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Leiharbeit fördert Lohndumping

Leiharbeit und Lohndumping

Warum Leiharbeit Lohndumping möglich macht

12.01.2010 Ι Mit den Vorwürfen an Schlecker, durch Leiharbeit die Löhne zu drücken, ist die Bezahlung von Leiharbeitern wieder verstärkt Thema in der öffentlichen Debatte. Schlecker selbst bezeichnet das Vorgehen, Festangestellten zu kündigen und sie als Leiharbeiter für weniger Geld wieder einzustellen, als "in der Wirtschaft vollkommen normal". Warum das ein Problem ist und wie sich Leiharbeiter helfen können, erklären wir.

Die Drogeriemarktkette Schlecker ist für ihre Arbeitnehmer-unfreundliche Beschäftigungspolitik bekannt. Nun hat Schlecker mehreren hundert Mitarbeitern erst betriebsbedingt gekündigt und sie dann - in neu eröffneten Filialen - als Leiharbeiter zu niedrigeren Löhnen, mit weniger Urlaubsanspruch und ohne Weihnachts- oder Urlaubsgeld wieder eingestellt. Verdi wirft Schlecker Tarifflucht vor.

Auch andere Branchen sind betroffen
Schlecker ist kein Einzelfall. Auch in vielen anderen Branchen werden Leiharbeitseinheiten gegründet, um tarifliche Standards zu unterlaufen. Hier besteht Handlungsbedarf in der Politik, denn für Unternehmen ist es - wie das Beispiel Schlecker deutlich macht - sehr einfach, Arbeitnehmer auszulagern um ihnen so weniger zu bezahlen. Die Politik müsste den Equal-Pay-Grundsatz umsetzen. Das bisherige Arbeitnehmerüberlassungsgesetz erlaubt es nämlich, diesen zu umgehen. Arbeitministern Ursula von der Leyen will das nun prüfen.

Arm durch Leiharbeit
Beschäftigte in Leiharbeit verdienen durchschnittlich etwa 20 bis 40 Prozent weniger als ihre Kollegen in Festanstellung.



Hinzu kommen noch ganz andere Nachteile dieser speziellen Beschäftigungsform:

  • Leiharbeitskräfte sind von Prämienregelungen ausgeschlossen
  • Integration am Arbeitsplatz findet kaum statt. Familienleben und soziale Kontakte leiden durch den ständigen Wechsel der Arbeitsorte
  • Leiharbeitskräfte unterliegen einem erhöhten Unfallrisiko, da sie häufig nur unzureichend in Bezug auf den Arbeitsschutz geschult werden
  • Weiterbildungsmaßnahmen sind in der Leiharbeit bislang selten
  • vom Zugang zu Betriebsrentensystemen sind Leiharbeitskräfte ausgeschlossen und ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung fallen niedrig aus
  • die Solidarität in der Belegschaft leidet und die Standards der Stammbeschäftigten geraten ebenfalls unter Druck
  • Leiharbeit ersetzt zunehmend reguläre Arbeitsplätze und etabliert einen dauerhaften Nierdriglohnsektor in deutschen Unternehmen


Die IG Metall hilft
Für alle Fragen rund um die Leiharbeit hat die IG Metall für Leiharbeitnehmer, die Mitglied sind, ein Beratungstelefon eingerichtet. Sie werden unter der Hotline 01802 - 222206 beraten:

  • Mo, Di, Do 10.00 bis 16.00 Uhr
  • Mi                10.00 bis 18.00 Uhr
  • Fr                  9.00 bis 12.00 Uhr

Wer noch nicht Mitglied ist, kann sich auf gleichearbeit-gleichesgeld.de trotzdem in unserem umfangreichen Online-Angebot für Leiharbeiter über seine Rechte informieren.
Wer uns im Kampf für die EInschränkung und faire Gestaltung von Leiharbeit unterstützen will, kann das per E-Card oder als Unterstützer tun. Denn der Schlecker-Skandal zeigt eines: gesetzlich sind diese Vorgänge legitimiert, deshalb muss der öffentliche Druck so groß werden, dass Unternehmen und Politik inne halten.

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