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Beschäftigung und Qualifizierung im ITK-Sektor

Besser statt billiger

04.03.2011 Ι Fachkräftemangel im ITK-Sektor? Dafür gibt es keine Belege. Die Engpässe auf dem IT-Arbeitsmarkt könnten kurzfristig behoben werden, wenn die Firmen mehr eigene Leute aus- und weiterbilden. Die IG Metall fordert außerdem, dass Berufsanfänger, Frauen, ältere Fachkräfte und erwerbslose IT-Spezialisten bessere berufliche Chancen erhalten.

Die Branche ist optimistisch ins neue Jahr gegangen. 84 Prozent der ITK-Unternehmen rechnen 2011 mit steigenden Umsätzen. Rund zwei Drittel wollen neue Stellen schaffen. Einziger Wermutstropfen: zu wenig Fachkräfte. Insbesondere Ingenieure, Informatiker und andere hochqualifizierte Spezialisten fehlen, beklagt der Branchenverband Bitkom. Dem widerspricht Helga Schwitzer, beim Vorstand der IG Metall für diesen Bereich zuständig. Sie sagte: "Es gibt keinen generellen Fachkräftemangel, aber in bestimmten Bereichen kann es längerfristig zu Engpässen kommen, wenn nichts unternommen wird." Schwitzer fordert, dass die Unternehmen wieder ausreichend aus- und weiterbilden und für attraktivere Arbeitsbedingungen sorgen. 

Hausgemachte Probleme der Branche
Nach Angaben von Bitkom fehlen in der Branche derzeit 35 000 IT-Fachkräfte. Die Zahl der offenen Stellen für diese Berufsgruppe hat sich von rund 40 000 jeweils in den Jahren 2007 und 2008 auf 28 000 im Jahr 2010 verringert. Der Branchenverbund fordert nun eine erleichterte und gesteuerte Zuwanderung von qualifizierten IT-Fachkräften aus dem nicht europäischen Ausland. Damit diese eine dauerhafte Niederlassungserlaubnis erhalten, soll unter anderem das geforderte Mindesteinkommen von 66 000 auf 40 000 Euro gesenkt werden.

Für die IG Metall ist der sogenannte Fachkräftemangel ein hausgemachtes Problem. Es ließ sich kurzfristig beheben, wenn die ITK-Unternehmen mehr eigene Leute aus- und weiterbildeten, wenn Berufsanfänger und ältere Fachkräfte besser behandelt würden. Und wenn Frauen sowie erwerbslosen IT-Spezialisten bessere berufliche Chancen hätten. Auch müssten die Studienbedingungen verbessert werden. Vor allem kritisiert die IG Metall die Untätigkeit der Unternehmen in der Krise. Diese hätten zu wenig die vorhandenen Instrumente zur Weiterbildung genutzt. Der Aufschwung liese sich nur bewältigen, wenn die Beschäftigten länger im Beruf bleiben. Dazu gehören gute Arbeit und Aktivitäten, um Stress und Überforderung zu vermeiden.

Beschäftigte sollen unter Druck gesetzt werden
Auch in Politik und Gesellschaft sind die Bitkom-Vorschläge umstritten. Die Konservativen in der Union sind grundsätzlich gegen mehr Immigration. Bundeskanzlerin Angela Merkel will zunächst nichts unternehmen. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellte fest: Von einem generellen Fachkräftemangel kann vorerst keine Rede sein. Es gebe keinerlei Belege dafür, meint gar Gerhard Bosch vom Institut für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen. Engpässe müssten sich beispielsweise in steigenden Löhnen für Ingenieure und andere Spezialisten niederschlagen. Zudem müsste in den stark umworbenen Berufszweigen die Arbeitslosigkeit besonders niedrig und die Zahl der offenen Stellen besonders hoch sein. Bei IT-Fachkräften trifft nichts davon zu: Ihre Gehälter sind in den vergangenen Jahren - wenn überhaupt - moderat gestiegen. Die Zahl der offenen Stellen ist rückläufig, und die Arbeitslosigkeit unter IT-Fachkräften steigt.

Alles dies lässt vielmehr vermuten, so Helga Schwitzer, dass die ITK-Unternehmen mit ihrer Diskussion über einen angeblichen Fachkräftemangel unter den Beschäftigten Ängste schüren wollten. Mit "billigen" Akademikern aus dem Ausland wollen sie den Druck auf die einheimischen Experten erhöhen, massenhaft freiwillig unbezahlte Überstunden zu schieben oder sich in unterbezahlte Zeitarbeitsverhältnisse abdrängen zu lassen. Kein Erfolgs-, sondern ein kurzsichtiges Sparprogramm, das die Branche nicht weiterbringt, stellte Schwitzer fest.

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