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Prekäre Trends: Arbeitsmarkt neu ordnen

Prekäre Trends: Arbeitsmarkt neu ordnen

Fair und sicher statt billig und unreguliert

04.10.2012 Ι Der Metall-Tarifabschluss im Frühjahr hat bestätigt: Den Menschen geht es zwar auch ums Geld, aber nicht nur. Ihnen ist wichtig, welchen Wert ihre Arbeit hat. Sie wollen sichere und faire Arbeitsplätze und nicht irgendeinen Job im Niedriglohnsektor. Die Neuordnung des Arbeitsmarktes ist deshalb eine der wichtigsten Herausforderungen für Deutschland.
Gerechtigkeit lohnt sich. Das ist die Botschaft von Studien wie der des Marktforschungsinstituts Ipsos. "Angesichts der Eurokrise bekommen die Deutschen ein neues Verhältnis zum Wohlstand. Laut Ipsos ist den Bürgern soziale Sicherheit zunehmend wichtiger als persönlicher Überfluss. Sie sehen in Deutschland viel Nachholbedarf", kommentierte der Spiegel vom 28. August 2012 die Umfrage.

Es geht um die Frage nach der Zukunft der Arbeit. Die IG Metall kritisiert den wachsenden Niedriglohnsektor. Er bremst die gesamtwirtschaftliche Dynamik, behindert den technologischen und ökologischen Strukturwandel in der deutschen Industrie und nimmt besonders jungen Menschen die Zukunftsperspektiven.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland ist zweigeteilt. Zwar wächst die Zahl der Beschäftigten. Gleichzeitig wächst aber auch die Zahl der Menschen in unsicheren Arbeitsverhältnissen. Betroffen sind besonders die Jungen. Gerade sie stecken in Leiharbeit, werden über Werkverträge beschäftigt oder haben nur einen Minijob. Das bedeutet für viele nicht nur magere Einkommen. Diese Jobs bieten auch keinerlei Sicherheit. Um sich eine Zukunft aufbauen, eine Familie planen zu können, brauchen junge Menschen sichere und faire Arbeitsbedingungen.

Leiharbeit: Politik muss immer noch handeln

Nach wie vor ist Leiharbeit einer der zentralen prekären Trends. Zwar hat die IG Metall im Mai 2012 in den Verhandlungen mit den Metall-Arbeitgebern und den Zeitarbeitsverbänden für Leiharbeitnehmer Erfolge erzielt. Damit hat sich das Thema Leiharbeit aber noch lange nicht erledigt. Denn auch der beste Tarifabschluss kann nicht alles korrigieren, was die Politik versäumt oder falsch gemacht hat. Sie bleibt immer noch gefordert und muss die Leiharbeit regulieren.

Zum Beispiel müssen Leiharbeiter von Anfang an den gleichen Lohn wie Stammbeschäftigte bekommen. Hier muss der Gesetzgeber alle Schlupflöcher schließen, die es Verleihern ermöglichen, vom Prinzip "gleiche Arbeit - gleiches Geld" abzuweichen. Außerdem muss wieder das Synchronisationsverbot gelten. Danach wäre es verboten, dass Verleiher Beschäftigte nur für die Dauer eines Einsatzes einstellen und anschließend direkt wieder entlassen dürfen. Dies war bis zu den Hartz-Gesetzen auch so geregelt. Auch die Verleihdauer muss wieder begrenzt sein. Stück für Stück wurde sie verlängert - von zunächst drei Monaten auf zwei Jahre, bis endgültig die Beschränkung 2003 viel. Die IG Metall fordert, die Einsatzdauer in den Betrieben wieder zu beschränken. Mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 macht die IG Metall mit ihrer Kampagne "Arbeit: Sicher und fair" Druck auf die Parteien, die Ordnung auf dem Arbeitsmarkt wieder herzustellen.

Werkverträge: die neue Billiglohnmethode

Kaum ist die Leiharbeit etwas besser reguliert, satteln immer mehr Arbeitgeber auf Werkverträge um. "Die Zeitarbeit wird deutlich teurer. Einige Arbeitgeber werden versuchen, dem über Werkverträge aus dem Weg zu gehen", erklärte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser im Juni 2012. Damit haben die Unternehmen einen neuen Hebel gefunden, um die Löhne zu drücken.

Die IG Metall ist nicht gegen Werkverträge. Sie ist aber gegen einen zunehmenden Missbrauch von Werkverträgen: Betriebe vergeben immer häufiger Kernaufgaben an billigere Anbieter. Diese bezahlen dann meist keine Tariflöhne und beschäftigten ihrerseits nicht selten nur Leiharbeitnehmer. Auch diese Form des Lohndumpings wird die IG Metall nicht hinnehmen und ihr mit der gleichen Härte begegnen wie beim Missbrauch der Leiharbeit.

Minijobs auf Rekordniveau

Nicht nur Studenten oder Rentner arbeiten als Minijobber. Immer häufiger nehmen auch Vollzeitbeschäftige einen Nebenjob an. Wenn der Lohn nicht zum Leben reicht, versuchen sie sich ein Zubrot zu ihrer Hauptbeschäftigung zu verdienen. Insgesamt gab es im Januar 2012 rund 7,3 Millionen Menschen in einem Minijob. Sie verdienen nicht einmal halb so viel wie Arbeitnehmer in einer regulären Vollzeitstelle.

Der Bund muss jährlich rund zwei Milliarden Euro aufwenden, um Geringverdienern mit Vollzeitjob das Existenzminimum zu sichern. Rechnet man die sozialversicherten Teilzeitjobs hinzu, kommt man sogar auf vier Milliarden Euro. Auf diese Weise subventioniert er die Billiglohnstrategie zahlreicher Arbeitgeber.

Regulierung des Arbeitsmarkts überfällig

Angesichts der immer größer werdenden Kluft zwischen atypischer Beschäftigung wie Minijobs, Leiharbeit, Werkverträge und den tariflich geregelten Bereichen ist eine Regulierung des Arbeitsmarktes überfällig. Prekäre Arbeitsverhältnisse sind keine Alternative zu regulärer Beschäftigung. Sie sind eine Sackgasse. Diese Entwicklung bremst die gesamtwirtschaftliche Dynamik und behindert den technologischen und ökologischen Strukturwandel in der deutschen Industrie. Mit "prekär" alleine ist keine Fachkräftebasis zu sichern. Deutschland braucht sichere Arbeitsplätze und innovative, wettbewerbsfähige Unternehmen. Das funktioniert nur mit einem regulierten und neu geordneten Arbeitsmarkt. Und mit mehr Mitbestimmung der Arbeitnehmervertreter in den Betrieben. Die Politik muss endlich ihre Hausaufgaben machen und klare Regeln schaffen.

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