

 

Transformation im Sinne der Beschäftigten

Veränderungen wird es vor allem im indirekten Bereich und in der Verwaltung geben. Durch die Vernetzung von SAP und dem Teamcenter von Siemens werden Geld- und Warenströme zusammengeführt. Bestellung und Materialbeschaffung sollen künftig durch die digitale Kundenschnittstelle abgedeckt und direkt in die Produktion weitergeleitet werden. Dadurch könnte ein Teil der Disposition wegfallen, befürchten die Betriebsräte. Auf der anderen Seite steige der Aufwand an Datenpflege. Und das könne nach wie vor nur durch Menschen durchgeführt werden.

„Trotzdem geht es bei der Transformation auch um einen Verteilungskampf“, meint Uwe Mebs, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim, der den Betrieb betreut. „Der Mehrwert der Digitalisierung darf nicht einseitig auf Seiten des Unternehmens liegen.“ Die Aufgabe der Betriebsräte wird sein, so Mebs, alle Beschäftigten mitzunehmen und im Rahmen der Mitbestimmung zum Beispiel für entsprechende Qualifizierung zu sorgen.

Etwa Mitte Juni 2019 werden die Betriebsräte mit der IG Metall anhand des Transformationsatlas‘ über die Strategie des Betriebsrats beraten. Dazu dient auch ein Seminar im Digitalisierungszentrum in Springe mit Betriebsräten aus anderen Betrieben. Klaus Hedwig: „Wir arbeiten seit Jahrzehnten agil. Sobald wir konkrete Änderungsprozesse haben, erarbeiten wir Lösungen für die Beschäftigten. Die digitale Transformation stellt einen kontinuierlichen Veränderungsprozess dar, den wir als Betriebsräte begleiten müssen.“

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