IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Opel: Astra-Verlagerung stellt Zukunft nach 2014 in Frage

© dpa

Opel: Astra-Verlagerung stellt Zukunft nach 2014 in Frage

Erpressung bei Opel

24.05.2012 Ι Die Führung des Opel-Mutterkonzerns General Motors will den Opel Astra ab 2015 von Rüsselsheim nach England und Polen verlagern. Das Management setzt auf Erpres­sung statt auf eine Gesamtstrategie und spielt die Standorte gegeneinander aus: Wer macht's billiger? Die IG Metall will alle vier deutschen Werke erhalten.

Der Opel Astra soll ab 2015 nicht mehr im Opel-Stammwerk Rüsselsheim, sondern in Ellesmere Port/Großbritannien und Gliwice/Polen gefertigt werden. Die Führung des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) will dadurch Überkapazitäten abbauen und vor allem Kosten sparen. Das GM-Management hat dazu einen Unterbietungswettbewerb unter den europäischen Standorten eingeläutet. Nach Unternehmensangaben haben die Arbeitnehmer in Ellesmere Port auf Lohn verzichtet und dafür den Astra erhalten.
Zugleich kursieren Gerüchte über Pläne, dass Rüsselsheim als Ausgleich die Produktion des Opel Zafira aus Bochum bekommen soll. Dadurch wäre das Werk Bochum mit 3200 Arbeitsplätzen mit Auslaufen der Standortgarantie Ende 2014 massiv gefährdet.

 

Management billig und planlos

IG Metall und Betriebsrat werfen dem GM-Management Planlosigkeit vor. "Opel hat im Kern nicht ein Kosten- sondern ein Führungsproblem", kritisiert Armin Schild, Leiter des IG Metall-Bezirks Frankfurt und Opel-Aufsichtsratsmitglied. Der nordrhein-westfälische IG Metall-Bezirksleiter Oliver Burkhard warf dem Management auf einer Betriebsversammlung in Bochum vor, keine Gesamtstrategie zu haben. Investitionen in neue Modelle sind ausgeblieben. Außerdem sperrt GM nach wie vor Opel in?Europa ein - und blockiert den Export in Boom-Märkte wie China. Zudem macht das GM-Management aus Sicht des Betriebsrats schlicht falsche Rechnungen auf: Statt nackter Personalkosten müssten auch Marktnähe, Frachtkosten und die Qualität mit dem Siegel "Made in Germany" berücksichtigt werden.

Auch auf den Betriebsversammlungen in Rüsselsheim und Bochum wollte das Management keinen Plan für die Zukunft präsentieren. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke, der in Rüsselsheim mit Buh-Rufen und in Bochum mit eisigem Schweigen empfangen wurde, lobte die hohe Qualität und tadelte die angeblich zu hohen Kosten. Doch was nach 2014 passiert, will er nicht wissen. Die Entscheidung soll nun auf der Aufsichtsrats-Sitzung Ende Juni verkündet werden. Bis dahin wollen die Opel-Betriebsräte Alternativkonzepte - und überprüfbare Fakten. Etwa ob in Großbritannien EU-widrige Staatshilfen im Spiel sind.

 

Opel-Betriebsräte wollen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen

Die IG Metall sieht jedoch nicht die Beschäftigten in England als Schuldige. "Wir  wussten, dass die Kollegen in existenzieller Not sind. Diese Not ist eiskalt ausgenutzt worden" urteilt Armin Schild. Er kritisiert vielmehr das Vorgehen von GM als "nackte Erpressung". "Über Wochen wurden alle europäischen Standorte nacheinander mit Schließung bedroht und gegeneinander ausgespielt."
Die vier deutschen Opel-Standorte Bochum, Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim wollen jedoch zusammenhalten. "Wir haben uns sofort ausgetauscht. Wir werden nicht zulassen, dass wir gegenseitig ausgespielt werden", betont der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel.

IG Metall und Betriebsrat fordern eine schlüssige Gesamtstrategie und den Erhalt aller deutschen Standorte. Unterstützung kommt auch aus der Politik: NRW-Ministerpräsidentin Kraft sprach auf der Versammlung in Bochum. An GM gerichtet kündigte Schild bereits an: "Wir sind in der Lage, eine sehr harte Auseinandersetzung zu führen."

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Servicebereich