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Thomas Jagmann: Foto IG Metall

Kfz-Handwerk: Jüngster Betriebsratsvorsitzender setzt Tarifvertrag durch

"Das ist geil, wenn die Leute hinter einem stehen"

31.03.2011 Ι Thomas Jagmann ist mit 26 der jüngste Betriebsratsvorsitzende im Kfz-Handwerk. Der Youngster hat erfolgreich die Billiglöhne in seinem Betrieb Audi-Zentrum Leipzig wegverhandelt und einen Haustarifvertrag durchgesetzt.

Noch vor wenigen Jahren verdienten junge KFZ-Mechatroniker im Audi-Zentrum Leipzig beschämend wenig. Thomas Jagmann war einer von vielen jungen Kollegen, die nach der Lehre zunächst einmal froh waren, einen Job zu haben. 1300 Euro bekam er brutto, unterm Strich blieben 900 Euro zum Leben.

Nicht mehr die Billigheimer sein
"Finanziell war es verdammt knapp. Ich arbeitete mindestens 42 Stunden in der Woche, hatte nur 24 Tage Urlaub im Jahr. Von Urlaubs- und Weihnachtsgeld konnte ich nur träumen", sagt Jagmann. "Neueingestellte Kollegen hatten alle so schlechte Verträge. Über die Runden kam ich nur, weil ich bei meinen Eltern wohnen konnte."

Dann bekam Jagmann den IG Metall-Tarifvertrag des Kfz-Handwerks Sachsen zu Gesicht und merkte, dass er deutlich unter dem Flächentarifvertrag verdiente. Die Chance auf eine Wende zum Besseren kam, als das Audi-Zentrum Insolvenz anmelden musste und von Volkswagen Retail und später von Audi Retail GmbH (ARG) übernommen wurde. Jagmann und seine Kollegen wollten nicht mehr die Billigheimer sein. Schließlich verdienten die Kollegen in den westdeutschen ARG-Niederlassungen mehr bei kürzeren Arbeitszeiten.

Kurz vor dem Warnstreik
Jagmann und seine Kollegen begannen mit Hilfe der IG Metall den Kampf um einen Tarifvertrag. Die Auseinandersetzung erfolgte beteiligungsorientiert und mitgliederwirksam. Der Organisationsgrad stieg innerhalb kurzer Zeit von wenigen Mitgliedern auf aktuell 70 IG Metaller. Besonders wichtig für die Durchsetzungsfähigkeit war die Gründung eines Betriebsrats. 2009 wurde Jagmann im zarten Alter von 24 Vorsitzender eines fünfköpfigen Gremiums, der die Verhandlungen um einen Haustarifvertrag aufnahm.

Als die Gespräche an der Blockade des Arbeitgebers zu scheitern drohten, drohte die Belegschaft mit Warnstreik. Alles war schon fix und fertig vorbereitet und die Presse vorab informiert. Da knickte der Arbeitgeber ein. Die Einigung sieht vor, dass ab 2013 im Audi-Zentrum Leipzig nach Flächentarifvertrag gezahlt wird. "Bis dahin steigt das Entgelt schrittweise und wir werden in die Verhandlungen zur Einführung der 37-Stunden Woche einsteigen", sagt Jagmann.

Junge Beschäftigte treten ein
"Bei einer Betriebsversammlung wurde unseren Kollegen klar, wie viele Vorteile ihnen ein Tarifvertrag bringen würde. Das hat sie richtig motiviert. Die Mitgliederzahlen stiegen sprunghaft. Und diese Stimmung hält heute noch an", sagt Jagmann. "das ist richtig geil, wenn die hinter einem stehen und man was durchsetzen kann." Die Belegschaft hat nicht vergessen, was sie dem Betriebsrat und dessen Vorsitzenden zu verdanken hat. Im Mai findet die nächste Betriebsratswahl statt und da soll das Gremium von fünf auf sieben Mandate wachsen.

Noch vor wenigen Jahren hätte Jagmann sich nicht träumen lassen, dass er diese Laufbahn einschlagen würde. "Aber irgendwann war die Schmerzgrenze erreicht", sagt Jagmann. Er findet es wichtig, dass junge Kollegen eine Chance bekommen, sich als Interessenvertreter zu beweisen. Gerade in Ostdeutschland treten inzwischen wieder viele junge Beschäftigte in die Gewerkschaft ein, weil sie nur so eine Möglichkeit sehen, von schlechter Bezahlung und prekärer Beschäftigung loszukommen.

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