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© Frank Rumpenhorst

Christiane Benner im Interview

Gute Grundlagenausbildung ist weiterhin entscheidend

31.08.2018 Ι Auf viele Auszubildenden kommen wegen der technischen Veränderungen neue Lerninhalte zu. Jugend- und Auszubildendenvertreter Korbinian Hitthaler fragt die Zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, wie Beschäftigte das meistern können.

Viele junge Menschen beginnen in der nächsten Zeit ihre Ausbildung und finden dann zur Gewerkschaft. Wie kamst Du zur IG Metall, Christiane?

Christiane Benner: Ich habe Fremdsprachenkorrespondentin gelernt und eine kaufmännische Ausbildung in einer Darmstädter Maschinenbaufirma gemacht. Dort habe ich für die Jugend- und Auszubildendenvertretung kandidiert und bin schließlich in dem Gremium Vorsitzende geworden. Es gab damals in der Firma rund 300 Auszubildende - da kommt man an der IG Metall einfach nicht vorbei. Und das ist sehr gut so.


Was hat Dich als Auszubildende an der IG Metall begeistert?

Die gegenseitige Unterstützung. Ich finde das Netzwerk innerhalb der Gewerkschaft unglaublich gut. Einen richtigen Narren gefressen an der IG Metall habe ich dann, als ich die Ausbildungen der kaufmännischen Berufe neumitordnen konnte. Einfach mitmachen können, die Ausbildungsqualität verbessern - das fand ich faszinierend.


Ich mache derzeit ein duales Studium für Elektro- und Informationstechnik bei der Voith Group in Heidenheim. Gab es so etwas damals schon?

Das duale Studium gab es, allerdings längst nicht in dieser Breite wie heute. Viele Unternehmen wünschen sich verstärkt junge Leute mit Praxiserfahrung und gleichzeitig akademischem Abschluss.


Beim dualen Studium gibt es viele unterschiedliche Modelle. Wie schätzt Du diese Entwicklung ein?

Das duale Studium entwickelt sich zu einer normalen Ausbildungsform. Wir brauchen daher für dual Studierende unbedingt tarifliche Regelungen zum Beispiel bei Übernahme, Arbeits- und Entgeltbedingungen. Wir haben, gemeinsam mit dem Bezirk Baden-Württemberg und der studentischen Vertretung an der Hochschule, eine Studie zum dualen Studium erstellt. Ein wesentliches Ergebnis ist: Die Lernorte Betrieb und Hochschule müssen besser aufeinander abgestimmt werden. Dafür kämpft die IG Metall seit Jahren. Auch aus diesem Grund haben wir das Thema auf die tarifpolitische Agenda gesetzt.


Bei mir läuft es gut im Betrieb und in der Schule, dennoch können sich schon kleine Probleme auf die Ausbildung auswirken. Die Anforderungen steigen im Zuge der Digitalisierung für die Beschäftigten ja auch noch.

Das stimmt. Durch eine stärkere Vernetzung, den internationalen Wettbewerbsdruck und die Globalisierung ist die Veränderungsgeschwindigkeit hoch geworden. Das spiegelt sich auch in den Ausbildungsordnungen wider. Ein Teil der industriellen Metall und Elektroberufe haben seit dem 1. August neue Ausbildungsinhalte wie Datenschutz und Informationssicherheit dazubekommen. Die IG Metall gestaltet die Ausbildungsordnungen mit. Wir sorgen dafür, dass sie zeitgemäß sind.


Ich finde es ganz wichtig, dass die Auszubildenden genauso wie die Ausbilder geschult werden, damit sie auf die Veränderungen und Herausforderungen ausreichend vorbereitet sind. Wie siehst Du das?

Junge Menschen brauchen weiterhin erst einmal eine gute Grundlagenausbildung. Das ist die Basis. Mathematik bleibt Mathematik. Davon ausgehend müssen wir die Veränderungen angehen: Betriebe und Ausbilder müssen sich für die Digitalisierung rüsten, auch die Berufsschulen brauchen eine bessere technische Ausstattung.


Wie bereiten sich Auszubildende am besten auf solche Veränderungen vor?

Indem sie neben dem reinen Fachwissen auch andere Fähigkeiten lernen. Die Anforderungen an Beschäftigte verändern sich immer schneller und werden vielfältiger. Man muss den Kunden zuhören, um ein auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittenes Produkt erstellen zu können - egal ob es ein Auto oder Software für Maschinensteuerung ist. Für Auszubildende ist deshalb interdisziplinäres Wissen wichtig. Nur damit können sie später innovative und nachhaltige Lösungen entwickeln. Und nur so findest Du Dich in der Informationsflut zurecht.


Wie kann man interdisziplinäres Wissen in der Ausbildung erwerben?

Interdisziplinäres Wissen kann man sich in der Ausbildung zum Beispiel aneignen, indem man Projekte über Ausbildungsberufe hinweg gemeinsam umsetzt. Für ihre Abschlussprüfungen lernen Auszubildende auch Teamarbeit oder Präsentationstechniken. Metallerinnen und Metaller stärken sie aber auch von Anfang an darin, ihren eigenen Arbeitsplatz mitzugestalten. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung muss der Mensch im Mittelpunkt stehen. Wir wollen uns nicht der technischen Entwicklung unterwerfen.


Die Digitalisierung löst bei einigen Beschäftigten Ängste aus. Wie lassen sich solche Veränderungen bewältigen?

Indem wir sie konkret angehen. Die Vorgesetzten müssen sich im Betrieb mit den Auszubildenden anschauen, was sich verändert und wie dies gestaltbar ist. Die Veränderungen sind ja letztlich menschengemacht. Ich glaube zutiefst an die Gestaltungskraft und den Solidaritätsgedanken der Beschäftigten. Wenn wir uns zusammentun und überlegen, wie wir die Veränderung für den Menschen gestalten, für eine lebenswertere Zukunft, dann geht das gut.


Wie nehmen wir alle mit?

Indem wir den Beschäftigten ganz konkret sagen, was die Transformation mit ihrem Arbeitsplatz und mit ihrer persönlichen Lebenssituation zu tun hat. Wir brauchen ein positives Bild davon, wo es hingeht, und müssen aufzeigen, dass die Veränderungen gestaltbar sind. Das hängt aber auch von unserer Kraft als IG Metall ab und wie ernst wir von den Arbeitgebern genommen werden. Daher ist es gut, dass sich auch immer mehr Auszubildende und dual Studierende in der IG Metall organisieren und sagen: Ich will, dass meine Beschäftigungssituation geregelt ist und wir nicht alles persönlich aushandeln müssen. Unser Job als IG Metall ist es, gute Standards für alle Beschäftigten zu schaffen.

 

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