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Knippschild in Rinteln ist wieder im Tarif. Foto: IG Metall

Knippschild in Rinteln ist wieder im Tarif

Warnstreik brachte Durchbruch

17.02.2011 Ι Bei Knippschild in Rinteln gilt seit Jahresbeginn wieder der Flächentarifvertrag und die Entgelte steigen. Damit der Baumaschinen-Zulieferer wieder in den Tarifverbund zurückkehrte, waren viele Gespräche und Verhandlungen notwendig. Doch den Durchbruch brachte ein ganztägiger Warnstreik.

Nachdem das Unternehmen vor rund zwei Jahren aus dem Arbeitgeberverband Niedersachsen/Metall ausgetreten war, ist der Baumaschinen-Zulieferer nun wieder tarifgebunden. Seit Jahresbeginn werden Arbeitszeiten, Weihnachts- und Urlaubsgeld, Kündigungsfristen und die Übernahme von Azubis wieder auf Basis des Flächentarifvertrags der IG Metall geregelt. Zudem erhalten die Beschäftigten in drei Stufen mehr Geld: Jeweils 1,5 Prozent werden am 1. Februar und am 1. Oktober 2011 sowie am 1. Februar 2012 gezahlt.

Knippschild war aus dem Tarifverbund ausgetreten, mit dem Ziel die Entgelte zu senken. Doch nach Angaben von Kurt Becker, Betriebsratsvorsitzender, war wegen der guten wirtschaftlichen Entwicklung das überhaupt nicht notwendig. Das belegt auch ein Gutachten der Unternehmensberatung SCI, das Betriebsrat und IG Metall in Auftrag gegeben hatten. Für Herbert Scheibe, IG Metall Alfeld-Hameln-Hildesheim, ist der nun vereinbarte Haustarifvertrag für beide Seiten tragbar. Scheibe sagte: "Wir haben sowohl die Interessen der Belegschaft als auch des Unternehmens im Auge gehabt."

Solidarität zeigte Erfolg
Dem Tarifabschluss war eine Protestwelle vorausgegangen. Am 10. November 2010 kam es sogar zu einem ganztägigen Warnstreik. "Das hat den Druck erhöht, mit uns zu verhandeln", sagt Betriebsrat Thomas Umlauf. Und Ulf Jahn stellt fest: "Wenn es der Firma schlecht geht, bin ich bereit zu verzichten, um unsere Arbeitsplätze zu sichern. Aber das muss alles auf einer tariflichen Basis erfolgen. In unserem Fall war das nicht so, deshalb haben wir gemeinsam gestreikt. Man muss sich nicht alles gefallen lassen."

 

Schon nachdem 1994 das letzte Familienmitglied das Unternehmen verlassen hatte, verschlechterte sich das Betriebsklima zusehends. Die Tarifflucht vor zwei Jahre hat dann das Fass zum Überlaufen gebracht. Zudem missachtete das wechselnde Management  die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates.

Beteiligung schaffte Vertrauen
2006 wurde dann ein neuer Betriebsrat gewählt. Der zeigte der Unternehmensleitung endlich die rote Karte. "Die ersten drei Jahre waren hart", erinnert sich Kurt Becker, der seit 2006 als Betriebsratsvorsitzender an vorderster Front steht. "Oft mussten wir nach Hameln zum Arbeitsgericht." Die Betriebsräte ließen sich jedoch nicht verunsichern. Sie besuchten parallel Schulungen der IG Metall und beteiligten die Belegschaft bei ihren Entscheidungen. Das sorgte für Vertrauen. Deshalb hat die Belegschaft auch die Vereinbarungen des Betriebsrats über Kurzarbeit und ein gekürztes Weihnachtsgeld mitgetragen. Diese waren notwendig geworden, um betriebsbedingte Kündigungen im Krisenjahr 2009 zu verhindern. Doch als die Geschäftsleitung 2010 die Verhandlungen über einen Tarifvertrag trotz guter Auftragslage blockierte, ist die Mehrheit in die IG Metall eingetreten. Und dieser Zusammenhalt führte letztendlich zum Erfolg. Für die Beschäftigten des Baumaschinen-Zulieferers gelten nun die Tarifverträge der IG Metall wieder.

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