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Kuren für Eltern

Kuren für Eltern

Auszeit für die Gesundheit

29.07.2016 Ι Kinder, Haushalt, Berufstätigkeit, Probleme in der Familie, Geldsorgen - das alles kann an den Kräften zehren. Eine Kur kann verhindern, dass Stress krank macht. Wir geben Tipps, was bei einer Eltern-Kind-Kur zu beachten ist.

Mal drei Wochen Sylt oder Rügen, Odenwald oder Allgäu. Dem normalen Alltagsstress entfliehen und es sich stattdessen mit Sport und Bewegung, Physiotherapie, Entspannungsübungen, Heilbädern, Kreativ sein und Gesprächen über ganz Persönliches gutgehen lassen. Klingt nach Urlaub im Wellnesshotel. Ist es aber nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn es sich um eine Mutter- oder um eine Vater-Kind-Kur handelt.


Die Therapie

Nervosität, Angst, Schlafstörungen, Erschöpfungszustände, Unruhe, Allergien, Magen-Darm- und Herz-Kreislauf-Beschwerden, Rücken- und Kopfschmerzen: All das sind typische Gesundheitsprobleme, unter denen überforderte Eltern leiden können. Aber es gibt auch noch weitere. In den Kliniken, die Kuren für Mütter und Väter anbieten, erstellen Ärzte, Psychologen und andere Fachkräfte individuell zurechtgeschnittene Therapiepläne für überlastete Eltern. Sie berücksichtigen neben den diagnostizierbaren gesundheitlichen Problemen auch das persönliche Lebensumfeld. Eine Kur dauert drei Wochen. Sie kann sowohl zur Vorsorge dienen als auch eine Rehamaßnahme sein. In der Kurklinik sollen die Mütter oder Väter lernen, gesünder zu leben und ihren Alltag besser zu bewältigen. Es ist Hilfe zur Selbsthilfe.

 

Die Beratung

Welche Therapien helfen? Welche Klinik ist am besten geeignet? Was passiert in der Zeit mit der Familie zu Hause? Wer kümmert sich um die Kinder? Was kostet das Ganze? Alle Fragen, die sich vor der Entscheidung für eine Kur stellen, sollten vorher mit einer Beraterin oder einem Berater besprochen werden. Die Experten helfen auch dabei, die Kur zu beantragen. Bei den Wohlfahrtsverbänden gibt es bundesweit rund 1300 Beratungsstellen, zum Beispiel bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Wo sich die nächstgelegene Stelle befindet, ist auf der Website der AWO zu erfahren.

 

Der Antrag

Eine Kur muss bei der Krankenkasse beantragt und von ihr bewilligt werden. Antragsformulare gibt es bei Krankenkassen oder Wohlfahrtsverbänden. Seit 2007 sind Mutter- oder Vater-Kind-Kuren Pflichtleistungen der Krankenkassen. Mütter oder Väter haben einen Anspruch darauf, wenn eine Ärztin oder ein Arzt bescheinigt, dass sie medizinisch notwendig sind. Ein Antrag sollte gut begründet sein, damit die Kasse ihn nicht ablehnt. Je klarer und ausführlicher die gesundheitlichen Probleme beschrieben werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kasse einer Kur zustimmt. Lehnt sie den Antrag ab, helfen die Beratungsstellen der Wohlfahrtsverbände dabei, Widerspruch einzulegen.

 

Die Klinik

Ist die Kur bewilligt, bezahlen die Krankenkassen die Anreise, Unterbringung und Verpflegung in der Klinik sowie die therapeutischen Maßnahmen. Die Versicherten müssen sich mit zehn Euro pro Tag an den Kosten für Essen und Unterkunft beteiligen. Bei Einkommensschwachen besteht die Möglichkeit, den Eigenanteil zu verringern.

Welche Fachklinik am besten geeignet ist, hängt vom Krankheitsbild ab. Wer eine Kur beantragt, hat ein Wahlrecht. Die Krankenkasse kann zwar eine Einrichtung vorschlagen, aber sie muss die Wünsche ihrer Versicherten berücksichtigen und darf eine Klinik nicht allein aus wirtschaftlichen Gründen ablehnen.

 

Die Kinder

Es gibt Kuren nur für Mütter oder Väter und solche, in denen Elternteile ihre Kinder mitbringen können, wenn sie unter zwölf Jahre alt sind. Für behinderte Kinder gilt keine Altersgrenze. Wenn die Kinder zu Hause bleiben und wenn im Haushalt pflegebedürftige Angehörige sind, kann die Kasse ihre Betreuung finanzieren. Sie bezahlt zum Beispiel den Einsatz einer Familienpflegerin, wenn mindestens ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt.

Bei einer Mutter-Kind- oder Vater-Kind-Kur kann der Nachwuchs in Gruppen pädagogisch betreut werden. Ist die Kur außerhalb der Ferienzeit, können die Kinder schulbegleitenden Unterricht erhalten. Haben sie auch gesundheitliche Probleme, kann es für sie auch eigene medizinische Anwendungen geben. Für ihre Kinder müssen die Eltern übrigens nichts zuzahlen.

 

Das Einkommen

Es kann einige Wochen dauern, bis die Krankenkasse über einen Antrag entscheidet. Ist die Kur bewilligt, müssen Berufstätige ihren Arbeitgeber unverzüglich über den Beginn und die Dauer der Kur informieren und den Termin mit ihm abstimmen. Der Arbeitgeber muss das Entgelt während der Kur weiterzahlen. Zeiten der Kur dürfen nicht auf den Urlaub angerechnet werden.

 

Nachsorge

Studien zeigen, dass Mutter und Vater-Kind-Kuren die Gesundheit und das Wohlbefinden dauerhaft verbessern. Wohlfahrtsverbände wie die AWO helfen mit Nachsorgeprogrammen, das bei der Kur Erlernte im Alltag anzuwenden.

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Links und Zusatzinformationen
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Tipp 1
Vor der Kur Kontakt zu einer Beratungs-stelle eines Wohlfahrtsverbands auf-nehmen. Die Beraterinnen und Berater helfen dabei, den Antrag an die Kranken-kasse zu stellen und eine geeignete Klinik zu finden. Die Beratung ist individuell und kostenlos. Auch die Krankenkassen beraten.

 

Tipp 2

Ein Arzt oder eine Ärztin muss beschei-nigen, dass die Kur medizinisch notwen-dig ist. Je ausführlicher die Gesundheit-lichen Probleme begründet werden, desto höher ist die Chance, dass die Kranken-kasse den Kurantrag bewilligt.

 

Tipp 3

Lehnt die Kasse den Antrag ab, nicht gleich aufgeben, sondern Widerspruch einlegen. Die Experten in den IG Metall-Geschäftsstellen helfen dabei.

 

Tipp 4

Wenn Kinder oder pflegebedürftige Ange-hörige im Haushalt leben, mithilfe der Beratungsstelle klären, welche Hilfen es gibt: zum Beispiel eine Familienpflegerin.

 

Tipp 5

Beginn und Dauer der Kur so schnell wie möglich mit dem Arbeitgeber abstimmen.

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