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Spitzentreffen von Politik und Wirtschaft zur Frauenquote. Foto: photocase

Spitzentreffen von Politik und Wirtschaft zur Frauenquote

Quote? Männer bleiben weiter unter sich!

01.04.2011 Ι Seit Wochen ist die Frauenquote das Thema. Nun trafen sich deshalb am 30. März 2011 vier Bundesminister und 30 hoch bezahlte Manager in Berlin und debattieren über eine Frauenquote in Vorständen und Aufsichtsräten. Nach 1,5 Stunden schon war der Quotengipfel vorbei. Heraus kam was es vorher schon gab: eine freiwillige Selbstverpflichtung.

Dass die Unternehmen sich wieder einmal nur zu wachsweichen Versprechungen durchringen konnten, ist nicht verwunderlich. Denn auf eine gemeinsame Position haben sich noch nicht einmal die weiblichen Regierungsmitglieder geeinigt.

Tatsächlich ist die Frauenquote in Führungspositionen erschreckend niedrig. Nun soll die Wirtschaft bis 2013 über eine freiwillige Selbstverpflichtung ihren Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten verdreifachen. Erst wenn 2013 dieses Ziel nicht erreicht wird, werde eine Selbstverpflichtung für eine flexible Quote gesetzlich vorgeschrieben werden. Versteht das jemand? Im Klartext bedeutet das wohl: Die Unternehmen können sich selbst verordnen, wie viele Frauen sie berufen. Unternehmen "A" beruft drei Frauen an die Spitze und Unternehmen "B" eben nur eine weibliche Führungskraft. Und was bedeutet eigentlich eine Verdreifachung bei den Konzernen, die bisher null Frau im Vorstand hatten?

Frauenanteil erschreckend gering

Eine "freiwillige Vereinbarung" gibt es bereits seit 2001. Auch damals wollten die Unternehmen eine verbindliche gesetzliche Regelung verhindern und versprachen, die Zahl der Frauen in den Vorständen und Aufsichtsräten deutlich zu erhöhen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat vor wenigen Wochen konkrete Zahlen veröffentlicht. Danach liegt der Anteil der Frauen in Vorständen bei den Top 200 Unternehmen bei nur 3,2 Prozent. Anders  ausgedrückt: Von 906 Vorstandsmitgliedern sind 29 weiblich. Bei den Aufsichtsratsmandaten sind es geringfügig besser aus. Das liegt jedoch vor allem daran, dass die meisten Frauen von Arbeitnehmerseite entsandt werden. Das ist das Ergebnis von zehn Jahren Freiwilligkeit. Nach zehn verlorenen Jahren noch einmal mit einer Selbstverpflichtung zu kommen, das ist alles andere als ausreichend.

Wie oft will sich die Politik von den Arbeitgebern noch vorführen lassen? Die Frauen haben genug von den ewigen Appellen und den nicht eingehaltenen Selbstverpflichtungen. Zehn weitere solcher Jahre kann sich niemand leisten. Doch bei aller Notwendigkeit, für Führungspositionen, Vorstände und Aufsichtsräte eine Frauenquote einzuführen: Die Gewerkschaften haben vor allem die Frauen im Blick, die sich mit mehreren Jobs über Wasser halten oder die mit ihrem Teilzeitjob gerade so über die Runden kommen. Je weiter man in der Hierarchie nach unten blickt umso größer wird der Anteil weiblicher Beschäftigter. Und meistens sind es die Frauen, die in unsichere und schlecht bezahlte Jobs abgedrängt werden. Diesen Sommer findet in Deutschland die Frauen-Fußballweltmeisterschaft statt. Auch hier werden die Frauen benachteiligt. Obwohl unsere Weltmeisterinnen deutlich bessere Chancen haben, die WM zu gewinnen, erhalten sie nicht einmal ein Viertel der Prämien der Männer. 

 


EU-Kommission für Frauenquote

Falls sich bis März 2012 in Sachen Frauenquote nichts bewegt, steht auch die EU-Kommission bereit, mit rechtlichen Instrumenten einzugreifen. Das hat EU-Justizkommissarin Viviane Reding in einem Brief an Bundesfamilienministerin Schröder angekündigt. Als Ziel nannte Reding einen Frauenanteil in den Aufsichtsräten börsennotierter europäischer Unternehmen von 30 Prozent bis 2015 und 40 Prozent bis 2020. Diese Quote müsste von Deutschland und allen anderen Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Reding kritisierte, dass Europa mit dem geringen Frauenanteil in den Vorstandsetagen wirtschaftliches Potenzial verschenkt. Eine Frauenquote ist machbar: In Norwegen liegt der Frauenanteil knapp unter 40 Prozent, Schweden und Finnland folgen mit etwa 25 Prozent.

Wo andere zögern, schafft die IG Metall Fakten. Vor einiger Zeit hat die IG Metall eine Frauenquote von 30 Prozent für die Vertreter der IG Metall in den Aufsichtsräten beschlossen.

Das Geschacher von Politik und Unternehmen um die Quote hilft nicht weiter. Eine verbindliche Frauenquote brauchen wir auch hierzulande.

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