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Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder. Foto: Fotolia

Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kleinkinder

Endspurt beim Kita-Ausbau

29.07.2013 Ι Papier ist geduldig. Ob die Eltern von Kleinkindern dies auch sind, wird sich ab dem 1. August herausstellen. Dann gilt der Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz für unter 3-jährige Kinder. Tatsächlich fehlen immer noch tausende Plätze. Die IG Metall fordert verstärkte Anstrengungen von Politik und Unternehmen.

Für Kinder ist es gut, wenn sie mit anderern Kindern gemeinsam aufwachsen. Sie sitzen seltener vor der Glotze und toben mit Gleichaltrigen im Sandkasten oder auf dem Klettergerüst. Das bringt auch Kleinkinder voran, was sich später in der Schule zeigt. Doch obwohl das bekannt ist und seit 2008 der Bau von Kitas massiv voran getrieben wird - die Kommunalverbände rechnen aktuell noch mit einem Defizit von bis zu 100 000 Plätzen. 
 

Rein rechnerisch reichen die Plätze

Deutschlandweit war ein Bedarf von 780 000 Plätzen errechnet worden. Dass nun aktuell 811 000 Plätze zur Verfügung stehen sollen, hat im Bundesfamilienministerium zu Erleichterung geführt. Im Vergleich zum Frühjahr 2013 ist damit die Situation deutlich besser. Rein rechnerisch müssten die Plätze demnach reichen, doch die Lage ist regional unterschiedlich. Besonders schlecht sieht es in den Großstädten der alten Bundesländer aus: Gebäude sind nicht fertig, die Einrichtung unvollständig und vielerorts fehlt qualifiziertes Erziehungspersonal. Aber auch, wenn man Glück hat und einen der gefragten Kitaplätze ergattert - so muss dieser zur Job- und Familiensituation passen.


Es beginnt mit dem Weg von der Wohnung zur Kita. Bis zu einer halben Stunde darf er nach der geltenden Rechtssprechung dauern. Auch wenn das im ersten Moment nicht viel erscheint, eine halbe Stunde kann lang sein. Gerade für Eltern, die nicht nur ein Kind versorgen müssen, sondern noch weiteren Nachwuchs haben und den zur Schule oder einem anderen Kindergarten bringen müssen. Eine weitere Hürde stellt die Dauer der Betreuung dar. Der Rechtsanspruch gilt als erfüllt, wenn das Kind von 8 bis 12 Uhr betreut werden kann. Wohin also mit Lena, Jakob oder Kleinjessica am Nachmittag? In einem solchen Fall kann das sogar für Beschäftigte mit Teilzeitarbeitsvertrag knapp werden.

 

Wer keinen Kitaplatz findet, kann beim städtischen Jugendamt wegen einer Tagesmutter oder einem Tagesvater nachfragen. Die Betreuung durch Tageseltern ist eine der Möglichkeiten zur Kinderbetreuung nach dem Kinderförderungsgesetz (KiföG). In diesem Fall müssen sich die Eltern jedoch auf deutlich höhere Kosten einstellen. Wenn auch keine Tageseltern gefunden werden, bleibt nur noch der Klageweg. 

 

Frauen wollen länger, Männer kürzer arbeiten

In der Praxis stellen sich Berufstätigkeit und Familienpflichten häufig als ein fast unüberwindbarer Hürdenlauf dar. So passen die Kita-Öffnungszeiten selten zu den Arbeitszeiten der Eltern. Dass deshalb bislang viele Mütter nur Teilzeit beschäftigt sind und Väter meist einen Vollzeitjob haben, ist eine Folge dieses Problems. Im Jahr 2011 waren es sieben von zehn Müttern mit Kindern unter 15 Jahren, die in Teilzeit arbeiteten. Jedoch nur jeder 17. Vater reduzierte die Arbeitszeit zu Gunsten der Kinderbetreuung. Nun zeigen aktuelle Untersuchungen: Frauen wollen gerne mehr und flexibler arbeiten. Männer wünschen sich mehr Teilzeit und wollen ihre Arbeitszeit eher reduzieren. In dieser Situation sind gute Betreuungsangebote für den Nachwuchs besonders wichtig - auf kommunaler Ebene ebenso wie in den Unternehmen. Ebenso wichtig ist es, dass die Unternehmen Möglichkeiten bieten, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten.


Viele Firmen haben inzwischen erkannt, wie wirksam gute Regelungen für eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie sein können - auch um dem Nachwuchsmangel vorzubeugen. Daher gibt es zunehmend mehr Betriebe, die entweder in Sachen Arbeitszeit oder Kinderbetreuungsangebote aktiv sind. Trotzdem sind es noch viel zu wenig. Insgesamt werden nur etwa 26 500 Kinder in Betriebskindergärten betreut. Etwa 10 000 von ihnen sind jünger als drei Jahre.

 

Gute Arbeitszeitmodelle können hilfreich sein

Neben Betriebskindergärten bieten manche Unternehmen auch die unterschiedlichsten Arbeitszeitmodelle an: Versetzter Arbeitszeitbeginn und -ende, verkürzte Vollzeit oder Arbeitszeitregelungen nach individuellen Anforderungen.

Die IG Metall fordert, dass die Unternehmen Rahmenbedingungen bieten, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie unterstützen. Dazu gehört, dass Beschäftigte ihre Arbeitszeit individuell gestalten können. Aber nicht nur. Als Standard sollte gelten, dass Arbeitszeiten für die Beschäftigten planbar sind und dass Mehrarbeit frühzeitig angekündigt wird. Besprechungen sollten nicht am späten Nachmittag angesetzt werden. Nach einer Teilzeitphase sollte der Wechsel in Vollzeit möglich gemacht werden und es muss sichergestellt sein, dass die Inanspruchnahme von Elternzeit für Männer und Frauen kein Karriereknick nach sich zieht. Zudem sollten die Firmen Angebote entwickeln, wie der Kontakt zu den Beschäftigten gehalten werden kann, die in Elternzeit oder in der Babypause sind. 

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