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Siemens: Interview mit Arbeitnehmervertretern zum Sparkurs

Siemens: Interview mit Arbeitnehmervertretern zum Sparkurs

Mensch vor Marge

20.02.2013 Ι Unter diesem Motto findet am 21. Februar 2013 ein Aktionstag bei Siemens statt. IG Metall und Betriebsrat setzen dem Personalabbau eine andere Idee entgegen: Die Zukunft gestalten - mit Menschen, Investitionen, Innovationen und Visionen. Darüber sprachen wir mit Birgit Steinborn, stellvertretende GBR-Vorsitzende und Lothar Adler, dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats Siemens.

Siemens hat im letzten Geschäftsjahr ein recht ansehnliches Ergebnis vorgelegt. Trotzdem will der Vorstand mit dem Unternehmensprogramm "Siemens 2014" sechs Milliarden Euro einsparen.

 

Lothar Adler: Es ist niemandem vermittelbar, dass trotz des zweitbesten Ergebnisses der Unternehmensgeschichte die Kolleginnen und Kollegen um ihre Arbeitsplätze fürchten müssen. Wir sehen nicht, dass unser Unternehmen angesichts des Ergebnisses ein Sanierungsfall ist. Das Unternehmensprogramm "Siemens 2014" gefährdet eine nachhaltige und zukunftsfähige Unternehmensstrategie. Eine rein margenorientierte kurzsichtige Portfoliopolitik hilft weder den Kolleginnen und den Kollegen, noch dem Unternehmen. 

Birgit Steinborn: Beim Unternehmensprogramm "Siemens 2014" steht allein die Marge im Mittelpunkt. Wir fordern einen Kurswechsel, bei dem der Mensch und nicht nur die Marge im Mittelpunkt steht. Hier haben wir einen Interessengegensatz und den werden wir gemeinsam mit der IG Metall deutlich aussprechen. 

Lothar Adler: Dieser Kurswechsel richtet sich nicht gegen das Unternehmen. Er richtet sich gegen diejenigen Kräfte, die nur auf den schnellen Profit schielen und Siemens als nachhaltigen und breit aufgestellten Technologiekonzern damit gefährden.


Der Gesamtbetriebsrat hat Widerstand gegen das Sparkonzept angekündigt. Was fordert die Arbeitnehmerseite?


Birgit Steinborn:
Es ist nicht so, dass wir Veränderung grundsätzlich ablehnen. Gegen eine Verbesserung der langwierigen Prozesse und der Abschaffung unnötiger Bürokratie, unter denen die Kolleginnen und Kollegen leiden, ist nichts einzuwenden. Personalabbau ist nicht innovativ.

Lothar Adler: Wir setzen dem Unternehmensprogramm "Siemens 2014" die Zukunftsperspektive "Siemens 2020" entgegen. Wir wollen das Unternehmen mit den Kolleginnen und Kollegen konstruktiv und nachhaltig voranbringen. Unser Hauptziel ist, Beschäftigung in Deutschland zu sichern. Siemens in Deutschland muss Innovationsführer in vielen Branchen bleiben und das noch ausweiten. Siemens in Deutschland mit seinen hochqualifizierten Beschäftigten kann und muss Leitmärkte gestalten.


Das "grüne Unternehmen" braucht also auch einen Klimawandel?


Birgit Steinborn:
Wir brauchen eine Unternehmenskultur, bei der Feedback und Vertrauen über alle Hierarchieebenen hinweg geschaffen werden.

Lothar Adler: Der Wandel muss von einer kurzsichtigen, margenorientierten Portfoliopolitik hin zu einer nachhaltigen Zukunftsperspektive gehen. Dafür steht "Siemens 2020".


Was beinhaltet das Programm?

Lothar Adler: In diesem Zusammenhang fünf Punkte. Wir fordern erstens, dass die Wertschöpfung in Deutschland gestärkt wird. Hier fordern wir, dass die Wertschöpfungstiefe und Kompetenzen im Unternehmen gehalten werden. Auch ist eine Stärkung der technologieorientierten Produktion, insbesondere bei innovativen, qualitativ hochwertigen und komplexen Produkten gefragt.


Zweitens müssen Aktivitäten sektorübergreifend integriert werden. Hier fordern wir eine Gesamtoptimierung statt Einzeloptimierung durch Sektor-, Divisions- und Business Unit- übergreifende Integration.


Drittens muss in Zukunftstechnologien investiert werden. Hier fordern wir, dass Zukunftstechnologien mit Langfrist-Perspektive vom kurzfristigen Margendruck befreit werden und noch stärker in Zukunftsfelder investiert wird.


Viertens müssen Arbeitsbedingungen attraktiv gestaltet werden. Hier fordern wir, dass Qualifizierung und strategische Personalplanung im Mittelpunkt stehen und fest eingestellte Mitarbeiter statt Leiharbeit, also regulär statt prekär, beschäftigt werden.


Fünftens muss eine neue Unternehmenskultur geschaffen werden. Es muss, wie bereits erwähnt, eine neue Feedback- und Vertrauenskultur über die Hierarchieebenen hinweg geschaffen werden.


Am 21. Februar sind Aktionen gegen das Sparkonzept geplant.
Was habt ihr vor?

Birgit Steinborn: An den Standorten werden wir gemeinsam mit der IG Metall den Interessengegensatz von margengetriebener Portfoliopolitik und nachhaltiger Zukunftsperspektive sehr deutlich aussprechen. Für uns ist klar, erst kommt der Mensch, dann die Marge.

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Links und Zusatzinformationen
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Lothar Adler
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats Siemens

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Birgit Steinborn
Stellvertretende Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats Siemens

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