IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Arbeitsmarkt_Fotolia_Foto_Paul-Holthoff

Politik ist jetzt am Zug und muss den Arbeitsmarkt neu ordnen

Versprochen ist versprochen

08.10.2013 Ι Arbeit für alle - sicher und gut bezahlt. Dieses Versprechen haben die Parteien im Wahlkampf gegeben und diesen schönen Worten müssen Taten folgen. Das fordert die IG Metall. Dazu gehört eine neue Ordnung auf dem Arbeitsmarkt. Aber nicht nur. Außerdem muss die Tarifautonomie gestärkt und die Mitbestimmung in den Betrieben erweitert werden.

Ehrlich die tatsächlichen Probleme in unserem Land einschätzen und entschlossen angehen - das würde der neuen Regierung Pluspunkte bringen. Eines der größten Probleme hierzulande ist der Arbeitsmarkt. Es stimmt schon: In Deutschland sind die Arbeitslosenzahlen niedrig und die wirtschaftliche Situation ist relativ gut. Doch ein Blick hinter die nackten Zahlen offenbart Fakten, die dem deutschen Arbeitsmarkt ein schlechtes Zeugnis ausstellen.

 

Prekäre Situation auf dem Arbeitsmarkt

Deutschland hat einen der größten Niedriglohnsektoren in der Europäischen Union (EU). Über 22 Prozent der Beschäftigten verdient weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohnes, also unter 9,14 Euro. Besonders stark betroffen sind Menschen in atypischen Arbeitsverhältnissen wie Leiharbeit, Werkverträgen oder Minijobs. Und hier gibt es viel zu tun. "Eine neue Regierung muss die vor uns liegenden Aufgaben anpacken, die den Menschen wichtig sind", schreibt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, in einem Gastkommentar vom 2. Oktober 2013 im "Handelsblatt". Das müsste auch bei der stärksten Fraktion im neu gewählten Bundestag, der CDU/CSU, auf offene Ohren treffen.


"Unsere Ziele bleiben Arbeit für alle - sicher und gut bezahlt und Sicherheit für die Menschen" - so die Aussage aus dem Wahlprogramm der beiden christdemokratischen Parteien. Aber nicht nur die CDU/CSU hat dieses Ziel formuliert. So oder ähnlich haben es alle der jetzt in den Bundestag gewählten Parteien versprochen. Sind diese Aussagen ehrlich gemeint oder war das nur Wahlkampfgedöns? Die IG Metall jedenfalls hat auf die Frage, wie diese Ziele erreicht werden können, konkrete Antworten: Sichere und faire Arbeit muss sich in einem flächendeckenden Mindestlohn, bei der Regulierung der Leiharbeit und durch mehr Mitbestimmung bei Werkverträgen niederschlagen. 

 

Das erwarten die Beschäftigten

Für die IG Metall ist die Neuordnung des Arbeitsmarktes eine der wichtigsten Aufgaben der künftigen Bundesregierung. Und sie ist eines der wichtigsten Anliegen der Beschäftigten. Das zeigt das Ergebnis der großen IG Metall-Beschäftigtenbefragung im Frühjahr 2013. Die Menschen wollen sichere, gute und interessante Arbeit. Das bedeutet: Einen unbefristeten Arbeitsplatz mit einem verlässlichen Einkommen, von dem sie gut leben können. Sie erwarten deshalb von den politisch Verantwortlichen, dass sie den ausufernden Niedriglohnsektor eingrenzen und dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen einen Riegel vorschieben.


Nur wenn diese Forderungen erfüllt sind, ist Arbeit zu guten Bedingungen und fairer Bezahlung möglich. Auch die Frage, wie lange die Menschen arbeiten sollen, muss neu gestellt werden. Die starre Einheitsgrenze bei der Rente 67 hat sich als unrealistisch erwiesen. Je älter, die Erwerbstätigen sind, umso seltener sind sie noch in den Betrieben beschäftigt. Daher fordert die IG Metall flexible Ausstiegsmöglichkeiten im Alter anstelle einer starren Einheitslösung. Denn die Situation in den Firmen ist nicht so, wie die Politik sie beschreibt. Tatsächlich lassen es die Arbeitsbedingungen in den wenigsten Fällen zu, dass die Beschäftigten bis zum regulären Renteneintrittsalter durchhalten.


Tarifautonomie und Mitbestimmung stärken

Der Wahlkampf ist vorbei. Jetzt müssen Lösungen her. Um die sozialen Missstände zu beseitigen, die durch prekäre, schlecht bezahlte Jobs entstehen, muss die Tarifautonomie gestärkt und die Mitbestimmung erweitert werden, in den Betrieben ebenso wie in den Aufsichtsräten. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen den Ansprüchen der Beschäftigten und den Flexibilitätswünschen der Unternehmen wird es nur geben, wenn Betriebsräte und Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten mehr Rechte bekommen.


"Wer auch immer die Regierung bildet, die IG Metall erwartet ein klares Bekenntnis zu den Ansprüchen der Beschäftigten", so Detlef Wetzel. Er fordert: Die neue Regierung muss das Versprechen der Demokratie einlösen und Politik für die Mehrheit der Menschen machen. Sollte es den Politikern nicht gelingen, bei den anstehenden Problemen die richtigen Lösungen zu finden und entschlossen zu handeln, wird es mit der guten Stimmung in unserem Land schnell vorbei sein, befürchtet der Gewerkschafter.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Servicebereich