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Kfz-Handwerk: Erfolge bei Niederlassungen von BMW, Daimler und Iveco. Foto: Siegfried Wenisch

Kfz-Handwerk: Erfolge bei Niederlassungen von BMW, Daimler und Iveco

Wie die IG Metall in NRW Tarifflucht verhindert

13.05.2015 Ι In Nordrhein-Westfalen wollen Kfz-Arbeitgeber Flächentarifverträge unterlaufen. Doch die IG Metall wehrt sich erfolgreich. Bei den Daimler- und BMW-Niederlassungen gilt ein Entgelttarifvertrag mit der neuen Kfz-Fachgruppe des Arbeitgeberverbandes Metall. Möglich wurde der Erfolg durch die entschlossenen und gut organisierten Beschäftigten.

Für Siegfried Wenisch ist die Sache klar: "Unser Bauchgefühl war: Die Arbeitgeber fliehen aus dem Tarifvertrag", sagt der Metaller und Betriebsratsvorsitzende der Mercedes-Niederlassung in Köln.

Wenisch hat eine harte Auseinandersetzung hinter sich. In Nordrhein-Westfalen ist die Situation in der Kfz-Branche besonders schwierig. Mitte 2013 brachen die Arbeitgeber einen Grundsatzkonflikt mit der Gewerkschaft und den Betriebsräten vom Zaun. Die Tarifgemeinschaft der Kfz-Arbeitgeber im Handwerk weigerte sich, mit der IG Metall zu verhandeln. Sie erklärte sich für handlungsunfähig. Das Ziel: Flucht aus den Tarifverträgen.

"Wir standen vor der Wahl", sagt Wenisch. "Entweder wir schließen Haustarifverträge ab, oder wir wehren uns." Die Entscheidung fiel dem Metaller und seinen Kollegen nicht schwer. Sie wollten Entgeltverträge, die über den Einzelbetrieb hinausgehen.

Entschlossene Gegenwehr

Doch wie sollte aus diesem Wunsch Realität werden? Zunächst nutzten die NRW-Metaller Betriebsversammlungen, um auf die drohende Tarifflucht der Arbeitgeber hinzuweisen und die Beschäftigten zu mobilisieren. Es gab Warnstreiks.

Der Durchbruch war aber eine Vollversammlung der Daimler-Betriebsräte in Stuttgart. Siegfried Wenisch hielt dort eine Rede. Seine Botschaft: Wenn Daimler Arbeitskämpfe vermeiden will, dann muss es eine Rückkehr zum Flächentarifvertrag geben.

Dass sich entschlossene Gegenwehr lohnt, beweist die aktuelle Situation in NRW: Daimler und BMW sind der neuen Fachgruppe "Kfz-Dienstleistungen" beim Arbeitgeberverband Metall NRW beigetreten. Die Fachgruppe dient der IG Metall als Verhandlungspartner und bietet jetzt allen Autohändlern und Werkstätten eine verlässliche Tarifstruktur.

IG Metall als ordnende Kraft

Im Januar 2014 trat bei Daimler und BMW ein Entgeltabkommen in Kraft, der zuvor gültige, provisorische Haustarifverträge ersetzt. Mittlerweile ist auch der Nutzfahrzeugbauer Iveco der Fachgruppe beigetreten.

Die IG Metall zeigt sich damit als ordnende Kraft im Verbandschaos der Kfz-Arbeitgeber. Die Zahl der Betriebe, die Mitglied in einer Innung oder einer bindenden Tarifgemeinschaft sind, sinkt - vor allem im Norden und Osten Deutschlands. In Niedersachsen konkurrieren zwei Unternehmerverbände.

In NRW verweigert sich die Innung jeglicher Verhandlung mit der IG Metall. Umso wichtiger ist die neue Fachgruppe "Kfz-Dienstleistungen" beim Metall-Arbeitgeberverband.

Ziel der IG Metall ist es, möglichst viele weitere Kfz-Betriebe zum Beitritt in die Fachgruppe zu bewegen. Siegfried Wenisch und seine Kollegen haben vorgemacht, wie das gehen kann.

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