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Stimmen von der 22. Jugendkonferenz der IG Metall in Willingen

Jugend muss laut sein und für ihre Themen kämpfen

17.04.2015 Ι Die IG Metall Jugend kann so weitermachen, wie in den letzten vier Jahren. Es ist ihr gelungen, die Anzahl ihrer Mitglieder um mehr als 10 Prozent zu steigern und ihre Themen durchzusetzen - auch innerhalb der IG Metall. Dazu hat sie das Recht, auch mal den Älteren auf die Füße zu treten, meint der IG Metall-Vorsitzende Wetzel. Weitere Stimmen der ersten drei Tage der Jugendkonferenz.
"Wir haben gemeinsam in den letzten vier Jahren mit unserer Operation Übernahme und der Revolution Bildung Themen auf die Agenda der gesamten IG Metall gesetzt und zentrale Forderungen in die Tarifrunden eingebracht", bilanzierte Bundesjugendsekretär Michael Schmitzer auf der 22. Jugendkonferenz der IG Metall Willingen. Der Schlüssel hierfür sei die konsequente Beteiligung der Auszubildenden, Studierenden und jungen Beschäftigten, die Ideen, Visionen und Ziele mitgestaltet haben, machte Schmitzer klar. "Was uns auszeichnet ist unsere Solidarität. Was uns von anderen unterscheidet ist das Wir."

Auch mal den Älteren auf die Füße treten

Der Erste Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, sprach von einer "Sensation", dass es der IG Metall Jugend als größtem politischen Jugendverband Europas beispiellos gelungen sei, junge Menschen anzuziehen und zu mobilisieren. "Allen politischen Organisationen läuft die Jugend davon. Doch die Stärke der IG Metall Jugend auf 230 000 Jugendliche angestiegen - also ein Plus von 26 000 Jugendlichen mehr."

Wetzel forderte die jungen Delegierten auf, weiterhin für ihre Themen zu kämpfen - auch innerhalb der IG Metall. "Als junge Gewerkschafterin oder junger Gewerkschafter tritt man auch mal jemandem auf die Füße. Dazu habt Ihr das Recht. Und möglicherweise gehört der Fuß auch mal einem langjährigen Betriebsrat oder einem Hauptamtlichen - oder vielleicht auch mir."

Laut und stark für junge Themen

Das taten die jungen Delegierten dann auch in der Diskussionsrunde mit dem Zweiten Vorsitzenden der IG Metall, Jörg Hofmann. Die Delegierten kritisierten insbesondere, dass die Tarifabschlüsse zur unbefristeten Übernahme und zur Bildungsteilzeit in der Realität oft nicht umgesetzt werden: Immer noch gebe es zahlreiche Betriebe, in denen Azubis nicht oder nur befristet übernommen und die Jugend- und Auszubildendenvertretung übergangen wird. Und oft kümmerten sich Betriebsräte zu wenig um die Aus- und Weiterbildung.

Hofmann gab den Kritikern Recht, wies aber auch darauf hin, dass Tarifverträge eben immer auch in den Betrieben umgesetzt werden müssen. "Wir brauchen bei den Betriebsräten mehr Sensibilität für die Aus- und Weiterbildung. Dafür müsst Ihr als Jugend laut sein."

Für gleiche Chancen auf Bildung

In Sachen Aus- und Weiterbildung nahm Christiane Benner, die als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall für die Jugend zuständig ist, vor allem Arbeitgeber und Politik in die Pflicht. Benner kritisierte vor allem, dass fast 300 000 Jugendliche im letzten Jahr ohne Ausbildungsplatz geblieben sind. "Wir brauchen endlich wieder mehr Ausbildungsplätze statt weniger. Wir brauchen endlich mehr Betriebe, die ihr Engagement erhöhen und endlich auch Hauptschülern einen Ausbildungsplatz anbieten."

Außerdem forderte Benner Zugänge zu Weiterbildung für alle und leichtere Zugänge zum Studium ohne Abitur. "Wir kämpfen für ein Bildungssystem, das echte Chancengerechtigkeit schafft."

Besonders intensiv diskutierten die Delegierten über die Lage von Azubis und jungen Beschäftigten in Betrieben und Branchen, in denen die IG Metall schwach ist, insbesondere im Handwerk. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Azubis und junge Beschäftigte in starken Betrieben ihre Kolleginnen und Kollegen in schwächeren Betrieben solidarisch unterstützen müssen.

Top-Thema für die meisten Delegierten war jedoch die Kampagne "Revolution Bildung" - und wie es damit weitergeht, nachdem das erste Etappenziel, der Einstieg in die Bildungsteilzeit mit dem Tarifabschluss in Metall- und Elektroindustrie Ende Februar geschafft ist. Die Delegierten diskutierten dazu die Qualität an den Berufsschulen, eine neue bessere BAföG-Studienförderung und schließlich auch Festschreibung eines Rechts auf Weiterbildung sowie ein besseres, gerechteres Berufsbildungsgesetz mit einem Recht auf gute Ausbildung mit sicheren Perspektiven für alle als künftige Schwerpunkte der "Revolution Bildung".
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