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Sell GmbH: Poker um Verkauf von Flugzeugküchenhersteller. Foto: Fotolia.de/

Sell GmbH Herborn

Poker um Verkauf von Flugzeugküchenhersteller

26.05.2010 Ι Der Weltmarktführer im Flugzeugküchenbereich Sell soll verkauft werden. Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Herborn, Hans-Peter Wieth, befürchtet, dass der derzeitige Poker um den Verkauf negative Folgen für Unternehmen, Mitarbeiter und auch Kunden haben könnte.

Nach jahrelangem "abschöpfen" der Gewinne durch Manager und unterlassenen Investitionen sollte der Verkauf der Sell GmbH endlich die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft des mittelhessischen "Hidden-
Champion" (Weltmarktführer im Flugzeugküchenbereich) führen. Transparenz und Beteiligung des Betriebsrates im laufenden Auktionsverfahren waren zugesagt - allerdings hielten sich die Verantwortlichen der RBS (Royal Bank of Scotland) nicht an ihre Zusagen.

Schneller Proft vor guten Zukunftsperspektiven
Immer mehr dränge sich der Eindruck auf es solle nur noch ein schneller Profit eingestrichen werden, erklärt der Herborner Gewerkschafter Wieth. Nicht einmal das Betriebsverfassungsgesetz würden beachtet. Statt wie versprochen beim Verkauf das bessere Konzept, und die besseren Zukunftschancen sowie die Arbeitnehmerinteressen zu berücksichtigen, drehe sich alles nur noch um den höchsten Preis. Dagegen formiere sich jedoch der Widerstand der Beschäftigten. Sie wollen verhindern, dass ein möglicherweise überhöhter Kaufpreis die Zukunft des Unternehmens und der über 1250 Arbeitsplätzen gefährdet. Dabei haben sie auch die Folgen für einen möglichen neuen Inhaber und ihre langjährigen Kunden im Blick. "Dies mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen", so Wieth, "allerdings ist der sensible Markt bereits mehrfach vom Verhalten der heutigen Anteilseigner (RBS) verunsichert und enttäuscht worden." Das könne sich das Unternehmen kein weiters mal erlauben.

Sell-Mitarbeiter ergreifen Initiative
Die Belegschaft hat nun selbst die Initiative ergriffen und die potentiellen Kaufinteressenten zu Gesprächen eingeladen. Die Arbeitnehmervertreter haben dafür Eckpunkte für eine Zusammenarbeitsvereinbarung und eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung aufgestellt. Erste Reaktionen aus dem Kreis der potentiellen Käufer stimmen zuversichtlich.
Hier gebe es offensichtlich erheblich mehr Verständnis für die Interessen der Beschäftigten als innerhalb des Managements und der RBS. Insbesondere das Konsortium aus MCH (Management Capital Holding, München) und MT AEROPACE zeige sich bisher gegenüber den Interessen der Belegschaft sehr aufgeschlossen, gesprächsbereit und sei auch zum Abschluß verbindlicher Vereinbarungen bereit.


Foto:Fotolia.de/Eray

Die Arbeitnehmervertreter erwarten insbesondere Verfahrensregelungen zur Beteiligung des Betriebsrates im Verkaufsverfahren (Transparenz), einen Schutz vor Knowhow-Tarnsfer, Verlagerung von Produktion und verbindliche Regelungen zum Erhalt der Arbeitsplätze und über dringend erforderliche Investitionen an den Standorten.
Wieth gab außerdem bekannt, dass die Belegschaft bereits erste öffentliche Aktionen geplant habe. Bereits am vergangenen Freitag hatte über 90 Prozent der Beschäftigten die Arbeit ab 13.30 Uhr eingestellt.
In der kommenden Woche sei eine ganztägige Betriebsversammlung geplant, eine Kundgebung vor dem Werkstor werde durchgeführt, Landesregierung und Bundesregierung würden eingeschaltet sowie die Öffentlichkeit informiert. Nicht zuletzt um den Verantwortlichen deutlich zu machen dass man Menschen nicht einfach wie Gegenstände verkaufen und in eine ungewisse und unsichere Zukunft entlassen kann.

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