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Personalwirtschaft: Demographischen Wandel gestalten. Foto: Michael Frank

Personalwirtschaft

Demographischen Wandel gestalten

09.02.2010 Ι Unsere Gesellschaft altert. Und mit ihr auch die Belegschaften in Unternehmen. Langfristig kann daraus ein Mangel an Fachkräften entstehen. Der demographische Wandel kann aber durch Betriebsräte und Management gestaltet werden. Damit die Erfahrung älterer Mitarbeiter genutzt und jungen Menschen eine Chance auf den Einstieg gewährt werden kann.

Demografischer Wandel in der EU bedeutet für alle Mitgliedstaaten ein Ansteigen des Anteils älterer Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sowie ein Rückgang des Anteils jüngerer Menschen. Mittel- und langfristig lässt diese Entwicklung das Potential an Erwerbstätigen schrumpfen. Der jetzt einsetzende - im Osten der Republik schon eingetretene - Rückgang der nachfragenden Schulabgänger nach Ausbildungsplätzen zeichnet ein erstes Bild der zukünftigen Entwicklung.

Was können Unternehmen tun?
Mit betrieblichen Analysen der personellen Potentiale und der Folgen des demografischen Wandels lassen sich die Anforderungen an eine humane Arbeitsgestaltung ermitteln, die sowohl alters- als auch alternsgerecht ist. Sehr viel stärker als bisher ergibt sich die Notwendigkeit, den individuellen Schatz an Berufs- und Lebenserfahrung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu nutzen und durch rechtzeitige Weitergabe an die nachwachsenden Beschäftigten zu potenzieren. Damit ein Unternehmen gleichermaßen für Jung und Alt ein attraktiver Arbeitgeber ist, sind verschiedene Maßnahmen möglich:

  • die Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu
    verbessern
  • betriebliche und außerbetriebliche Karrierepfade aufzuzeigen
  • Arbeitszeit-Modelle auszubauen, die es unkompliziert ermöglichen,
    von Teilzeit auf Vollzeit - oder auch umgekehrt - zu wechseln


Gestaltungsmöglichkeiten für Betriebsräte
Ziel ist es, den Prozess des Alterns im Betrieb bewusst human zu gestalten. Statt verschärfter Arbeitsteilung bis hin zur Arbeitszergliederung können durch Tätigkeitszusammenfassung die Handlungsspielräume erweitert werden. Es gibt breite Gestaltungsspielräume und Umgestaltungsmöglichkeiten von Arbeitsplätzen, zumal die Gestaltbarkeit der Technik zugenommen hat.
Das gilt insbesondere für die Arbeitsorganisation. Für Ältere wird besonders deutlich, was für alle Beschäftigten gilt: Überhöhte Belastung beschleunigt Verschleiß. Technische Unterstützung zum Beispiel bei körperlicher Anforderung beim Heben oder in erzwungenen Körperhaltungen beugen chronischen Erkrankungen vor.
Die technischen Potentiale sind dabei noch keineswegs ausgeschöpft. Zentrales Ziel ist, Sinnhaftigkeit und Freude in der eigenen Arbeitstätigkeit und deren Weiterführung sehen zu können. Untersuchungsergebnisse zeigen, dass Unternehmensleitungen mitunter nur geringe Kenntnisse über die Kompetenzen älterer Mitarbeiter haben, die häufig über die unmittelbaren Anforderungen ihres Arbeitsplatzes weit hinausreichen. Betriebsräte können hier ihre Kenntnisse zur Verfügung stellen und mit gestalten. Erfahrungswissen erstreckt sich auch auf Bereiche, die nicht direkt mit der arbeitsplatzbezogenen Aufgabenstellung verbunden sind. Ältere Mitarbeiter verfügen zum Teil über sehr ausgefeilte Strategien, Veränderungen im Arbeitsleben zu bewältigen, die für betriebliche Verbesserungen von Arbeitsplätzen und -abläufen nutzbar sind.

Regelungen zur Arbeitszeit
Zentral sind auch die Regelungen zur Arbeitszeit. Die drei Dimensionen der Arbeitszeit, - Dauer, Lage und Verteilung - beeinflussen jeweils für sich den Grad gesundheitlicher Belastungen. Je nachdem, in welcher Kombination sie auftreten, verstärken sie die Belastungen kumulativ, und umgekehrt schwächen sie sie ab. Schicht- und Nachtarbeit kombiniert mit langen täglichen oder wöchentlichen Arbeitszeiten potenzieren die Belastungen erhöhen die gesundheitlichen Risiken und beeinträchtigen die Arbeitsfähigkeit. Und umgekehrt können kurze Arbeitszeiten und regelmäßige Pausen die Belastungen mildern, die durch ungünstig gelegene Arbeitszeiten entstehen. Geldzuschläge für Nacht- und Schichtarbeit oder auch für überlange Arbeitszeiten kompensieren dagegen die Belastungen nicht. Sie üben vielmehr einen finanziellen Anreiz aus, solche Arbeitszeiten zu wählen.
Ohne eine umfassende Neugestaltung der Arbeitszeit werden sich die Voraussetzungen für einen durchschnittlich späteren Renteneintritt nicht grundlegend ändern. Eine alternsgerechte Arbeitszeitpolitik kann einen wesentlichen Beitrag liefern, Belastungen zu reduzieren und die Arbeitsfähigkeit nachhaltig zu verbessern. Primär geht es darum, den Trend zu längeren Arbeitszeiten zu stoppen und möglichst umzukehren, zeitnahe Ausgleiche für kurzfristig längere Arbeitszeiten zu organisieren und vor allem belastungsärmere Modelle für Schicht und Nachtarbeit einzuführen. Alternativen können in Lebensarbeitszeitmodellen liegen. Für verschiedene Branchen, zum Beispiel im Bereich der Automobilindustrie, werden Modelle für alternative Arbeitszeitgestaltungen unter Berücksichtigung von Qualifizierungsanteilen entwickelt.

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