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© Fotolia/christian42

Landmaschinen

Mehr Investitionen in die Maschinenbauer

16.11.2017 Ι Zurzeit sind auf der Messe "Agritechnica" in Hannover neue Agrarrobotor und andere Hightech-Maschinen für die Landwirtschaft zu bestaunen. Eine Branchenanalyse im Auftrag der IG Metall zeigt: Die Produkte der Landtechnikbranche sind hochmodern, aber für die Zukunft ihrer Beschäftigten tut sie zu wenig.

Das Pferd hatte Vorteile, schwärmten Landbewohner vor 50 Jahren. Wenn der Bauer sonntags nach Kirche und Kneipe, vom Bier und Schnaps schläfrig oder orientierungslos, nach Hause wollte, fand das Pferd den Weg alleine heim. Heute ist für einen Landwirt in vergleichbarer Situation autonomes Fahren wieder - oder noch - Zukunftsmusik.

Aber auf seinem Feld ist die Zukunft schon da. Mähdrescher, Hächsler, Mähmaschinen, Futtermischwagen, Kartoffel- und Zuckerrüben-Erntemaschinen oder Feldspritzen brauchen weder Pferd noch Bauern, um sich in Bewegung zu setzen und zu wissen, was sie tun müssen. Sie erledigen ihre Arbeit weitgehend alleine. Der Landwirt hat jetzt andere Jobs: seine teil- oder vollautomatisierten Landmaschinen zu steuern und überwachen, Agrar-Apps zu studieren, Daten auszuwerten, die ihm Sensoren, Drohnen, GPS und Onlineprogramme übermitteln, und mit diesem Wissen Schädlinge zu finden und zu bekämpfen, den Düngemitteleinsatz zu optimieren und die landwirtschaftlichen Erträge zu steigern. Die hochmoderne Technik dafür liefern die Hersteller von Landmaschinen.

Mehr als 33 000 Menschen verdienen in Deutschland ihr Geld in dieser zukunftsträchtigen Teilbranche des Maschinenbaus. "In ihre Zukunft wird allerdings nicht so viel investiert, wie es in einer Hightech-Branche nötig wäre", kritisiert Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall.

 

Hochinnovativ

Auf der "Agritechnica", der Messe für Landtechnik, die diese Woche bis Samstag in Hannover ist, veranstaltet die IG Metall heute ein Podiumsgespräch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern über die "Zukunftsperspektive für die Landtechnik". Darin geht es vor allem auch um die Perspektiven für die Beschäftigten. Die aktuelle Lage der (Teil-)Branche hat die IG Metall zusammen mit der Hans-Böckler-Stiftung analysieren lassen und in einem umfangreichen Branchenreport dokumentiert. Er zeigt: Diese Branche mit ihren Hightech-Produkten hat Stärken: Sie ist hoch innovativ und hat gut ausgebildete und sehr motivierte Beschäftigte.

 

Hohes Alter

Aber sie hat auch Schwächen. So ist der Altersdurchschnitt der Belegschaften mit im Schnitt bald 50 Jahren sehr hoch. Aber den immer älter werdenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird immer mehr abverlangt. Moderne Methoden der Arbeitsorganisation in der Produktion, die die Effizienz permanent steigern, führen dazu, dass der Leistungs- und Zeitdruck stetig wächst. Die große Beschäftigtenbefragung der IG Metall aus diesem Jahr hat gezeigt, dass sich mehr als 60 Prozent der Beschäftigten in der Landtechnik zunehmend gehetzt fühlen. Ein weiteres Problem wird in Zukunft dazukommen: Nachdem die Digitalisierung bei den Produkten für die Landwirtschaft längst angekommen ist, steht sie auch in der Produktion bald bevor. Und sie wird die Arbeit gewaltig verändern. Bisherige Tätigkeiten werden überflüssig, neue Qualifikationen erforderlich.

 

Ungebunden

Zudem besteht die Gefahr, dass Tätigkeiten in Länder mit Niedriglöhnen verlagert werden. Die Branche -  führende Unternehmen sind Deere, AGCO, CNH Industrial und der deutsche Hersteller Claas - ist global aufgestellt. "Die transnationalen Unternehmen sind weder lokal noch national gebunden", heißt es in dem Branchenreport. "Der Druck auf die industriellen Standortschwerpunkte steigt."

 

Gut ausgebildet

In der Vergangenheit wurden allerdings ausgelagerte Bereiche und Tätigkeiten auch wieder in die deutschen Standorte zurückgeholt, weil nach der Auslagerung die Qualitätsstandards nicht gehalten wurden. Die gut ausgebildeten Belegschaften sind ein Pfund, mit dem die Hersteller in Deutschland wuchern können. Aber sie müssen mehr in ihre Beschäftigten investieren, mahnt die IG Metall. "Bei den meisten Unternehmen mangelt es an vorausschauender Personalplanung", kritisiert Wolfgang Lemb. "Die Unternehmen müssen sich um bessere und gesündere Arbeitsbedingungen kümmern. Sie müssen Weiterbildung fördern und - um möglichem künftigem Fachkräftemangel vorzubeugen - mehr Ausbildungsplätze anbieten."

Der Branchenreport 2017 "Landtechnik - Entwicklungstrends und Herausforderungen" kann im Shop auf igmetall.de bestellt oder hier heruntergeladen werden.

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