IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Leiharbeitsanstieg in Metall- und Elektroindustrie

Leiharbeit: Boom auch in Nordrhein-Westfalen

Leiharbeitsanstieg in der Metall- und Elektroindustrie

17.08.2010 Ι Nach der Krise boomt die Leiharbeit. Jeder dritte angebotene Job ist zwischenzeitlich ein Leiharbeitsjob. Auch in NRW stellen die Firmen entlassene Facharbeiter als Leiharbeiter wieder ein. Und die verdienen dann 30 bis 40 Prozent weniger als vorher.

Die Zahl der Beschäftigten in der Leiharbeit nähert sich einem neuen Rekordstand. Vor der Krise waren es rund 823 000 Leiharbeiter und im Mai 2010 waren es nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit bereits wieder 660 000 und rund 80 000 geringfügig Beschäftigte. In der Krise wurden viele Leiharbeiter schnell entlassen und konnten von den beschäftigungssichernden Maßnahmen kaum profitieren.

Beispiel: Leiharbeitsfirma Piening in NRW
Am Beispiel des Bielefelder Leiharbeitsunternehmens Piening lässt sich das besonders gut nachverfolgen: Im Jahr 2008 waren dort rund 5000 Leiharbeiter angestellt. Im Krisenjahr 2009 waren es nur noch rund 3500. Und nun sind es wieder 5500 Leiharbeitnehmer, die von Piening an Firmen aus NRW verliehen werden. Die IG Metall NRW erklärt, dass viele Arbeitnehmer, die in der Krise ihren Job verloren haben, nun als Leiharbeiter die gleiche Tätigkeit für bis zu 40 Prozent weniger Lohn verrichten müssen. NRW-Bezirksleiter Oliver Burkhard fordert daher auch in der kommenden Stahltarifrunde gleiches Geld für gleiche Arbeit.

Boom auch in der baden-württembergischen Metall- und Elektrobranche
Auch in Baden-Württemberg boomt die Leiharbeit. IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann sieht das kritisch: "Vor der Krise war der Leiharbeitsmarkt so strukturiert, dass er für einfache Tätigkeiten funktioniert hat. Dort sehe ich auch jetzt im Moment die größte Gefährdung. Eine Gefahr wäre, wenn sich dies verändert. Wenn sich das etabliert, was wir auch teilweise schon jetzt im Ingenieurbereich sehen. Dort wird Leiharbeit auch bei hochqualifiziertem Fachpersonal als eine mögliche Option gesehen. Dort haben wir schon jetzt schwierige Konstruktionen wie Werksverträge und Dienstleistungsverträge. Wir haben ein buntes Bild und es gibt Beispiele, wo nur noch die Hälfte der Belegschaft fest angestellt ist und der Rest über Fremdfirmen läuft." Für die Beschäftigten bedeutet das, dass sie schneller entlassen werden können, oft weniger verdienen und im Unternehmen auch weniger Rechte haben als Festangestellte.

Leiharbeit begrenzen
Die IG Metall setzt sich dafür ein, Leiharbeit zu begrenzen und nur bei Auftragsspitzen einzusetzen. Hofmann: "Wir haben Firmen wie Daimler, wo der Druck sehr stark war, und wir mit einer Quotierung die Zahl der Leiharbeitskräfte im Unternehmen begrenzt haben. Dies führt jetzt in der Folge dazu, dass zum Beispiel im Werk Rastatt wieder mehr Leute fest eingestellt oder übernommen werden. Wir haben andere Firmen, in denen man relativ wenig oder keine Leiharbeit in der Produktion hat - dazu gehören zum Beispiel Porsche und Bosch. Im Maschinenbau ist das Thema weniger relevant, weil da sehr spezialisierte Fachkräfte gebraucht werden.

Die Leiharbeit boomt bundesweit
Die Unternehmen in Deutschland setzen insgesamt bei Neueinstellungen zunehmend auf die Leiharbeit. Für mehr als jede dritte neue Stelle suchten die Betriebe nach Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA) im Juni einen Leiharbeitnehmer. "Diese Zahlen bestätigen unsere Befürchtungen", meint der stellvertretende IG Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel und kündigt Widerstand an. "Gegen das Bestreben, durch Leiharbeit ein niedrigeres, zweites Tarifniveau in den Betrieben zu etablieren, werden wir Gegenwehr in den Betrieben organisieren." Auch die Bundesregierung sei in der Pflicht, dem Missbrauch von Leiharbeit Einhalt zu gebieten."

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Leiharbeit fair gestalten.
Fragen zur Leiharbeit? Rufen Sie an!

Für alle Fragen rund um die Leiharbeit hat die IG Metall für Leiharbeitnehmer, die Mitglied sind, eine Hotline eingerichtet. Unter 0800 - 4463488 können sie sich kostenfrei beraten lassen.

Servicebereich