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Pressemitteilung Nr. 38/2015

19.06.2015

IG Metall mahnt weitere Sozialreformen an und kritisiert Deregulierungsoffensive der Arbeitgeber - Hans-Jürgen Urban: "Nicht auf halbem Weg stehen bleiben"

19.06.2015 Ι

Berlin - Die IG Metall hat weitere Sozialreformen gefordert. "Die Bundesregierung darf nicht auf halbem Weg stehen bleiben. Mit dem Mindestlohn und der Rente ab 63 sind erste wichtige Schritte getan. Die Strukturprobleme am Arbeitsmarkt und bei der Alterssicherung sind damit aber nicht gelöst", sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, anlässlich einer arbeits- und sozialpolitischen Konferenz mit Staatssekretär Torben Albrecht sowie mit Betriebsräten, Vertretern aus Politik und Wissenschaft am Freitag in Berlin.

"Der Sinkflug des Rentenniveaus muss gestoppt werden. Wenn mit jahrzehntelangen Beitragszahlungen nur eine Rente knapp oberhalb der Grundsicherung erreicht wird, führt das bei kommenden Generationen zu massiven Versorgungsproblemen und zerstört zugleich die gesellschaftliche Akzeptanz der gesetzlichen Rentenversicherung", sagte Urban. Die IG Metall werde ihre Kampagne "Gute Arbeit - gut in Rente" fortsetzen und für eine grundlegende Reform der Alterssicherung werben. Der Schwer-punkt liege dabei auf der Stabilisierung und Anhebung des Rentenniveaus.

Zudem kritisierte Urban die Wirtschaftslobbyisten und Arbeitgeberverbände für ihre Absicht, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung für eine Deregulierungsoffensive nutzen zu wollen. "Bei der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände träumt man von der Utopie der schutzlosen Arbeit", sagte Urban. Wer die massenhafte und sozial nicht abgesicherte Verbreitung von Leiharbeit und Werkverträgen vorantreiben und die Axt an die gesetzlichen Höchstgrenzen für die tägliche Arbeitszeit legen wolle, der handle weder ökonomisch vernünftig noch sozialstaatskompatibel. "Die digitale Arbeit 4.0 verträgt sich nicht mit Arbeits- und Sozialstandards der Arbeit 1.0 des Frühkapitalismus", betonte Urban. "Wenn die neuen Datenautobahnen den Arbeitsalltag immer weiter beschleunigen, dann müssen durch eine regelsetzende Humanisierungspolitik stabile Sicherheitsgurte für die Beschäftigten installiert werden." Dabei sei ein moderner Arbeitsschutz ohne eine Anti-Stress-Verordnung nicht denkbar.


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