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Otto Brenner Studie zur "Bild"-Zeitung. Foto: Otto-Brenner-Stiftung

Otto Brenner Studie zur Bild-Zeitung

Werbung statt Journalismus

07.04.2011 Ι Wie funktioniert eigentlich die "Bild"-Zeitung, fragten sich die Autoren einer neuen Studie der Otto Brenner Stiftung. Sie analysierten dazu die Bericherstattung des Boulevard-Blattes zu Griechenland und der Euro-Krise und kommen zu dem Schluss: Eine an Werbung erinnernde Kampagneninszenierung ersetzt seriösen Journalismus.

Sie ist mit einer Auflage von drei Millionen verkaufter Exemplare Deutschlands größte Tageszeitung und jeder kennt den markanten Schriftzug der "Bild". Über den Erfolg und die Faszination dieses Mediums ist schon viel publiziert worden, bis zum Diktum von Hans Magnus Enzensbergers: "Jede Aufklärung über die Bild-Zeitung ist vergeblich, weil es nichts über sie zu sagen gibt, was nicht schon alle wüssten."

Manipulieren statt informieren
Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz versuchen es trotzdem. In einer neuen Studie für die Otto Brenner Stiftung untersuchen sie Funktion und Wirkung dieser Zeitung anhand der Darstellung der Griechenland- und Eurokrise in 2010. Ihr Fazit: Mit der von "Bild" massiv vertretenen Forderung, keine deutschen Euros für die Bezahlung griechischer Schulden einzusetzen, macht sich das Blatt "ausdrücklich und offensiv zum politischen Akteur." Die Einseitigkeit dieser Kampagne, die fehlende Trennung von Bericht und Kommentar und die Instrumentalisierung sogenannter "Experten" für diesen Zweck lassen die Autoren zu dem Schluss kommen, dass es sich hier nicht mehr um Journalismus im Sinne einer Haltung, sondern eher um verkappte Werbung im scheinbar journalistischen Gewand handelt.

"Bild" wolle keine Beiträge zur öffentlichen Meinung liefern, so der Befund der Autoren, das Blatt wolle die öffentliche Meinung selbst sein: "Wer abweicht, wird abgelehnt; wer es anders sieht, sieht es falsch; wer es wagt, etwas anderes zu sagen, muss damit rechnen, ausgepfiffen, lächerlich gemacht, buchstäblich verfolgt zu werden." Dies gefährde laut Arlt und Storz die demokratische Öffentlichkeit, die einen Journalismus brauche, der informiert statt manipuliert, der komplexe Verhältnisse zutreffend statt verzerrt darstellt und der es ermögliche, sich eine eigene Meinung zu bilden, statt manipuliert zu werden.

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