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Nach wie vor wenige Arbeitnehmer in den rentennahen Jahrgängen. Gute Arbeit - gut in Rente. Logo

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Nach wie vor wenige Arbeitnehmer in den rentennahen Jahrgängen

Erwerbsquote sinkt rapide mit dem Lebensalter

03.04.2013 Ι Ältere Arbeitnehmer seien so gefragt wie nie, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und beruft sich auf die Bundesagentur für Arbeit. Die Zahl der Arbeitnehmer in der Gruppe "60 plus" sei um mehr als zwölf Prozent gestiegen. Doch die Zahlen verstellen den Blick auf die Realität in den Betrieben und am Arbeitsmarkt.

Die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) weisen für September 2012 rund 1,484 Millionen Beschäftigte in einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit im Alter zwischen 60 und 65 aus. Das ist aber nicht gleichzusetzen mit der Aussage, dass ältere Arbeitnehmer stärker nachgefragt werden. Diese Interpretation ist in dreierlei Hinsicht problematisch: Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten suggeriert Vollzeitarbeitsplätze, die Problematik bei den rentennahen Jahrgängen wird ausgeklammert und ein so pauschale Aussage verschweigt die Problematik in einzelnen Branchen.

Teilzeit und Freistellung mit eingerechnet
Die Zahlen der BA erwecken den Eindruck, als seien ältere Arbeitskräfte gefragter denn je. Bei einer genaueren Betrachtung des Zahlenwerks zeigt sich aber, dass in die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auch Teilzeitbeschäftigte und Beschäftigte in der Freistellungsphase der Altersteilzeit eingerechnet werden, die längst nicht mehr im Betrieb sind. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten liegt also wesentlich niedriger.

Je älter, umso seltener beschäftigt
Die Erwerbsquote sinkt mit dem Lebensalter rapide. Betrachtet man den rentennahen Jahrgang der 64-jährigen, dann sind nach Schätzungen bereits nur noch rund 10 Prozent beschäftigt. Hier zeigt sich der Mangel an altersgerechten Arbeitsplätzen besonders deutlich.

Im Organsationsbereich der IG Metall sind nur vier Prozent älter als 60 Jahre "Die angeblich so ansehnliche Beschäftigungsquote Älterer ist zumindest mit Blick auf den Organisationsbereich der IG Metall eine Legende. Nicht einmal vier Prozent der Beschäftigten sind älter als 60 Jahre und nur knapp ein Prozent der Beschäftigten sind über 63 Jahre alt. In rund 44 Prozent der Betriebe gibt es keinen Beschäftigten über 63 Jahren", kritisiert Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

Beschäftigte von über 60 seien rar. Wenn sie älter als 63 Jahre sind, seien so gut wie gar nicht mehr in den Betrieben zu finden. "Die schöne neue Arbeitswelt für ältere ist und bleibt ein Mythos", so Urban. Das zeigt auch eine Befragung von Betriebsräten aus dem Jahr 2012.

Fast 80 Prozent der befragten Betriebsräte gehen laut Umfrage davon aus, dass die Beschäftigten das gesetzliche Rentenalter nicht gesund erreichen können. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen betreibt demnach eine mittelfristige Personalplanung, die den demografischen Wandel berücksichtigt. Unter solchen Bedingungen auf der Rente ab 67 zu beharren oder öffentlich über weitere Anhebungen der Regelaltersgrenzen zu spekulieren, sei verantwortungslos, betonte Urban.

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Hans-Jürgen Urban zum Thema "Gute Arbeit - gut in Rente"
Altersgerecht oder alternsgerecht?
Das "n" macht den kleinen Unterschied aus. Altersgerechte Maßnahmen sind solche, die älteren Beschäftigten helfen. Alternsgerecht heißt: Arbeitsbedingungen über die ganze Erwerbsbiografie so zu gestalten, dass die Beschäftigten gesund und motiviert die Rente erreichen. Kurzum: Alles zu tun, was Junge schützt und Alten nützt.
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