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Ausbildungsmarkt 2013: Schlechte Perspektiven für Jugendliche

IG Metall fordert Ausbildungsgarantie

13.12.2013 Ι Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist im Jahr 2013 erneut gesunken. Weniger als 22 Prozent der Betriebe bilden aus. Wir haben keinen Mangel an Fachkräften, sondern einen Mangel an Auszubildenden, sagt die IG Metall und fordert einen Rechtsanspruch auf Ausbildung.
Die Unternehmen bilden immer weniger aus. Im Jahr 2013 waren es nur noch 21,7 Prozent der Betriebe. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Jahr ist erneut um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf einen neuen Tiefstand gesunken. Nur noch 530 715 Jugendliche haben einen Ausbildungsplatz gefunden. Das ist die verheerende Bilanz, die das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) heute im "Parlament der Berufsbildung", dem BIBB-Hauptausschuss, in Bonn präsentierte.

Tiefstand bei Ausbildungsplätzen seit der deutschen Einheit

Damit ist ein neuer Tiefstand bei den Ausbildungsplätzen erreicht. Der "Ausbildungspakt" ist offenbar gescheitert. Denn mit diesem Pakt hatten sich Wirtschaft und Bundesregierung dazu verpflichtet, jedem Bewerber ein Angebot zu machen - auf freiwilliger Basis, versteht sich, um dadurch dem Fachkräftemangel zu begegnen. "Die Betriebe klagen, sie fänden keine Fachkräfte. Gleichzeitig tun sie aber zu wenig für die Ausbildung junger Menschen. Das passt nicht zusammen", kritisiert Thomas Ressel, der für die IG Metall im Parlament der Berufsbildung sitzt.



Rund 267 000 Jugendliche drehen "Warteschleifen" in sogenannten berufsvorbereiten Bildungsmaßnahmen, die ihnen jedoch für ihre berufliche Entwicklung kaum etwas bringen. Etwa 25 Prozent von ihnen haben einen mittleren, über 50 Prozent einen Hauptschulabschluss.

Angesichts der aktuellen Daten ist es absurd, wie Arbeitgebervertreter im Parlament der Berufsbildung die Lage immer noch beschönigen: Schulabgänger nutzten nicht die Chancen, es gäbe freie Plätze. Dass bei bestimmten Ausbildungsberufen die Arbeitsbedingungen und beruflichen Perspektiven oftmals schlecht sind - das verschweigen die Arbeitgeber allerdings gerne.

Betriebe in die Verantwortung nehmen

Deutschland hat weniger einen Fachkräftemangel als vielmehr einen Ausbildungsmangel. Die IG Metall fordert von der Regierung, endlich die Betriebe in die Verantwortung zu nehmen. Alle Jugendlichen mit Schulabschluss müssen einen Rechtsanspruch auf eine mindestens dreijährige Berufsausbildung erhalten. "Statt Schönrederei des Ausbildungspaktes brauchen wir eine gesetzliche Ausbildungsgarantie für jeden Jugendlichen", fordert Thomas Ressel.

Viele Bundesländer haben jetzt angefangen, den Übergang von der Schule in den Beruf umzubauen. Vorbild ist das Hamburger Ausbildungsmodell. Nach diesem Modell können Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden, ihre Ausbildung im ersten Jahr schulisch absolvieren und wechseln dann in eine betriebliche oder staatlich geförderte Ausbildung.

"Das ist im Prinzip ein richtiger Ansatz, um unnötige Warteschleifen zu vermeiden", meint der Gewerkschafter Ressel. Allerdings berge ein solches Modell die Gefahr, dass sich Firmen noch mehr aus der Verantwortung stehlen. Die Betriebe müssen eine solche Form der Ausbildung zukünftig finanzieren. Nur so besteht für sie der Anreiz, selbst auszubilden. Schließlich profitieren die Unternehmen von gut ausgebildeten Fachkräften - deshalb ist es nur gerecht, wenn sie die Ausbildung auch bezahlen.
Links und Zusatzinformationen
Parlament der Berufsbildung

Der Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wird auch als "Parlament der Berufsbildung" bezeichnet. Er ist das oberste des BiBB-Gremium und hat die gesetzliche Aufgabe, die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Berufsbildung zu beraten. Dem Ausschuss gehören zu gleichen Teilen Vertreter der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer, der Länder und des Bundes an.