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Verheerende Bilanz des Ausbildungspakts 2013

Arbeitgeber bilden immer weniger aus

30.10.2013 Ι 504 000 Ausbildungsstellen hat die deutsche Wirtschaft im Ausbildungsjahr 2012/13 angeboten - ein Rückgang um 2,4 Prozent. Nur 52 Prozent der Bewerber hat einen Ausbildungsplatz gefunden. Haupt- und Realschüler bekommen kaum eine Chance. Und nur ein Fünftel der Betriebe bildet überhaupt aus. Dies ist die verheerende Bilanz des "Ausbildungspakts".

"Die Situation am Ausbildungsmarkt  in Deutschland entwickelte sich 2012/2013 ungünstiger als in den beiden Vorjahren", bilanziert die Bundesagentur für Arbeit trocken. Die Schönrederei des sogenannten "Ausbildungspakts" von Wirtschaft und Bundesregierung ist offenbar vorbei. Eigentlich hat sich die Wirtschaft mit dem Ausbildungspakt dazu verpflichtet, jedem Ausbildungsbewerber ein Angebot zu machen - auf freiwilliger Basis, versteht sich - und dadurch dem Fachkräftemangel zu begegnen. Das Gegenteil ist nun passiert: Nur noch 21,7 Prozent aller Betriebe bildet überhaupt aus. Das Ausbildungsangebot ist gegenüber dem Vorjahr um 12 600 Ausbildungsplätze auf 504 000 Ausbildungsplätzen gesunken. Dem standen 561200 Bewerber gegenüber.

 

Nur die "Besten" erhalten eine Chance

Doch die rechnerische Lücke zwischen Angebot und Nachfrage ist nur theoretisch. Tatsächlich haben es lediglich 52 Prozent der Bewerber in eine echte Ausbildung geschafft. Die übrigen müssen sehen, wie sie weiterkommen: 17 Prozent versuchen nun, ihre Chancen weiter zu verbessern, indem sie weiter zur Schule gehen, studieren oder Warteschleifen etwa in sogenannten berufsvorbereiten Bildungsmaßnahmen drehen. Weitere fünf Prozent haben eine Arbeit aufgenommen. 83 000 Bewerber jedoch stehen komplett mit leeren Händen da. Dazu kommen 270 000 unversorgte Bewerber aus den vorigen Jahren. Auf der anderen Seite blieben 33 500 Ausbildungsstellen im Ausbildungsjahr 2012/13 unbesetzt.


Die Arbeitsagentur erklärt dieses Missverhältnis damit, dass Ausbildungsplätze und Bewerber "berufsfachlich, qualifikatorisch und regional" nicht zusammenpassen.

Tatsächlich jedoch sind Arbeitgeber nach wie vor nicht bereit, Schulabgängern mit weniger gutem Abschluss eine Chance zu geben. Eine aktuelle Umfrage der DGB-Jugend Hessen hat etwa ergeben, dass 75 Prozent der unversorgten Bewerber sogar einen Realschulabschluss haben. In Ostdeutschland nehmen viele Betriebe grundsätzlich seit Jahren nur Abiturienten, obwohl die Zahl der Bewerber aufgrund des Geburtenrückgang massiv abgenommen hat. Nach Zahlen der IG Metall sind rund die Hälfte der Jugendlichen mit niedrigen Bildungsabschlüssen quasi von der betrieblichen Berufsausbildung ausgeschlossen.


"Die Arbeitgeber müssen von ihrem hohen Ross runterkommen. Ausbildung ist dazu gedacht, jungen Menschen eine Beruflichkeit zu vermitteln, nicht fertig ausgebildete Menschen auf einen Job anzutrainieren", macht der Bundesjugendsekretär der IG Metall, Eric Leiderer klar. "Wer sich dieser Aufgabe nicht kontinuierlich stellt, wird im Bedarfsfall keine qualifizierten Arbeitnehmer haben. Die Frage ist also nicht die nach der Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen, sondern die nach der Ausbildungsfähigkeit der Betriebe."

 

IG Metall fordert Fachkräfteinitiative und Rechtsanspruch auf Ausbildung

Statt sich weiter zu feiern, müssten Politik und Wirtschaft den Ausbildungspakt beenden und eine Fachkräfteinitiative mit den Gewerkschaften starten, fordert Hans-Jürgen Urban, der als geschäftsführendes Vorstandsmitglied für Berufsbildung zuständig ist. Ziel dieser Fachkräfteinitative müsse sein, Jugendliche und junge Erwachsene auszubilden und zu fördern.


"Deutschland hat weniger einen Fachkräftemangel als vielmehr einen Ausbildungsmangel. Wir haben hierzulande ein enormes ungenutztes Fachkräftepotential", kritisiert Urban. "Aber Betriebe müssen allen Jugendlichen eine Chance geben. Eine Auswahl von neuen Auszubildenden sollte darauf ausgerichtet sein, die 'Richtigen' für einen Beruf zu finden und nicht die mit den besten Noten."


Dazu gehöre eine bessere und bedarfsorientierte Förderung für Jugendliche mit niedrigen Schulabschlüssen, stellt der Gewerkschafter fest. Diese müsse bereits bei der Ausbildungsplatzsuche ansetzen und sich in der Ausbildung fortsetzen. Die ausbildungsbegleitenden Hilfen der Bundesagentur für Arbeit müssten als erweitertes Regelangebot mit assistierter Ausbildung ausgebaut werden. Zudem müssten alle Jugendliche mit einem Schulabschluss einen Rechtsanspruch auf eine mindestens dreijährige Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf erhalten.

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