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Leiharbeit: IG Metall fordert gesetzliche Regeln. Foto: IG Metall

Leiharbeit: IG Metall fordert gesetzliche Regeln

Leider kein krasser Einzelfall

12.09.2013 Ι Der Wahlkampf läuft auf Hochtouren. Ein wichtiges Thema: Leiharbeit. Bei der ARD-Wahlarena am Montag beispielsweise zeigte sich die Kanzlerin bei der Lebensgeschichte eines Leiharbeiters empört über die Missstände. Gegen diese Missstände endlich gesetzlich etwas zu tun, fordert die IG Metall aber schon lange von der Bundesregierung. Doch es passiert nichts.
Allein steht Bundeskanzlerin Angela Merkel  vor dem runden Stehtisch und hört zu. Seit zehn Jahren ist Betriebsrat Christian Graupner ununterbrochen als Leiharbeiter tätig, erzählt er. Auf 30 bis 40 Stammarbeiter kämen in seinem Betrieb 500 Leihbeschäftigte. Und von dem sogenannten Klebeeffekt, den die Bundesregierung immer wieder lobt, dass Leiharbeiter nach einer gewissen Zeit übernommen werden, hätten nur wenige profitiert, betont Graupner. Merkel sucht nach den richtigen Worten. Das sei doch ein "sehr krasser Fall", antwortet die Kanzlerin dem Leiharbeiter Graupner.

Leiharbeit ist Realität

Für die IG Metall sind diese Erfahrungen leider keine krassen Einzelfälle. "Dass Leiharbeiter oft jahrelang beschäftigt werden, ist doch nichts Neues", sagt Detlef Wetzel, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. In einer Umfrage vor zwei Jahren hatten 55 Prozent der befragten Leiharbeiter aus der Metall- und Elektroindustrie angegeben, mindestens schon ein Jahr im gleichen Betrieb zu arbeiten. Dauerhafte Leiharbeit ist Realität.

Erschreckend aber sei die Unkenntnis der Kanzlerin über Alltag in den Betrieben, betont Wetzel. "Angela Merkel hatte vier Jahre Zeit, den Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch etwas dagegen zu tun", erklärt Wetzel.

Gesetz muss her

Es sei endlich Zeit zu handeln, fordert Wetzel. Und das fordern auch die Beschäftigten. In der Beschäftigten-Befragung der IG Metall stimmten 92 Prozent der Befragten der Aussage "Leiharbeit und Werkverträge müssen gesetzlich neu geregelt werden" zu oder voll und ganz zu.




Der Auftrag an die IG Metall ist also klar. Wetzel: "Deshalb macht sich die IG Metall seit Jahren für die Begrenzung der Verleihdauer stark." Das Synchronisationsverbot, nachdem Verleihfirmen Arbeitnehmer nicht nur für die Dauer eines Einsatzes beschäftigen dürfen, muss wieder her.

Der Gesetzgeber ist schon viel zu lange untätig. Das hatte im Frühjahr auch das Bundesarbeitsgericht kritisiert. Betriebsräte dürfen zwar ihre Zustimmung zum Einsatz von Leibeschäftigten verweigern, wenn diese auf Dauer angelegt ist. Aber es ist bislang nicht gesetzlich geregelt, was "vorübergehender Überlassung" heißt.

Besser dank Tarifvertrag

In den vergangenen Jahren hat die IG Metall den zahlreichen krassen Fällen von Leiharbeit aber nicht tatenlos zugeschaut. Sie hat Besservereinbarungen und Tarifverträge abgeschlossen. So auch beim Automobilzulieferer Wisag. Das ist der Leipziger Betrieb in dem Betriebsrat Christian Graupner arbeitet. Dort erstritt er gemeinsam mit der IG Metall einen Tarifvertrag, der einen Stundenlohn von im Durchschnitt 10,60 Euro, 30 Tage Urlaub und ein 13. Monatsgehalt vorsieht. "Und außerdem ist es uns gelungen, die Mitbestimmung der Betriebsräte auszudehnen", freut sich Bernd Kruppa, Geschäftsführer der IG Metall in Leipzig.

Darüber, dass die IG Metall gute Arbeit macht, darüber kann die Kanzlerin gerne staunen. Die nächste Bundesregierung sollte aber dafür sorgen, dass es künftig keine "krassen Fälle" von Leiharbeit mehr gibt.

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