IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     

Eric Leiderer: Revolution Bildung - im Zentrum stehen Geld und Zeit

"Alle Kraft in die Betriebe"

03.06.2014 Ι Ein Jahr nach dem Start der Kampagne "Revolution Bildung" hat die IG Metall-Jugend ihre Forderungen konkretisiert. Jetzt gilt es, in der "betrieblichen Offensive den Grundstein für eine tarifliche Forderung zu legen", sagt IG Metall-Bundesjugendsekretär Eric Leiderer im Gespräch.

Es ist jetzt etwa ein Jahr her, seit dem Start der Kampagne "Revolution Bildung". Worum geht es aktuell?

Eric Leiderer: Inzwischen haben wir unsere Forderungen zur Kampagne "Revolution Bildung" konkretisiert. Jetzt gilt: "Alle Kraft in die Betriebe". Wir wollen in unserer betrieblichen Offensive den Grundstein für eine tarifliche Forderung legen. Dazu braucht es den Konsens, den wir auf dem Bildungskongress Ende März erarbeitet haben - denn nur gemeinsam können wir etwas bewegen. Daneben haben wir noch das "Netzwerk für gute Bildung" ins Leben gerufen, bei dem wir Kooperationen mit anderen Bildungsinitiativen suchen, die unser Verständnis von guter Bildung teilen. Wenn man in Zukunft auf den Kampagnenverlauf zurückblicken wird, werden die Ergebnisse aus Stuttgart eine wichtige Rolle einnehmen, da bin ich mir sicher.

 

Was erwartet die Arbeitgeber bei der "betrieblichen Offensive"?
Die Bundesregierung geht davon aus, dass bis 2025 sechs Millionen Fachkräfte fehlen werden. Die Arbeitgeber erwarten auf lange Sicht also eine unvorstellbare Katastrophe. Aber wir machen Revolution Bildung, damit es nicht dazu kommt. Und mit unseren zukunftsfähigen Forderungen zu Bildung und Weiterbildung werden wir das Schlimmste zu verhindern wissen. Es kann nicht sein, wie neulich in einer Studie des Arbeitsministeriums zu lesen war, dass bei solchen Aussichten nur jeder siebte Personalplaner länger als drei Jahre im Voraus plant. Das ist der Grund, warum so wenig in die Aus- und Weiterbildung der jungen Generation gesteckt wird. Dass muss ein Ende haben. Wenn wir jetzt gemeinsam aufstehen, wollen wir die Arbeitgeber aus ihrem Winterschlaf rausholen.

 

Kannst Du zu den hier thematisierten Forderungen einige Worte sagen?

Im Zentrum der tariflichen und gesellschaftlichen Forderungen von Revolution Bildung stehen "Zeit" und "Geld": Eine finanzierte Bildungszeit. Die Freistellung und Finanzierung für die Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen sind das Kernelement unserer betrieblichen Forderungen. Zusätzlich besteht ein großer Wunsch nach Weiterbildung. Das könnten wir mit einer Novellierung, also Verbesserung, des Berufsbildungsgesetzes angehen, aber auch eine gesetzlich gesicherte Weiterbildungsregelung ist denkbar. Diese Ansätze werden durch unsere Beschäftigungsumfrage bestätigt. Dazu zählt auch die Forderung nach einer neuen Studienförderung, die das bisherige BAföG ablöst. Hier hat die große Koalition bisher noch nichts hingekriegt. Die Forderungen zeigen, dass wir Bildung vom Betrieb über eine tarifliche Regelung bis zur gesetzlichen Festschreibung denken. Bildung ist ein gesamtgesellschaftliches Thema - und die IG Metall Jugend hat als größte politische Jugendorganisation Deutschlands gesellschaftspolitische Relevanz.

 

Beim Bildungskongress wurde der Grundstein für ein "Netzwerk für gute Bildung" gelegt. Wie sehen hier die nächsten Schritte aus?

Bildung ist seit jeher ein Kernanliegen der Gewerkschaften - es gibt aber viele Menschen, die Bildung - wie wir - "besser" machen wollen. Wenn sich jemand dafür einsetzt, dass Bildung zu Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität befähigen muss und nicht nur zu einer Berufsqualifikation führen soll - dann ist sie oder er im Netzwerk herzlich willkommen. Gemeinsame Aktionen in der Region sind schon angesprochen worden und bleiben ein heißes Thema. Wir stehen hier noch am Anfang. Aber das erste Treffen war sehr viel versprechend: Da wird es definitiv bald Neuigkeiten zu vermelden geben.

 

Könntest du uns Deine Vision einer guten Bildung schildern?

Es ist eine gewerkschaftliche Vision: Die Vision, dass die junge Generation gute und gerechte Bildung zu einem Grundsatz macht. Und zwar in einer breiten Bewegung. Einer Jugendbewegung, die sich nichts gefallen lässt, sondern den Mund aufmacht, wenn es gegen ihre Überzeugung geht, die mit einer überzeugenden Strahlkraft aus den Betrieben in die Gesellschaft wirkt und dort begeistert: Gute Bildung ist möglich! Menschen sollen befähigt werden, selbstbestimmt an demokratischen Prozessen teilzunehmen - wie hier auf dem Kongress geschehen. Denn es zählt der Mensch - nicht der Profit. Es ist die Vision, dass Bildung, unabhängig von der Zeit finanziert wird - für alle.

 

Am 27. September ist der große Aktionstag der IG Metall Jugend. Warum muss man dort unbedingt hinkommen?

Da fallen mir sofort zwei gute Gründe ein: Die Aktionstage der IG Metall Jugend sind etwas ganz Besonderes. Wer einmal dabei war, kann das bestätigen: Das muss man erlebt haben! Der zweite Grund ist der eigentliche Grundgedanke dieses Tages: Wir brauchen jede Hand, jede Stimme, jede und jeden Einzelnen vor Ort, um Bildung besser und gerechter zu machen. Das in Köln wird eine revolutionäre und richtungweisende Kundgebung werden. Wir werden die Revolution Bildung durch die Republik tragen - an solchen Tagen wird Geschichte geschrieben.

Links und Zusatzinformationen
Mit Tarifvertrag geht's gerechter zu:

beim Entgelt, beim Urlaub, bei der Arbeitszeit - und es gibt Rechtsschutz. Aber: Nur Mitglieder haben einen Anspruch darauf.