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Koyo: Austritt aus dem Arbeitgeberverband ein kurzes Intermezzo

Koyo: Austritt aus dem Arbeitgeberverband ein kurzes Intermezzo

Beschäftigte erstreiten sich Tarifbindung zurück

12.07.2016 Ι Dem Automobilzulieferer Koyo passte 2013 die Tarifforderung der IG Metall nicht. Er trat aus dem Arbeitgeberverband aus. Das ließ sich die gut organisierte Belegschaft nicht gefallen. Warnstreiks folgten. Nach wenigen Wochen kehrte der Arbeitgeber wieder in die Tarifbindung zurück.

"Die LKW standen bis hinauf auf die Bundesstraße und blockierten den Verkehr", freut sich auch jetzt noch Jens Engelbrecht, Betriebsratsvorsitzender der Firma Koyo aus Halle. Grund für diese Blockade war, dass der Pförter einfach die Schranke nicht geöffnet und keine LKW mehr durchgelassen hatte - unabhängig davon, ob sie raus aus dem Werk oder hinein wollten. Der Pförtner beim Wälzlagerhersteller Koyo war, wie die meisten anderen Beschäftigten auch, am 6. Mai 2013 dem Warnstreikaufruf der IG Metall gefolgt. Er und alle anderen Mitglieder der IG Metall bei Koyo protestierten damit gegen die Tarifflucht ihres Arbeitgebers aus dem Arbeitgeberverband. 
 

Früher in den Feierabend

Die ersten Warnstreikenden kamen von der Frühschicht und legten für 90 Minuten die  Arbeit nieder. Nach der Frühschicht unterstützten auch die Spät- und die Nachtschicht die Aktion. Alle beendeten jeweils 90 Minuten früher wie üblich ihre Arbeit. Aufgerufen dazu hatte die IG Metall, nachdem der Arbeitgeber per Aushang mitgeteilt hatte, aus dem Arbeitgeberverband auszutreten.

Seine Begründung: Die Tarifforderung der IG Metall sei zu hoch und könnte zu Kostensteigerungen führen, die der Betriebe nicht finanzieren wolle. Zwar kündigte Koyo an, dass einige tarifvertraglichen Regelungen zunächst weiterlaufen könnten, doch die tarifliche Entgelterhöhung wollten sie teilweise anrechnen.

Der Betriebsrat reagierte prompt. Er informierte die Belegschaft über die Folgen der Tarifflucht. Zudem stellte er alle innerbetrieblichen Verhandlungen mit dem Arbeitgeber sofort ein. Das hat den Druck auf Koyo erhöht. Die IG Metall mobilisierte zur Gegenwehr und rief zum Warnstreik auf. Die Befürchtung war, dass der Arbeitgeber nun alle Tarifverträge aufweichen und viele Bedingungen verschlechtern wollte. Denn jeder ausgelaufene Tarifvertrag müsste dann auf betrieblicher Ebene individuell verhandelt werden. Gemeinsam mit der IG Metall in Bielefeld stellten die Arbeitnehmer daraufhin einen Forderungskatalog auf: Zusätzlich zu den 5,5 Prozent höheren Entgelten, die die IG Metall in der Tarifrunde gefordert hatte, verlangten sie eine pauschalierte Sonderzahlung von 50 000 Euro. Davon sollte eine Erholungsbeihilfe, eine tarifliche Altersversorgung und ein Tarifvertrag über eine arbeitgeberfinanzierte Zusatzkrankenversicherung finanziert werden. Für zusätzlichen Druck hat auch eine Betriebsversammlung gesorgt, an der auch der Vertreter des Arbeitgeberverbandes teilgenommen hat.


Konsequent

Dass die Arbeitnehmervertreter direkt nach Bekanntwerden der Tarifflucht mit Warnstreiks reagiert haben, hat sich als richtige Reaktion herausgestellt. Mit ihrer entschiedenen Haltung haben der Betriebsrat und die Belegschaft dem Arbeitgeber deutlich gemacht, dass er so nicht weiter kommt. "Noch nicht einmal die Abteilungsleiter standen hinter der Tarifflucht", erklärte Engelbrecht. Denn auch sie waren verunsichert und wollten nicht auf die Vorteile, die ein Tarifvertrag bringt, verzichten.

 

Warnstreik am 6. Mai 2013


Tarifverträge sorgen für Klarheit

Tarifverträge zahlen sich in Euro und Cent aus. Bei gleicher Tätigkeit verdienen Beschäftigte in nicht tarifgebundenen Unternehmen durchschnittlich 25 Prozent weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Betrieben mit Tarifvertrag. Alle Mitglieder der IG Metall in einem Unternehmen haben einen gesetzlichen Anspruch auf die tariflichen Entgelte, die Regelungen zu Arbeitszeiten, Urlaub und noch vieles mehr.

Die Unternehmensleitung bei Koyo hielt nicht lange durch. Schon wenige Wochen später, am 10. Juni, teilte die Geschäftsleitung per Aushang mit, wieder in die Tarifbindung zurückkehren zu wollen. Der Wiedereintritt im Arbeitgeberverband fand zum 1. August statt. Der Druck der Beschäftigten hatte den Arbeitgeber zum Einlenken gezwungen.


Wenn Arbeitgeber sich verhalten wie der Wälzlagerhersteller Koyo, dann verunsichert das die Mitarbeiter, sagt Ute Herkschröter von der IG Metall Bielefeld: "Viele waren danach gar nicht gut auf ihren Arbeitgeber zu sprechen", so die Gewerkschafterin. Gerade die Beschäftigten, die bereits viele Jahre im Unternehmen arbeiten, fühlen sich dem Betrieb zugetan, sind motiviert und engagiert. Da ist es für sie nicht nachvollziehbar, wenn die Geschäftsleitung plötzlich eine so wichtige Vereinbarung, wie den Tarifvertrag aufkündigt. Nach dieser Auseinandersetzung sind denn auch viele Mitarbeiter, besonders unter den Angestellten, in die IG Metall eingetreten.

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Lohn, Gehalt und mehr.

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Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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