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Leiharbeit_Gleiches_Geld

Niedriglohn und Lohndumping im Verleihgewerbe

Fair geht anders

11.02.2011 Ι Trotz gleicher Arbeit verdienen Leiharbeitnehmer fast die Hälfte weniger wie Stammbeschäftigte. Viele sind auf Hartz IV angewiesen. Und zudem tragen Leiharbeiter auch noch das Risiko, von heute auf morgen entlassen zu werden. "Arbeit darf nicht zur Ramschware verkommen", fordert Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall. Und das geht auch, wie einige Unternehmen zeigen.

Wer sich als Leiharbeiter verdingen muss, wird nicht nur schlechter bezahlt als Stammbeschäftigte. Häufig ist die Bezahlung so schlecht, dass die Betroffenen von ihrer Arbeit allein nicht leben können. Dann sind sie zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Besonders bitter ist es, wenn man als Leiharbeiter arbeitslos wird und von dem ohnehin geringen Verdienst auf Arbeitslosengeld rutscht. In Deutschland arbeiten derzeit rund 900 000 Menschen als Leiharbeiter. Diese Zahl hat sich seit 2003 verdreifacht.

Equal Pay geht doch
Dabei sind Firmen durchaus bereit sind, Leiharbeitnehmer wie Stammbeschäftigte zu bezahlen. Beispielsweise Ford in Köln: Seit 2003 werden dort die Leiharbeiter in der Produktion nach dem Tarifvertrag der Metallindustrie bezahlt. Auch der Betriebsrat der Firma NKT Cables in Köln-Flittard hat Equal Pay durchgesetzt: Hier kommen nur Leiharbeitsuntenehmen zum Zug, die nach Tarif zahlen. Oder das Beispiel Stahlindustrie: Nach dem Tarifvertrag von 2010 erhalten Leiharbeitnehmer das gleiche arbeitsplatzabhängige Entgelt wie neu eingestellte Stammbeschäftigte.

Die Hälfte weniger

Doch entgegen all dieser positiven Beispiele - ein Untersuchung des DGB belegt, dass die Bedingungen für Leiharbeiter bundesweit miserabel sind. Grundlage der DGB-Untersuchung ist eine Sonderauswertung der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Diese zeigt ein erschreckendes Lohngefälle zwischen Leiharbeitnehmern und Festangestellten. Danach lag das mittlere Bruttomonatsgehalt von Leiharbeitskräften in den alten Bundesländern 2009 bei 1456 Euro brutto. Im Osten erhalten Leiharbeitnehmer noch weniger - durchschnittlich 1224 Euro. Dagegen verdient ein Vollzeitbeschäftigter monatlich brutto 2805 Euro. Das entspricht einer Differenz von fast 50 Prozent.

Steuerzahler zahlen für Lohndumping
Fast jeder achte Leiharbeiter hat so wenig verdient, dass er zusätzlich auf staatliche Fürsorge - also Hartz IV - angewiesen war. Und es werden immer mehr: Allein von Mitte 2009 bis Mitte 2010 stieg die Zahl der Hartz IV-Aufstocker um fast 60 Prozent auf 92 000.
In keiner anderen Branche ist das Risiko der Hartz IV-Bedürftigkeit trotz Arbeit so groß wie im Verleihgewerbe. Skandalös ist auch, dass die niedrigen Löhne der Verleihbranche durch die Allgemeinheit indirekt subventioniert werden - mit jährlich elf Milliarden Euro vom Bund.

Leiharbeit wird längst nicht mehr ausschließlich dafür eingesetzt, betriebliche Auftragsspitzen abzufangen. Immer öfter geht es darum, die Lohnkosten massiv zu drücken und tarifliche Regelungen in den Einsatzbetrieben zu unterlaufen. Wenn Leihbeschäftigte vom ersten Tag an wie Stammbeschäftigte bezahlt würden, gäbe es für die Firmenleitungen weniger Anreiz, feste Jobs in die Leiharbeit auszulagern. Das wäre immerhin ein erster Schritt hin zu mehr Fairness. Auch darauf werden wir an unserem bundesweiten Aktionstag am 24. Februar 2011 aufmerksam machen.

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