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Sell GmbH Herborn: Mitarbeiter wollen Antworten.

Sell GmbH Herborn

Sell-Mitarbeiter wollen Antworten

07.05.2010 Ι Um den Verkauf des führenden Flugzeugküchenherstellers Sell GmbH in Herborn/Hessen droht ein Konflikt - das britische Management und die Royal Bank of Scotland (RBS) versuchen, den Verkauf des Unternehmens möglichst intransparent zu gestalten, um so einen höheren Gewinn zu erzielen. Die Zukunft des Unternehmenss bleibt derweil im Ungewissen. Die Mitarbeiter möchten nun Antworten.

Beim Flugzeugküchenhersteller sorgen sich die Beschäftgiten um ihre Arbeitsplätze und damit auch um ihre Zukunft. Der Erste  Bevollmächtigte der Herborner IG Metall, Hans-Peter Wieth, wirft den Verantwortlichen eine Geheimhaltungstaktik vor. "Offensichtlich haben die Verantwortlichen aus der wochenlangen Auseinandersetzung im vergangenen Jahr wenig gelernt", so Wieth weiter. Damals hatten die mehr als 1200 Beschäftigten mit Protesten und kurzzeitigen Arbeitsniederlegungen sowie einer Demonstration mit über 3000 Teilenehmern für Arbeitsplatzsicherung, die Übernahme aller 350 befristet Beschäftigten und eine solide Unternehmensfinanzierung gekämpft - und sich am Ende durchgesetzt.

Beschäftigungssicherung gilt noch bis Juni 2010
Damals wurden alle Arbeitsplätze gesichert und Kündigungen oder Produktionsverlagerungen bis mindestens 30. Juni 2012 durch eine Vereinbarung ausgeschlossen. Aufgrund eigenen unternehmerischen Vermögens und fehlender finanzieller Mittel für Zukunftsinvestitionen sah sich der von der RBS gemanagte "Investmentfonds" jetzt offenbar genötigt das Unternehmen in einem Bieterverfahren zu verkaufen, erklärte Wieth. Grundsätzlich sind Betriebsrat und IG Metall überzeugt daß dies ein richtiger Schritt ist, allerdings verweigere die RBS und das zuständige Management bisher alle gesetzlich vorgeschrieben Informationen und den Einblick in die entsprechenden Unterlagen. "Seit Wochen erleben wir eine unzumutbare Hinhaltetaktik und fragen uns natürlich warum? Offensichtlich geht es der RBS nur um einen möglichst hohen Verkaufspreis - die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze scheint egal. Wir müssen jedoch wissen wer, das Unternehmen kauft, mit welcher Absicht und Perspektive. Und wie ein Kauf finanziert wird. Wir wollen keine zweite "Heuschrecke" die das Unternehmen mit neuen Schulden überhäuft und weiter aussaugt - und am Ende völlig ruiniert, erklärte Wieth die Bedenken der Mitarbeiter.

Betriebsratsvorsitzender möchte verbindliche und klare Verträge
Auch Betriebsratsvorsitzender Gerd Spellerberg sieht im Verhalten des Managements und der RBS nicht nur einen Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen sondern eine mögliche Bedrohung der Arbeitsplätze und der Zukunft von Sell. Er ist persönlich enttäuscht vom Verhalten der Verantwortlichen die viel "versprachen" und nun wenig informieren, von Beteiligung ganz zu schweigen. Rechtliche Schritte zur Durchsetzung der Gesetze auch bei Sell GmbH sind zwischenzeitlich beschlossen, erklärten Wieth und Spellerberg. Allerdings, so Wieth: "Wir werden uns nicht nur auf wochen- oder monatelange Gerichtsverfahren einstellen, wir werden mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln dafür sorgen, daß beim Unternehmensverkauf die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden. Und zwar durch verbindliche und klare Verträge."

"Ich bin mir sicher, daß wir mit der betroffenen Belegschaft, mit der Unterstützung der Bevölkerung und Öffentlichkeit, von Politik und Bundes- und Landesregierung in der Lage sind einem hervorragenden Unternehmen, einer hervorragenden und motivierten Belegschaft Zukunft und Sicherheit zu geben. Menschen sind keine Gegenstände die man einfach mal so verkaufen kann - das wird die RBS entweder akzeptieren oder lernen müssen", warnte Wieth.
Noch hoffen Beschäftigte und IG Metall, das die RBS und das Management zur Vernunft kommen. Bis Montag nächster Woche müssen die Bank und das Management entscheiden, wie es weitergehen soll. Friedlich in Verhandlungen oder mit Konflikten vor und im Betrieb. Ab kommenden Montag werden direkte Gespräche mit den Kaufinteressenten geführt, die Beschäftigten in einer Betriebsversammlung informiert und erste Aktionen durchgeführt. Auch die Forderung nach einem Sozial- und Zukunftstarifvertrag werden diskutiert. Und wie man Tarifverträge notfalls auch gegen Widerstände durchsetze, das wisse die IG Metall nun wirklich, so Wieth abschließend.

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