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Interview mit Jupp Claessen zur Ausbildungssituation im Handwerk

Azubis - Nachwuchs oder Hiwis?

28.05.2013 Ι Viele Handwerksbetriebe suchen Nachwuchs und bieten eine gute Ausbildung, trotzdem gibt es unter den Handwerksbetrieben noch viele schwarze Schafe. Über die Lager der Azubis im Handwerk sprachen wir mit Jupp Claessen, IG Metall-Vertreter und Vizepräsident bei der Handwerkskammer Düsseldorf.

Jupp, auch im Handwerk gibt es Rahmenpläne für eine gute Ausbildung. Doch wie sieht die Realität der Azubis aus?
Jupp Claessen:
80 Prozent der Betriebe bilden gut aus.Doch es gibt eine Menge schwarzer Schafe, die Azubis als billige Hilfskraft missbrauchen. Ein Extremfall war ein Betrieb, der seine Azubis immer nach dem ersten Jahr rauswarf und neue einstellte. Alles in allem hat sich in den letzten Jahren aber viel verbessert. Die Durchfallquote der Azubis ist mit 22 Prozent allerdings noch viel zu hoch.

In welchen Betrieben gibt es denn besonders viele Probleme? Lässt sich das eingrenzen?
Das schwankt sehr stark, je nach Branche und Region. Die meisten Handwerksbetriebe sind klein mit im Schnitt fünf Beschäftigten und ohne Betriebsrat. Er überwacht, ob der Ausbilder den Rahmenplan einhält. Da kommt es dann ganz auf den Arbeitgeber an. Viele Inhaber sind mit Leib und Seele Ausbilder, die Wert auf guten Nachwuchs legen. Aber einige eben nicht.

Was können Azubis in solchen Problembetrieben tun? 
Sie können zur IG Metall vor Ort gehen. Oder direkt den Ausschuss für Ausbildungsstreitigkeiten bei der Handwerkskammer anrufen - was leider viel zu selten passiert. Dann fährt einer unserer Ausbildungsberater in den Betrieb und schaut sich das an. Wenn extreme Verstöße nachweisbar sind, können wir dem Betrieb sogar die Ausbildungserlaubnis entziehen.

Wie können sich Bewerber vorab über Betriebe informieren?
Auch das geht bei der IG Metall oder direkt bei der Handwerkskammer, wo wir Zahlen zu den Durchfallquoten der einzelnen Betriebe haben. Zudem sollten sich Schulabgänger mögliche Betriebe vorab in einem Praktikum anschauen. Das Handwerk hat ja bereits einen Nachwuchsmangel, weil sich zu wenig Jugendliche bewerben.

Warum?
Die Leute wollen Geld verdienen. Das hat das Handwerk bis heute nicht erkannt. In den Betrieben gibt es viel zu wenig gute Tarifverträge. Da sind wir auch als Gewerkschafter gefordert. Wir müssen mehr Azubis als Mitglieder werben und in den Betrieben mehr Jugend- und Auszubildendenvertretungen gründen, damit es besser wird.

Links und Zusatzinformationen
Azubot_Jugendliche
azubot - Plattform für Jugendliche

"azubot" zeigt kurze Filme über Aus- bildungsberufe. Außerdem gibt es hier Infos zur Ausbildung, Anzeigen freier Lehrstellen, ein Forum und ein Chat zur Kommunikation untereinander.