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BIP erholt sich leicht. Grafik: IG Metall

Konjunkturentwicklung im zweiten Quartal

Leichter Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt

25.08.2009 Ι Erstmals seit Anfang 2008 hat das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Frühjahr real um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zugelegt. Trotz der positiven Impulse warnt Wolfgang Rhode, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, vor zu viel Optimismus. Er sagt auch, warum die Fixierung auf den Export gefährlich sein kann.

"Es ist erfreulich, dass die Zahlen besser als erwartet ausfielen und die Wirtschaftsleistung gegenüber dem ersten Quartal sogar geringfügig angestiegen ist. Es gibt aber keinen Grund für Entwarnung. Wir erleben eine Stabilisierung auf extrem niedrigen Niveau, immerhin war das Sozialprodukt etwa sieben Prozent geringer als im letzten Jahr", kommentiert Wolfgang Rhode die allgemeine Tendenz, die Rezession für überwunden zu erklären.

Aktive Konjunkturpolitik
Die Risiken für den weiteren Konjunkturverlauf seien weiterhin hoch. Die nach wie vor bestehenden Ungleichgewichte im globalen Handel gefährden die weltweite Erholung. Darauf ist Deutschland mit seiner starken Exportorientierung aber angewiesen. Die Nachfrage nach Maschinen und Anlagen ist noch immer gering, weil bei schwach ausgelasteten Kapazitäten und schwierigen Finanzierungsbedingungen wenig investiert wird.Binnenwirtschaftlich kommt es darauf an, Entlassungen weiter zu verhindern. Wenn die Unternehmen statt Kurzarbeit zu nutzen, dazu übergehen, Personal massenhaft abzubauen, schlägt das auf den privaten Konsum durch. Dann wäre ein konjunktureller Rückschlag im Herbst nahezu unvermeidlich. Auch für den Staat ist es noch viel zu früh, um über Ausstiegsszenarien bei der aktiven Konjunkturpolitik nachzudenken. Von einer sich selbst tragenden, kräftigen Erholung sind wir noch weit entfernt. Perspektivisch müssen dafür die Löhne steigen, um die Binnennachfrage zu stärken und die Exportabhängigkeit zu verringern."

BIP 2. Quartal 2009

Auch Gustav Horn, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), erwartet eher eine langsame wirtschaftliche Erholung. "Wir haben die Talsohle jetzt erreicht, aber wir verlassen sie noch nicht", so Horn in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau".

Abwrackprämie und Kurzarbeit halten Konsum stabil
Dass der Konsum in Deutschland derzeit noch relativ stabil erscheine und so zum Wachstum im zweiten Quartal beigetragen habe, hat für den Wirtschaftswissenschaftler Horn mehrere Gründe: "Dazu gehört die Abwrackprämie, die zu steigenden Ausgaben für Autos geführt hat. Zudem wurden durch Kurzarbeit bisher Entlassungen vermieden, was die Einkommen stabil hielt." Allerdings befürchtet Horn, dass angesichts des "dramatischen Einbruchs" des Welthandels künftig zahlreiche Entlassungen anstünden.

Ersatz für das BIP gesucht
Das Bruttoinlandsprodukt hat als Indikator des wirtschaftlichen Erfolgs eines Staates und seiner Regierung eigentlich ausgedient. Es sagt nichts aus über Umweltkosten und Kriterien wie Bildung, Kriminalitätsraten, Freizeit, intakte Familienstrukturen. Weltweit wird nach einem neuen Index gesucht. Wohl auch, weil das Ende des Wachstums herkömmlicher quantitativer Art in Sicht ist.
Für die IG Metall ist weiterhin der Grundsatz "Keine Entlassungen in der Krise" maßgeblich. Derzeit gibt es in einigen Banchen einen Stellenabbau bis zu 4,2 Prozent. Berthold Huber fordert, verstärkt Kurzarbeit einzusetzen. Das hat sich bisher auch bewährt.

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Was ist das BIP?

Das BIP steht für das Bruttoinlands- produkt. Es bezeichnet ein Maß für die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft in einem bestimmten Zeitraum. Das BIP bewertet alle Güter (Waren und Dienstleistungen), die im Inland für den Endgebrauch hergestellt wurden. Die Entwicklung des BIP zeigt an, ob eine Wirtschaft wächst oder nicht. Dabei wird zwischen dem nominellen und dem realen BIP unterschieden. Bei der Errechung des nominellen BIP werden die Güter und Dienstleistungen zu aktuellen Preisen bewertet. Das reale BIP wird zu konstanten Preisen eines bestimmten Basisjahres berechnet und spiegelt das echte Mengenwachstum wider.
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