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Siemens Gasturbine mit Weltrekordwirkungsgrad

Energieeinsparung durch Technik

28.07.2011 Ι Der effizientere Energieeinsatz ist der Schlüssel zur Energiewende. Eindrücklich belegt das eine neue Gasturbine von Siemens, die in Kombinationsbetrieb mit einer Dampfturbine einem Wirkungsgrad von über 60 Prozent erreicht. Wir sprachen mit Betriebsräten der IG Metall. Sie waren an der Entwicklung und Fertigung dieses Meisterwerks beteiligt.

Zehn Jahre hat es gedauert. Mit den Gasturbinen des H-Klasse - H steht für Höchstleistung - stellt Siemens einen Weltrekord in Sachen Wirkungsgrad auf. Mit der im Kraftwerk Irsching bei München installierten SGT5-8000H Gasturbine in Kombination mit einer nachgeschalteten Dampfturbine wurde ein Wirkungsgrad von 60,75 Prozent erreicht.

Wie das möglich wurde und wie es ist, bei Planung und Bau dabei gewesen zu sein, darüber sprachen wir mit Frank Schlott, Konstrukteur und Betriebsrat in der Entwicklungsabteilung in Mülheim an der Ruhr und Lennart Kunde, Betriebsratsvorsitzender im Siemens-Gasturbinenwerk in Berlin.

Frank Schlott hat in Mülheim unter anderem an der Maschinenabstützung und dem Abgasdiffusor mitgearbeitet: "Im wesentlichen ist das Teamarbeit. Bei der täglichen Arbeit, da fühlt man sich nicht besonders herausragend, man hofft natürlich, das es klappt. Wenn es dann fertig ist und gar in der Zeitung steht, dann ist man selbst schon ein bisschen stolz, dass man selbst einen kleinen Teil vom großen Ganzen dazu beigetragen hat."

An sich ist die Turbine nichts grundsätzlich Neues, es ist die Kombination und Optimierung von verschiedenen Komponenten. Frank Schlott: "Wichtig ist dabei auch die Abstimmung mit der Fertigung in Berlin, wir mussten permanent kommunizieren, um die Details herauszukitzeln die möglich sind. Dieses Wissen der Fertigung war für uns Entwickler sehr wichtig". Eines der Hauptprobleme war es, die hohen Temperaturen zu beherrschen. So sind die Schaufeln in der Turbine mit Keramik beschichtet und werden gleichzeitig gekühlt, sonst würden sie durch die hohen Temperaturen beschädigt.

Hergestellt werden die Turbinen in Berlin. Lennart Kunde ist dort Betriebsratsvorsitzender und Interessenvertreter für 2200 Beschäftigte. Etwa 750 Beschäftigte, davon rund 250 Ingenieure, haben an der Weltrekordturbine mitgebaut. Auch er betont, wie wichtig der Austausch zwischen Entwicklung und Produktion sei. "Das war fast täglich, seien es Besuche, Gespräche, oder virtuelle Konferenzen, das ist ja heute alles kein Problem mehr."


Montage der Weltrekordturbine. Quelle: Siemens

Die 8000H-Turbine ist über 13 Meter lang und 440 Tonnen schwer. Lennart Kunde "Wenn man diese Turbine mal richtig sieht, wie hier in Berlin, wo wir sie bauen, dann ist man wirklich beeindruckt und jeder Arbeiter, der an so einem Prototyp mitmacht, der ist stolz, wenn das dann in Serie geht, weil, dann haben wir alles richtig gemacht. Das erfüllt einen schon mit dem sogenannten Facharbeiterstolz oder dem Ingenieurstolz."

Die neue Gasturbinengeneration von Siemens verbraucht für die gleiche Menge erzeugten Stroms ein Drittel weniger Gas und senkt im selben Umfang die CO2-Emissionen gegenüber bisher installierten Lösungen. Nicht nur deshalb ist sie für Lennart Kunde, der ausdrücklich hinter dem Atomausstieg steht, wichtig: "Wir brauchen Ersatzkraftwerke für die abgeschalteten Kernkraftwerke und solch modernen Gas-Dampfturbinen sind dafür optimal."

Die 8000H lässt sich in wenigen Minuten vom Stillstand bis zur Höchstlast hochfahren oder auch auf bestimmten Zwischenstufen einstellen. "Wenn wir das in Kombination mit Sonnen- und Windenergie sehen, also mit Energieformen, die schwankend sind, dann kann man mit so einer Gasturbine schnell die Schwankungen ausgleichen", sagt Lennart Kunde: "Da würden wir auch gerne im Inland noch das ein oder andere moderne Gaskraftwerk bauen, damit das mit der Energiewende klappt".

Neben der Anlage in Irsching hat Siemens sechs der neuen Gasturbinen in der 60-Hz-Version an einen Energieversorger in Florida verkauft. Die ersten Maschinen für diesen Auftrag werden ab 2012 ausgeliefert. Auch aus Südkorea liegt ein Auftrag für ein Gas- und Dampf-Kraftwerk mit den Turbinen der H-Klasse vor.

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