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RECHT SO! Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben ziehen

Wenn die Arbeit weit in das Privatleben vordringt

06.09.2016 Ι Ob Beschäftigte am Arbeitsplatz privat telefonieren oder surfen dürfen, mussten Gerichte schon oft entscheiden. Im umgekehrten Fall, wenn Beschäftigte abends oder am Wochenende zu Hause arbeiten, gibt es dagegen noch zu wenig Klarheit, erklärt Tjark Menssen von der DGB Rechtsschutz GmbH.

Der Begriff Work-Life-Balance bezeichnet das ausgewogene Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Privatleben. Die Vernetzung der Informations- und Kommunikationsmedien hat der Arbeitswelt immer mehr Türen geöffnet, in den privaten Bereich vieler Beschäftigter einzudringen. So gaben 2013 bei einer Umfrage 20 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an, ständig oder häufig außerhalb ihrer eigentlichen Arbeitszeit Aufgaben für ihren Arbeitgeber zu erledigen. Zudem erwarten viele Unternehmen von ihren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, in immer größerem Maße mobil zu sein.

In einem Vortrag über die Arbeitszeit äußerte ein Referent den Eindruck, bei Bahnfahrten befinde man sich in einem Großraumbüro. Reisezeiten zählen als Arbeitszeit, wenn während der Fahrt gearbeitet wird. Die Work-Life-Balance gerät damit immer mehr aus dem Gleichgewicht - auf Kosten des Privatlebens.

Das Arbeitsrecht hält damit nicht Schritt. Grundlage unseres Rechtssystems ist noch immer ein Idealbild von Arbeit: Beschäftigte erbringen eine Leistung in einem zeitlich klar vorgegebenen Rahmen an einem festgelegten Ort. In der Regel ist das der Betrieb. Von diesem klassischen Bild löst sich die Arbeitswelt schleichend. Dabei bestätigt sich der Wandel von einer begrenzten Arbeit zum Arbeiten ohne räumliche und zeitliche Grenzen. In dem Maß, in dem Beschäftigte immer mehr E-Mails nach Feierabend oder im Urlaub beantworten und dieses Phänomen auch von anderen Freunden und Kollegen bestätigt wird, nehmen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer diese Forderung an sie als selbstverständlich wahr. Und solangesich niemand gegen solche Veränderungen wehrt, untermauern sie deren Rechtmäßigkeit.

Tatsächlich werfen diese neuen Arbeitsformen eine Menge rechtlicher Fragen auf. Und zwar auf unterschiedlichen Ebenen. Sie betreffen Fragen des Vertragsrechts genauso wie Fragen des Arbeitszeitgesetzes, des Gesundheitsschutzes, der Datensicherheit, der Mitbestimmung und anderer Themen mehr.

Damit Beschäftigte sich erfolgreich vor unbegrenzter Arbeit schützen können, brauchen sie ein möglichst hohes Maß an Rechtssicherheit. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter müssen sie durch tarifliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen schaffen und individuelle Lösungen für die Betriebe aushandeln.

Die IG Metall hat dazu ein Eckpunktepapier verfasst, in dem die wichtigsten Punkte für das mobile Arbeiten und für die Erreichbarkeit von Beschäftigten außerhalb der regulären Arbeitszeit aufgezählt sind. Wichtig ist, dass geleistete Arbeit auch erfasst wird. Tarifliche Regeln müssen aber auch Grenzen setzen, um die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen. Zusätzlich sind dort Beispiele von Betriebsvereinbarungen aufgeführt, die bereits abgeschlossen wurden.

Info: IG Metall-Mitglieder werden vor den Arbeits- und Sozialgerichten bei Bedarf kostenlos von den Juristinnen und Juristen der DGB Rechtsschutz GmbH vertreten. Die erste Anlaufstelle bei Problemen ist immer die IG Metall vor Ort. Weitere Informationen dazu hier.

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In der Rubrik "RECHT SO!" erläutern Experten vom DGB-Rechtsschutz Fragen rund um das Arbeitsrecht.

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