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Leiharbeit und geringe Verdienste eindämmen

Mehr Leiharbeit und Minijobs - weniger Einkommen

02.08.2011 Ι Geringverdiener verdienen immer weniger - das belegen aktuelle Studien. Und: Der wirtschaftliche Aufschwung kommt bei vielen Menschen nicht an. Gleichzeitig versucht Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ) die Unmenge an befristeten Neueinstellungen und Leiharbeitsverhältnissen zu rechtfertigen. Was stimmt: Die Aussagen des Gesamtmetall-Präsidenten oder die Daten der Wissenschaftler?

Leiharbeit und Minijobs werden von Regierung und Arbeitgebern gerne als beschäftigungspolitische Instrumente bezeichnet. Sie sollen mehr Leute in Arbeit bringen.

Gehaltsschere klafft weiter auseinander
Für Joachim Möller, Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung, sind das allerdings Auswüchse des Niedriglohnsektors. Auch DIW-Forscher Markus Grabka spricht von einer überdrehten Reformschraube.
Der Beleg dafür: Von 40 Millionen erwerbstätigen sind sieben Millionen Menschen Minijobber. Das ergibt die Auswertung des Sozio-ökonomischen Panels (Soep). Das Soep bestätigt auch, dass die Einkommen in Deutschland immer stärker auseinander klaffen. Demnach verbuchten Beschäftigte in der höchsten Einkommensgruppe ein leichtes Plus von knapp einem Prozent. Beschäftigte in den unteren Einkommensgruppen mussten dagegen starke Einbußen hinnehmen: Ihre Nettogehälter sanken preisbereinigt um 16 bis 22 Prozent.

Ungleiche Bezahlung stärkt Gehaltsunterschiede
"Noch eindeutigere Belege kann es nicht geben: Wir brauchen eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt", fordert Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall. Ein wesentlicher Grund für zu niedrige Einkommen sei die ungleiche Bezahlung von Leiharbeitern.

Ein Beispiel für die Ungleichheit: In der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen hat ein Leiharbeitnehmer, der über eine zweijährige Ausbildung verfügt, nach dem BZA/DGB-Tarif einen Stundenlohn von 9,84 Euro. Ein Festangestellter mit vergleichbaren Aufgaben hat nach Tarif einen Stundenlohn von 14,45 Euro. Der ausgebildete Leiharbeiter verdient 33 Prozent weniger als sein festangestellter Kollege. Noch größer wird die Lücke bei den ungelernten Beschäftigten: Hier liegt der Stundenlohn in der Metall- und Elektrobranche NRW tariflich bei 7,79 Euro. Ein Festangestellter erhält hingegen für Tätigkeiten, die keine oder nur eine kurze Anlernzeit erfordern, einen Stundenlohn von 12,91 Euro. Der Leiharbeitnehmer verdient 40 Prozent weniger.

"Wenn wir nicht wollen, dass Arbeit als wertvollster Rohstoff Deutschlands zur Ramschware verkommt, muss das Prinzip "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" endlich umgesetzt werden. Wir brauchen eine faire Ordnung am Arbeitsmarkt. Das erreichen wir mit wirkungsvollen Gesetzen und Tarifregelungen", begründet Berthold Huber die Forderung der IG Metall nach gleicher Bezahlung von Leiharbeitern. Kannegiesser hatte im Interview mit der SZ gefordert, die Bezahlung der Leiharbeiter solle unter dem Niveau der Stammarbeiter liegen. "Ich verstehe nicht, warum Herr Kannegiesser seinen eigenen Tarifverträgen misstraut und eine zweite Lohnlinie einzieht", so Huber weiter. Jeder Beschäftigte werde entsprechend seiner Tätigkeit bezahlt. Es sei klar, dass ungelernte Berufseinsteiger nicht auf Facharbeiter-Arbeitsplätzen eingesetzt würden. Huber: "Leiharbeiter müssen so bezahlt werden wie Tarif-Beschäftigte auf einem vergleichbaren Arbeitsplatz, nicht mehr, aber auch nicht weniger."

Infografik: Weniger Geld für Geringverdiener

Neue Ordnung am Arbeitsmarkt
Die gleiche Bezahlung von Leiharbeitern ist für die IG Metall ein wesentlicher Baustein für eine neue Ordnung am Arbeitsmarkt. Huber sieht in der nicht regulierten aber stetig wachsenden atypischen Beschäftigung, die am 19. Juli 2011 vom Statistischen Bundesamt bestätigt wurde, ein Problem: "Wenn Minijobs, Befristung, Leiharbeit und Teilzeit den Arbeitsmarkt zu 75 Prozent wachsen lassen und wir gleichzeitig sehen, dass die Menschen nicht gleichberechtigt am Aufschwung teil haben, ist das ein eindeutiges Signal. Mehr Regulierung heißt nicht weniger Wirtschaftswachstum, sondern mehr Sicherheit." Die IG Metall fordert daher neben der gleichen Bezahlung von Leiharbeitern flächendeckend allgemeinverbindliche Mindestlöhne, einen erleichterten Umstieg von Teilzeit auf Vollzeit sowie weniger befristete Arbeitsverhältnisse und Werkverträge.

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