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Da geht was: Nach Motorradunfall Arbeitsplatz barrierefrei umgebaut. Foto: Jürgen Seidel

Da geht was: Nach Motorradunfall Arbeitsplatz barrierefrei umgebaut

Behinderung ist kein Hindernis

01.09.2014 Ι Bei einem Motorradunfall verlor Timo Nitsche ein Bein. Seine Arbeit beim Autozulieferer Edscha hat er jedoch behalten. Die Firma hat sogar viel in ihn investiert. Dafür hat seine Schwerbehindertenvertreterin gesorgt.
Timo Nitsche arbeitet ganz normal hier, in der Entwicklung des Autozulieferers Edscha in Remscheid. Seine Beinprothese ist unter der Hose kaumzu sehen. Nur ein Hinken lässt erahnen, dass sein linkes Bein vom Oberschenkel abwärts komplett amputiert ist, seit einem Motorradunfall vor drei Jahren.

Er geht locker damit um. Auf Festen lässt er als Gag beim Tanzen auch mal die Prothese rotieren. Sein Job war trotz der Behinderung nie gefährdet. "Mein Chef hat mich damals schon im Krankenhaus besucht und mir versprochen, dass die Firma hinter mir steht", erinnert sich der 36-jährige Ingenieur, der bei Edscha elektrische Heckklappenantriebe entwickelt.

Barrierefrei umgebaut

Edscha hat kräftig in Umbauten investiert. Nitsche gelangt nun ebenerdig von seinem Parkplatz direkt an der Tür durch die Halle zum neu gebauten Aufzug und hinauf in sein Büro im dritten Stock. Dort hat er einen höhenverstellbaren Schreibtisch mit einem speziellen Stuhl, da er nicht mehr richtig sitzen kann.

In wenigen Wochen kommt dann noch eine neue Messzelle, in der Nitsche die elektromagnetische Störstrahlung seiner Entwicklungen testet. Bisher musste er dafür immer nach Dortmund fahren, Treppen steigen und sich stressen. Allein die neue Messzelle kostet 74 000 Euro. Davon kommen jedoch 25 000 vom Integrationsamt. Auch in den anderen Maßnahmen stecken staatliche Fördergelder und Fachberatung.

Bewusstsein aufgebaut

Dafür sorgt Nitsches Schwerbehindertenvertreterin Carmen Regner. Und nicht nur für ihn: Mitten unter den 360 Beschäftigten hier leisten 25 schwerbehinderte Beschäftigte dank spezieller Maßnahmen gute Arbeit.

Das war nicht immer so. "Als ich vor sechzehn Jahren mein Amt antrat, gab es nur eine Handvoll Schwerbehinderte. Und ich hatte keine Ahnung", erzählt Regner, die selbst eine Behinderung hat. "Nach ein paar Monaten sollte ich dann Kündigungen von behinderten Beschäftigten unterschreiben. Da dachte ich: Moment mal."

Regner ging auf Schulungen, lernte Gesetze und Fördermöglichkeiten kennen und setzte beharrlich immer mehr um: Behindertentoiletten, umgestaltete Arbeitsplätze und verkürzte Arbeitszeiten. Es gibt Ansprechpartner in den Abteilungen, eine Gesundheitsberatung und vor allem ein neues Bewusstsein.

Das sieht auch Nitsche so. "Die Firma hat viel für mich getan, klar", meint er. "Aber ich weiß nicht, ob ich ohne die Schwerbehindertenvertretung noch hier wäre.

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