IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
Kurswechsel: Lebenschancen und Verteilungsgerechtigkeit

Kurswechsel: Lebenschancen und Verteilungsgerechtigkeit

Treibende Kraft für soziale Gerechtigkeit

06.12.2012 Ι Immer mehr Menschen sind arm. Sie können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen und müssen bei den Mahlzeiten sparen. Trotz einer soliden Konjunktur greift dieses Phänomen hierzulande um sich. Auf dem Kongress "Kurswechsel für ein gutes Leben" diskutieren Gewerkschafter und Experten über Lebenschancen und Verteilungsgerechtigkeit.

Als Beate S. ihren Rentenbescheid bekam, musste sie erst einmal schlucken. Wie sollte sie von 780 Euro im Monat leben? Miete und Lebensmittel bezahlen, und ab und zu vielleicht den Enkel beschenken? Kaum vorstellbar. Dabei hat sie ihr Leben lang gearbeitet. Erst als Hilfskraft in einem Medizintechnikunternehmen. Dort war sie in der Montage tätig und hat Pulsmessgeräte zusammengebaut - jeden Tag hunderte. Später war sie Verkäuferin bei Schlecker. Doch als die Drogeriekette Pleite ging, fand sie keinen neuen Job  und meldete sich arbeitslos. Reichtümer hatte Beate nie, trotzdem hatte sie gehofft, dass es im Alter schon irgendwie reichen würde.


So wie Beate geht es vielen älteren Menschen. Besonders Frauen müssen im Alter oft jeden Cent drei Mal umdrehen. Gerade diejenigen sind von Armut betroffen, die in ihrem Arbeitsleben Phasen hatten, in denen sie pausieren mussten - wegen Kinderbetreuung, Arbeitslosigkeit oder wenn sie Angehörige pflegen mussten.  Aber auch die, die durchgängig sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren, müssen ihre Rente rechnen und haben meist keine Garantie auf ein sorgenfreies Alter.


Weniger als 940 Euro

Die Kluft zwischen Arm und Reich verbreitert sich hierzulande, trotz der soliden wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Nach den neuesten Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Mikrozensus waren 15,3 Prozent der Menschen im Jahr 2011 arm. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichtigen mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Das entspricht in Deutschland einem Monatseinkommen von 848 Euro im Monat für einen Alleinstehenden. Dass Beate S. demnächst von einem Renteneinkommen unterhalb der Armutsgrenze leben muss, ist demnach kein Einzelfall. Und auch die Entwicklung selbst ist beängstigend. Denn 2010 lag die Armutsquote noch bei 14,5 Prozent in Deutschland.


Zwar haben mehr Menschen als noch vor einigen Jahren einen Job, doch ein Blick hinter die Kulissen der Arbeitsmarktstatistik zeigt: Einen Grund zum Jubeln gibt es nicht. Viele von ihnen können von dem, was der Job einbringt, nicht leben. Sie arbeiten für einen Niedriglohn, stecken in Leiharbeit oder in einem Teilzeitjob. Nicht wenige haben sogar zusätzlich noch einen Nebenjob. Viele bekommen trotz Arbeit noch staatliche Unterstützungsleistungen. In manchen deutschen Großstädten ist sogar jeder fünfte Einwohner arm.



Mehr Lebenschancen - Thema auf dem Kurswechsel-Kongress

Die Agenda 2010, gesetzliche Änderungen bei den Sozialleistungen und die Strukturen des Bildungssystems sind in den letzten Jahren nicht folgenlos geblieben. Tatsächlich droht Deutschland dauerhaft eine tiefgreifende Spaltung der Gesellschaft. Auf der einen Seite sind diejenigen, denen es gut geht und auf der anderen Seite stehen die, die immer weiter zurückfallen.


Die IG Metall wird dieser Entwicklung nicht tatenlos zusehen. Sie fordert einen grundlegenden Kurswechsel, eine Politik für die breite Mehrheit der Menschen. Das ist möglich. Die IG Metall will eine treibende Kraft bei diesem Kurswechsel sein. Sie will die Ursachen bekämpfen anstatt nur Symptome zu lindern. Sie will dazu beitragen, dass die Probleme gelöst werden, ohne an anderer Stelle neue zu schaffen.


Positionen breit diskutieren

Auf ihrem Kongress "Kurswechsel - für ein gutes Leben" geht es auch um Lebenschancen und Verteilungsgerechtigkeit. Verschiedene Experten werden dazu Stellung beziehen, ihre Vorstellungen darlegen und erklären, wie es besser geht. Mit der Konferenz will die IG Metall dazu beitragen, die gewerk­schaft­li­chen Positionen mit einer brei­ten Öffent­lich­keit zu diskutieren.

Neben dem Thema "Lebenschancen und Verteilungsgerechtigkeit" wird auch über den ökolo­gi­scher Umbau und die Demokratisierung der Wirtschaft, die Regulierung des Finanzmarktsystems und vielen weiteren Themen diskutiert. Ziel ist es, nicht nur einen eige­nen kon­zep­tio­nel­len Beitrag zu bringen, sondern einen politischen Kurswechsel zu initiieren..

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Kurswechsel für ein gutes Leben

Alle Informationen, Bilder und Videos vom inter­na­tio­nalen Kongress der IG Metall in Berlin.

Servicebereich