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Metall-Tarifrunde 2012: Jetzt geht es ums Geld. Foto: IG Metall

Metall-Tarifrunde 2012: Jetzt geht es ums Geld

Beschäftigte sind in Vorleistung getreten

07.02.2012 Ι Anfang März starten die Verhandlungen über mehr Geld für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektrobranche. "Mehr als drei Prozent sind nicht drin", behaupten die Arbeitgeber. Die IG Metall sagt: Da irren sie sich, bis zu 6,5 Prozent mehr können wir fordern. Dafür gibt es gute Gründe.

Am 31. März enden die Tarifverträge in der Metall- und Elektroindustrie. Alle Jahre wieder, wenn Tarifrunden anstehen, werden die Metall-Arbeitgeber zur Schutzkompanie für Gotteshäuser in ländlichen Regionen. Auch jetzt sagt Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser, man müsse "die Kirche im Dorf lassen". Drei Prozent höhere Löhne seien möglich, mehr auf keinen Fall. In den regionalen Tarifkommissionen der IG Metall hat sich in den Diskussionen der vergangenen Wochen eine viel höhere Zahl herauskristallisiert: bis zu 6,5 Prozent. Die Tarifkommissionen sind die Gremien, in denen gewählte Vertreter der IG Metall-Mitglieder aus den Betrieben diskutieren, wieviel Prozent mehr sie für richtig halten.

Jetzt hat auch der IG Metall-Vorstand den Tarifkommissionen empfohlen, bis zu 6,5 Prozent zu fordern.

Auf und Ab der Konjunktur

Für die IG Metall wird es nicht einfacher zu entscheiden, wieviel mehr sie fordern soll. Die Wirtschaft wird immer wechselhafter und unberechenbarer, Krisen und Boomphasen lösen sich schneller ab.

Nach dem Krisenjahr 2009 mit Entlassungen und Kurzarbeit fuhren die Unternehmen 2011 schon wieder satte Gewinne ein. Allein die großen börsennotierten DAX-Unternehmen werden dieses Jahr rund 25 Milliarden Euro Dividenden an die Aktionäre ausschütten. Auch für viele Betriebe der Metall- und Elektroindustrie war 2011 ein hervorragendes Jahr. Vor allem für die Auto- und die Computerindustrie. Andere Branchen, wie der Maschinenbau, waren nicht ganz so erfolgreich, aber insgesamt verbuchten die Metallbranchen bis September 2011 im Vergleich zu 2010 ein Auftragsplus von fast 13 Prozent. Im Oktober gingen die Orders wieder etwas zurück.

Dieses Jahr erwarten die Wirtschaftsexperten genauso wie die IG Metall zunächst ein schwächeres ersten Quartal, danach aber ein leichtes Wachstum. Die Prognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute für das gesamte Jahr reichen von 0,4 bis 1,3 Prozent, aber keines von ihnen erwartet einen Einbruch wie 2008. Ob sich die Wirtschaft positiv entwickelt, hängt aber vor allem davon ab, dass die europäischen Regierungen die Euro-, Finanz- und Staatsschuldenkrise in den Griff bekommen.

Mittelfristige, verlässliche Tarifpolitik

Die Tarifpolitik muss eine Antwort darauf geben, dass die Wirtschaft immer wechselhafter und unberechenbarer wird. Das kann sie nur mit einer "mittelfristigen und verlässlichen Tarifpolitik", sagt die IG Metall. Verlässlichkeit bedeutet, gegenüber dem Tarifpartner, den Arbeitgebern, vertragstreu zu sein und nicht während der Laufzeit eines Tarifvertrags "Nachforderungen" zu stellen. Mittelfristig heißt, dass sich die IG Metall, wie in der Vergangenheit, am "verteilungsneutralen Spielraum" orientiert.

Das hervorragende Jahr 2011 muss berücksichtigt werden

Der verteilungsneutrale Spielraum setzt sich zusammen aus der für das laufende Jahr prognostizierten Inflationsrate - dieses Jahr: zwei Prozent - und dem Produktivitätszuwachs in der Gesamtwirtschaft. Der Produktivitätszuwachs ist das, was die einzelnen Arbeitnehmer in einem Jahr in der gleichen Zeit mehr produziert haben als im Jahr davor. Zum Beispiel, weil die Arbeit besser organisiert wurde oder bessere Maschinen angeschafft wurden. Dieses Jahr rechnet der Sachverständigenrat mit einem Produktivitätswachstum von einem Prozent.

Eine Forderung, die nur die höheren Preise und die gestiegene Produktivität ausgleicht, wird "verteilungsneutral" genannt. Weil sie nichts daran verändert, wie sich das erwirtschaftete Bruttoinlandsprodukt auf Arbeitslöhne und Gewinnen verteilt. Dieser Spielraum und die Entgelterhöhungen müssen sich aus Sicht der IG Metall aber mittelfristig parallel entwickeln.

In jüngster Zeit war das nicht der Fall. 2009, schon in der Krise, hatte die IG Metall noch 4,2 Prozent Lohnerhöhungen für die Beschäftigten herausgeholt. Beim Tarifabschluss 2010, der noch immer unter dem Zeichen von Krise und Kurzarbeit stand, standen sichere Arbeitsplätze im Vordergrund. Damals konnte niemand vorhersagen, dass sich die Wirtschaft so schnell wieder erholen würde. Darum akzeptierte die IG Metall für 2011 nur 2,7 Prozent mehr Geld (neben Einmalzahlungen). 2011 entwickelte sich die Wirtschaft aber gerade in den Metall-Branchen besonders positiv. Die Produktivität stieg um 7,4 Prozent und damit viel stärker als in der Gesamtwirtschaft, in der sie 2011 nur um 1,2 Prozent wuchs. Das soll jetzt bei der Lohnforderung mitberücksichtigt werden.

Metaller haben ordentliches Plus verdient

Die Beschäftigten haben in der Krise Zeitguthaben geopfert. Viele mussten monatelang von Kurzarbeitergeld leben und hatten Einbußen beim Einkommen von bis zu 20 Prozent. "Die Beschäftigten sind in Vorleistung getreten", sagt Berthold Huber, der Erste Vorsitzende der IG Metall, "und haben damit den wirtschaftlichen Erfolg erst möglich gemacht. Sie haben es verdient, dass das jetzt honoriert wird".

Mehr Chancen für Junge, mehr Fairness für Leiharbeitnehmer

Neben 6,5 Prozent mehr Geld fordert die IG Metall die unbefristete Übernahme von Azubis nach der Ausbildung und bessere Chancen auf Ausbildung für leistungsschwächere Jugendliche. Darüberhinaus setzt sie sich für tarifvertragliche Regelungen ein, um den Missbrauch der Leiharbeit einzudämmen. "Wir akzeptieren nicht mehr, dass Leiharbeit dazu benutzt wird, um feste Arbeit zu verdrängen", sagt Huber. Betriebsräte, die Interessenvertreter der Beschäftigten, sollen künftig das Recht haben mitzubestimmen, ob, wie lange und in welchem Umfang Leihbeschäftigte in ihrem Betrieb eingesetzt werden. "Für uns sind alle diese drei Forderungselemente gleichwertig", betont Huber. Parallel zu den Verhandlungen mit den Metall-Arbeitgebern verhandelt die IG Metall mit den Arbeitgebern der Verleihbranche über fairere Bezahlung der Leiharbeitnehmer, die in Metallbetrieben eingesetzt sind.

Start

Am 23. Februar stimmen die regionalen Tarifkommissionen über die endgültige Forderung ab. Einen Tag später beschließt sie der Vorstand. Am 6. März starten die Verhandlungen mit den Metall-Arbeitgebern.

Tarif

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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