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RECHT SO! Weiterbeschäftigung von Jugend- und Auszubildendenvertretern

Damit es nach bestandener Prüfung weitergeht

18.09.2014 Ι Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV) haben nach ihrer Abschlussprüfung einen Anspruch auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag. So steht es im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG). Trotzdem gibt es einiges zu beachten. Was, das erklärt der Gewerkschaftsjurist Dr. Till Bender.

Aktive Jugendvertreter können ab und zu auch mal lästig sein - das denkt sich so mancher Geschäftsführer, wenn die JAV mal wieder auf die Einhaltung des Ausbildungsplans pocht oder ausbildungsfremde Arbeiten anprangert und auf ein Verbot pocht.

 

Obwohl die Klärung dieser Probleme zu den ureigensten Aufgaben einer JAV gehört, versuchen Firmen immer wieder, aktive JAVis nach der Abschlussprüfung los zu werden. Doch das Betriebsverfassungsgesetz regelt, dass Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung nach der Ausbildung unbefristet in ein Arbeitsverhältnis übernommen werden müssen. Damit will der Gesetzgeber erreichen, dass sie ihr Amt ohne Angst vor Nachteilen für die zukünftige berufliche Entwicklung ausüben. Darüber hinaus soll die Kontinuität und Unabhängigkeit der Arbeit in der Jugend- und Auszubildendenvertretung und im Betriebsrat sichergestellt werden. Doch die Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis passiert nicht automatisch. Daher müssen JAVis aufpassen und einiges beachten. 

 

 

  1. Verlange rechtzeitig vor der Abschlussprüfung die anschließende unbefristete Weiterbeschäftigung. § 78a Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) spricht hier von einem Zeitraum von 3 Monaten vor Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses.

  2. Halte spätestens ab jetzt Augen und Ohren offen nach einem freien Arbeitsplatz oder einer Beschäftigungsmöglichkeit im Betrieb. Mache dir hierüber Notizen und bleibe in ständigem Kontakt zum Betriebsrat.

  3. Verlange die Weiterbeschäftigung unbedingt schriftlich. Stelle sicher, dass dieses Schreiben dem Chef oder der Personalabteilung auch tatsächlich zugeht und dass Du diesen Zugang später auch beweisen kannst (Eingangsbestätigung).

  4. Wenn der Chef mit Dir über eine lediglich befristete Weiterbeschäftigung verhandeln will, weil angeblich keine dauerhafte Arbeit im Betrieb möglich ist: Informiere sofort den Betriebsrat und Deine Gewerkschaft. Gehe in derartige Verhandlungen niemals alleine, sondern nimm eine Vertrauensperson (Betriebsrat) mit.

  5. Lass´ Dich nur dann auf Verhandlungen über eine nur befristete Weiterbeschäftigung ein, wenn es im Betrieb wirklich und nachweisbar keine Dauerbeschäftigung gibt. In aller Regel ist es günstiger, ein solches Angebot abzulehnen!

  6. Wenn Du Dich doch auf eine befristete Weiterbeschäftigung einlässt: Schließe einen befristeten Arbeitsvertrag nur mit dem ausdrücklichen und nachweisbaren Vorbehalt der Geltendmachung einer unbefristeten Weiterbeschäftigung. Dann hast Du die Befristung sicher, behältst aber die Möglichkeit, eine unbefristete Beschäftigung durchzusetzen. Ohne Vorbehalt ist diese Tür zu.

  7. Wenn der Chef eine unbefristete Weiterbeschäftigung ablehnt: Gehe sofort zu Deiner regionalen IG Metall oder zum DGB Rechtsschutz, um rechtliche Schritte zu klären und eventuell schon einzuleiten.

  8. Informiere nach bestandener Abschlussprüfung sofort den Chef oder die Personalabteilung und verlange unter Zeugen Deine Weiterbeschäftigung.

  9. Wenn Du nach bestandener Abschlussprüfung nicht weiterbeschäftigt wirst: Gehe spätestens jetzt sofort zur IG Metall oder zum DGB Rechtsschutz, um die Möglichkeit Deiner sofortigen Weiterbeschäftigung im Wege einer einstweiligen Verfügung zu besprechen.

  10. Wenn Du vom Arbeitsgericht Post erhältst mit einem von Deinem Arbeitgeber gestellten Auflösungsantrag: Gehe auch in diesem Fall sofort zur Gewerkschaft oder dem DGB Rechtsschutz, um Rechtsschutz und Vertretung in diesem Gerichtsverfahren zu klären. Informiere auch sofort Deinen Betriebsrat.

  11. Da Du selbst im Falle eines vom Arbeitgeber gestellten Auflösungsantrages noch in einem "gesetzlichen" Arbeitsverhältnis stehst (mindestens bis zu einer rechtskräftigen Gerichtsentscheidung): Achte darauf, dass Du (auch wenn man Dich nicht arbeiten lässt) Deine Vergütung vom Chef bekommst und mache sie anderenfalls schriftlich geltend.

  12. Melde Dich 3 Monate vor Ausbildungsende bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend und beantrage bei Verweigerung Deiner Weiterbeschäftigung durch den Chef Arbeitslosengeld. Vergiss aber nicht, die Arbeitsagentur zu informieren, wenn Du dann doch weiterbeschäftigt wirst oder wenn Du wenigstens Lohnzahlungen bekommst.

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