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Mittelständischer Arbeitgeberverband will Urlaub kürzen

Mittelständischer Arbeitgeberverband will Urlaub kürzen

Tarifverträge schützen Urlaubsansprüche

20.08.2010 Ι Wenn es gegen Arbeitnehmerinteressen geht, ist manchen Verbänden jedes Argument recht. Erst sollte wegen der Krise weniger Urlaub genommen werden, jetzt wegen des Aufschwungs. Gesetzlich gibt es vier Wochen Urlaub. Die von der IG Metall erreichten Tarifverträge garantieren meist einen Erholungsurlaub von sechs Wochen. 'Dabei bleibt es', erklärt IG Metall-Vorstandsmitglied Helga Schwitzer.

Der Bundesverband der mittelständische Wirtschaft sorgt sich um den Aufschwung. Verbandspräsident Mario Ohoven meinte in der "Bild-Zeitung", der Mittelstand habe jetzt wieder volle Auftragsbücher, da werde jeder gebraucht.
Deshalb sollte zur Sicherung des Aufschwungs der bezahlte Urlaub von Arbeitnehmern auf fünf Wochen beschränkt werden. Besonders pikant: Schon im Sommer 2009 hatte Ohoven die Arbeitnehmer aufgefordert, einen Urlaubstag weniger zu nehmen - wegen der Krise. Wir sprachen mit dem für Tarif zuständigen geschäftsführenden Vorstandsmitglied Helga Schwitzer.

Nun soll es nur noch fünf Wochen Urlaub geben um den Aufschwung zu retten. Was meint die IG Metall dazu? 
Bei den gegenwärtigen Arbeitsbelastungen in den Betrieben ist ausreichend Zeit zur Erholung unbedingt notwendig. Die Beschäftigten brauchen den Urlaub, um wieder aufzutanken. Außerdem möchte ich deutlich machen: Laut Gesetz gibt es nur einen Urlaubsanspruch von vier Wochen. Bei Beschäftigten, die eine 5-Tage-Woche haben, sind das 20 Tage. Die Beschäftigten in der  Metall- und Elektroindustrie und in anderen von uns betreuten Branchen haben meist 30 Tage Urlaub. Diese zehn Tage mehr verdanken sie den Tarifverträgen der IG Metall und wir werden diese Verträge verteidigen. Dabei bleibt es.

Macht die Forderung denn wirtschaftlich Sinn? 
Eindeutig nein! Weniger Urlaub bedeutet nur zusätzliche unbezahlte Arbeitszeit und insgesamt weniger Stellen. Bei aktuell insgesamt über 35 Millionen Beschäftigten, die zusammen knapp 25 Millionen Vollzeitstellen entsprechen, ersetzt das rein rechnerisch über eine halbe Million Arbeitsplätze. Angesichts von immer noch mehr als 3 Millionen Arbeitslosen ist das verantwortungslos. Ich habe ohnehin den Eindruck, diesem Verband ist jedes Argument recht. Dieser Verband hat vor einem Jahr weniger Urlaub gefordert - wegen der Krise. Der gleiche Verbandsvertreter Ohoven will jetzt wieder weniger Urlaub - wegen des Aufschwungs.

Ist das auch die Forderung der Metallarbeitgeber?
Davon wissen wir nichts. Ich halte es aber für ein gutes Zeichen, dass die Pressestelle von Gesamtmetall heute auf dem Facebook-Account der IG Metall erklärt hat: "Es ist definitiv KEINE Forderung "der Arbeitgeber", schon gar nicht der Metallarbeitgeber."  Das begrüßen wir eindeutig und meinen: Das Thema sollte im Sommerloch verschwinden. Es gibt wichtigere Themen. In der Zeitung mit den großen Buchstaben steht heute nur weniger Zentimeter von der Urlaubsmeldung entfernt: Die Regierung schätzt den Anstieg der Arbeitnehmerentgelte bis 2014 auf durchschnittlich zwei Prozent pro Jahr. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nehmen dagegen um 4,5 Prozent jährlich zu. Diesen erwarteten Trend werden wir tarifpolitisch versuchen zu korrigieren. Am kommenden Freitag wird die Forderung für die Stahlbranche aufgestellt. 

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