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Kfz-Tarifrunde: Warnstreiks nach Ende der Friedenspflicht. Foto: Christian v. Polentz

Kfz-Tarifrunde: Warnstreiks nach Ende der Friedenspflicht

Kaum ein Tag ohne Aktionen für eine vollere Lohntüte

24.05.2012 Ι Bis zu 6,5 Prozent mehr Geld fordert die IG Metall für die Kraftfahrzeughandwerker. Und das aus gutem Grund: Die Branche konnte 2011 wirtschaftlich richtig durchstarten und verdient gutes Geld. Seit Mitte April verhandelt die IG Metall mit den Kfz-Arbeitgebern. Und weil diese bisher nur bremsen und mickrige Löhne anzubieten haben, verging nach der Friedenspflicht kaum ein Tag ohne Aktionen und Warnstreiks.
Am 22. Mai war es mal wieder soweit: Nur 2,7 Prozent mehr Geld für insgesamt 13 Monate wollten die Kfz-Arbeitgeber bei der zweiten Verhandlung ihren Beschäftigten in Berlin, Brandenburg und Sachsen zumuten. Dort verhandelt die IG Metall mit der "Tarifgemeinschaft Mitteldeutsches Kfz-Handwerk" (TG MDK) über eine einheitliche Einkommensbasis, die für die rund 37 000 Kfz-Arbeitnehmer in den drei Ländern gelten soll.

Arbeitgeber provozieren mit Billigangebot

Das Angebot sei völlig inakzeptabel und eine dreiste Provokation, kritisierte IG Metall-Verhandlungsführer Peter Friedrich in Berlin. Mit ihrem mickrigen Angebot reihen sich die Berliner Kfz-Chefs nahtlos ein bei ihren Arbeitgeber-Kollegen in den anderen Tarifgebieten. Auch sie hatten bisher nichts Besseres anzubieten: Zum Beispiel 2,5 Prozent ab Mai 2012 und weitere 1,5 Prozent ab Mai 2013 in Baden-Württemberg oder in Schleswig-Holstein 3,8 Prozent in drei Stufen ebenfalls über zwei Jahre verteilt. In Hessen wollen sie sogar Zuschläge bei der Mehrarbeit und bei dem Leistungslohn streichen.

Metallerinnen und Metaller demonstrieren vor der zweiten Verhandlung in Berlin. Foto: Christian v. Polentz
Metallerinnen und Metaller demonstrieren vor der zweiten Verhandlung in Berlin. Foto: Christian v. Polentz

Vor der zweiten Runde im Berliner IG Metall-Haus demonstrierten rund 150 Metallerinnen und Metaller laut und stark für ihre Forderungen. Wie ihre Kolleginnen und Kollegen in den anderen Tarifgebieten zeigten sie, wie empört sie über das Verhalten der Arbeitgeber sind.

Lohntüte kann voller werden

Die IG Metall verhandelt seit dem 16. April für die Arbeitnehmer in den Werkstätten und Autohäusern. Sie fordert, je nach Region, 6 oder 6,5 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. In einigen Tarifgebieten, wie Bayern und Nordrhein-Westfalen, will sie außerdem die Ausbildungsvergütungen überproportional anheben. In den beiden Tarifgebieten sowie auch in Baden-Württemberg will sie zudem die Übernahme von Ausgebildeten und der dual Studierenden verbindlich regeln. Im Südwesten will die IG Metall zusätzlich die Rechte der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitsbeschäftigten stärken. Doch eine der wichtigsten Forderungen ist: Die Ost-Entgelte an die West-Tarife anzupassen.

Der Kfz-Branche geht es zur Zeit gut. Das letzte Jahr war laut Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) ein "Bilderbuchjahr": Die Umsätze stiegen um 8,2 Prozent, die Rendite war mit über zwei Prozent im Schnitt so hoch wie seit zwölf Jahren nicht mehr. Und nach einer Umfrage des ZDK erwarten 58 Prozent auch dieses Jahr eine stabile Entwicklung, 37 Prozent sogar eine bessere.

Aktion am 2. Mai 2012 in Freiburg: Beschäftigte von Daimler, Baden-Auto, Südwestauto, Südstern, Kannenberg, Fahrzeugvertrieb.
Tarifaktion von Kfz-Beschäftigten am 2. Mai 2012 in Freiburg.

Die meisten Tarifverträge liefen Ende April aus. Seit Ende der Friedenspflicht machen Kfz-Beschäftigte Druck mit Aktionen und Warnstreiks. Besonders wichtig ist ihnen, die Kunden darüber zu informieren, worum es bei der Tarifrunde geht: In Flugblättern erklären sie, warum der Service beeinträchtigt ist, oder weisen mit Stelltafeln auf die Arbeitsbedingungen in den Autohäusern hin.

Mitglieder gewünscht

Fast 400 000 Beschäftigte zählt die Kfz-Branche. Allerdings kommen viele von ihnen nicht in den Genuss der Tarifabschlüsse, weil die meisten oft kleinere Betriebe nicht tarifgebunden sind. Um Wildwuchs und ein Zwei-Klassen-System bei der Bezahlung einzudämmen, ist es wichtig, die Tarifrunde zu nutzen, um neue Mitglieder zu werben.

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Links und Zusatzinformationen
Wozu sind Tarifverträge gut?

Tarifverträge regeln Löhne, Gehälter und Vergütungen für Auszubildende - aber auch die Zahl der Urlaubstage, Urlaubs- und Weihnachtsgeld und wie lange Beschäftigte arbeiten müssen. Ohne Tarifverträge sind die Arbeitszeiten länger und der Urlaub kürzer - laut Gesetz nur 20 Arbeitstage. Meist gelten die Tarifverträge für ein Jahr oder auch länger. Wenn sie ablaufen, wird über neue verhandelt.

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