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Befragung zu Tarifverhandlungen mit den Zeitarbeitsverbänden

Befragung zu Tarifverhandlungen mit den Zeitarbeitsverbänden

97 Prozent fordern Tarifverhandlungen

13.02.2012 Ι Dumpinglöhne, schlechte Arbeitsbedingungen, ständige Unsicherheit - das ist Leiharbeit in Deutschland. Für die Betroffenen untragbar. Das will die IG Metall jetzt ändern und verhandelt mit den Zeitarbeitsverbänden. "Dazu haben wir den klaren Auftrag unserer Mitglieder", sagt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall.

Menschen sollen gut von ihrer Arbeit leben können. Das ist einer der Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft. Doch dieser Grundpfeiler bröckelt. Immer mehr reguläre Arbeitsplätze werden durch Billigjobs ersetzt. Immer Menschen müssen neben ihrer Haupttätigkeit noch einem Nebenjob nachgehen und immer mehr bekommen zusätzlich Hartz IV. Bei den Leiharbeitern war das im letzten Jahr jeder Zehnte.


Für die IG Metall ist dieser Zustand nicht hinnehmbar. Deshalb wird sie ab der nächsten Woche mit den Zeitarbeitsverbänden verhandeln. "Dazu haben wir den klaren Auftrag unserer Mitglieder", stellte Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall, fest. 2011 zählte die Bundesagentur für Arbeit 910 000 Leiharbeitnehmer. Jeder Dritte von ihnen ist in einem Metall- und Elektrounternehmen eingesetzt. Etwa 38 000 sind Mitglied der IG Metall.


Was die IG Metall in den Verhandlungen erreichen will

Verleihfirmen sollen zukünftig den Leiharbeitnehmern, die in Metallunternehmen eingesetzt werden, einen "Branchenzuschlag" auf ihr Entgelt bezahlen. Außerdem verhandelt die Gewerkschaft über eine Einsatzzulage. Die soll für die Unternehmen und Regionen gelten, in denen die Entgelte der Stammbelegschaften überdurchschnittlich hoch sind und der Branchenzuschlag nicht reicht, um Stamm- und Leihbeschäftigte gleich zu bezahlen.


Bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für alle Beschäftigten, das ist das Ziel. Doch gerade den "Betroffenen sichern diese niedrigen Löhne häufig keine menschenwürdige Existenz", stellte Detlef Wetzel fest. Er begründete, warum die IG Metall nun in Verhandlungen mit den Zeitarbeitsverbänden tritt: "Mit einer tariflichen Regelung von Branchenzuschlägen in der Metall- und Elektroindustrie wollen wir einen wichtigen Zwischenschritt auf dem Weg zur gleichen Bezahlung erreichen".


Was die Leiharbeitnehmer wollen

Am 22. Februar 2012 beginnen die Verhandlungen mit dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e.V. (iGZ) und dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP). Ziel ist, dass Leiharbeiter zu fairen Bedingungen beschäftigt und fair entlohnt werden. Dafür hat die IG Metall bei einer Befragung im November 2011 ein eindeutiges Mandat erhalten: 97 Prozent der Befragten fordern, dass die IG Metall in Tarifverhandlungen mit den Verbänden der Leiharbeit eintritt. Von den 38 000 Leiharbeitern, die in der IG Metall organisiert sind, beteiligten sich 4452 Leiharbeitnehmer. Die Ergebnisse:

  • Für 98 Prozent ist es wichtig, in eine Festanstellung übernommen zu werden.
  • 99 Prozent fordern einen Anspruch auf Weiterbildung, um eine besser bezahlte Tätigkeit zu finden.
  • 55 Prozent sind bereits länger als ein Jahr im gleichen Einsatzbetrieb.
  • 97 Prozent fordern die IG Metall zu Tarifverhandlungen mit den Verbänden der Leiharbeit auf.
  • 96 Prozent sind bereit, sich aktiv in die Tarifrunde einzubringen.

Mehr als die Hälfte der befragten Leiharbeiter war seit mindestens Oktober 2010, also in der Hochkonjunkturphase, im gleichen Einsatzbetrieb beschäftigt. Sie haben demnach erheblich zu den Produktionszuwächsen in der Metallbranche beigetragen. "Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, sie nun auch genauso wie die Stammbeschäftigten an den wirtschaftlichen Gewinnen zu beteiligten", so Wetzel.


Leiharbeit basiert auf einem Dreiecksverhältnis

Die Arbeitnehmer in der Leiharbeit haben einen Arbeitsvertrag mit einem Verleihunternehmen, einer sogenannten Zeitarbeitsfirma. Diese verleiht den Leiharbeitnehmer an ein Unternehmen, das als Entleiher auftritt. In dem entliehenen Unternehmen wird der Leiharbeiter eingesetzt wie jeder andere Betriebsangehörige auch. Seine Bezahlung richtet sich jedoch nicht nach den Tarifverträgen, die in dem entliehenen Unternehmen gelten, beispielsweise den Tarifverträgen der IG Metall. Tatsächlich gilt der Tarif, der für die Zeitarbeitsfirma gilt. Und hier wird es ungerecht. Denn die Leiharbeitnehmer beziehen deutlich niedrigere Einkommen als die Stammbeschäftigten - unabhängig von Qualifikation und Bildungsgrad. Auch mit einem Fach- oder Hochschulabschluss liegt ihr Entgelt um rund 34 Prozent unter dem der festangestellten Kollegen mit gleichem Bildungsabschluss. Unter den Beschäftigten mit Berufsausbildung beträgt der Unterschied 44 Prozent, und ohne Berufsausbildung liegt die Differenz gar bei 46 Prozent.


Leiharbeiter - Beschäftigte zweiter Klasse

Über Leiharbeit versorgen die Unternehmen sich mit gut ausgebildeten, billigen Arbeitskräften - je nach Bedarf. Das geht nicht nur auf Kosten der betroffenen Menschen. Es ist auch fatal für den Wirtschaftsstandort Deutschland und belastet zudem den Bund und die Kommunen. Die Renten- und Sozialkassen nehmen weniger ein und immer mehr Menschen sind auf staatliche Unterstützung angewiesen - jetzt schon und in der Zukunft. Denn viele, die heute in prekären Jobs arbeiten, droht später Altersarmut. Deshalb fordert die IG Metall sichere und faire Arbeit.

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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