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Neue Zeiten, neue Fragen

"Ich will nicht nur eine Nummer sein"

16.01.2014 Ι Elisabeth Angerer ist eines der Gesichter unserer "Was mich bewegt"-Aktion. Früh hat sie angefangen, Zukunft zu gestalten - und nicht einfach hinzunehmen, was gegeben scheint. Für sich. Für andere. Gemeinsam.

Die junge Frau aus Peiting in Bayern kniete sich gerade in ihr Ausbildung zur Technischen Zeichnerin als die Jugend- und Auszubildendenvertreter auf sie zukamen: "Wir hören bald auf, Elli. Wir suchen Nachfolger. Willst du dich nicht engagieren?" Kurz darauf, nach dem sie zögerte, dann aber zusagte, war auf einmal von "Finanzkrise " die Rede. "Viele hatten Zukunftsängste", erinnert sie sich. "Dass sie beispielsweise nach der Ausbildung nicht übernommen werden, weil sie sich nicht einfach mit irgendeinem blöden und unterbezahlten Job zufrieden geben wollen." Elli hatte durch ihre neue Aufgabe Kündigungsschutz.

 

Aus der Sorge wurde Ernst. Viele mit befristetem Arbeitsvertrag mussten die Firma verlassen. "Mir hat man gesagt: ,Frau Angerer, sie sind immer für Solidarität, dann seien sie auch mit ihren Kolleginnen und Kollegen solidarisch und verzichten auf ihre unbefristete Übernahme'". Die Worte zeigten Wirkung. "Solidarität ist, dafür zu kämpfen, dass alle bleiben können", sagt die 26-Jährige. Unter anderem für die "Operation Übernahme" ist sie mit Tausenden anderen auf die Straße gegangen. Erfolgreich, durch den erkämpften Tarifvertrag werden in der Metall- und Elektroindustrie seit Mai 2012 alle Ausgebildeten übernommen.

 

 

Kurz nach ihrer Wahl in die Jugend- und Auszubildendenvertretung ist sie auch in die IG Metall eingetreten. "Anders hätte ich die Aufgabe kaum hinbekommen. Schon allein, weil ich mir über Seminare viel Wissen aneignen musste." Vier Jahre später, mit 22 Jahren, wurde sie Betriebsrätin. Heute studiert sie in Hamburg Sozialökonomie. "Der Job hatte mich nicht mehr gefordert, und ich wollte mich verändern", sagt sie. In der IG Metall ist sie immer noch. Ihre neue Verwaltungsstelle Hamburg biete Studenten gute Möglichkeiten, sich weiter zu engagieren. Momentan ist sie Referentin für Jugendbildung und im "Arbeitskreis Studierende" tätig, in dem Mitglieder organisiert sind und sich gegenseitig zu unterstützen.

 

"Menschen brauchen auch mal Zeit, um sich selbst zu finden", sagt Elli. Um sich und den eigenen Weg zu reflektieren. Um zu reflektieren, was wirklich glücklich macht. Bevor die Familienplanung kommt. Bevor der Vermögensberater mit Aktentasche und Formularen am Tisch sitzt. "Viele wollen einfach mit ihrem Rucksack ein Jahr nach Australien oder Thailand." Und danach vielleicht ihre alte Stelle mit Überzeugung wieder aufnehmen können. Auch für solche Auszeiten, für den Übergang in das Berufsleben, wünsche sie sich eine starke Gemeinschaft und mehr Toleranz. Eben, dass geforderte Flexibilität keine Einbahnstraße ist.

 

Daneben müsse sich die rückständige Führungskultur in den Unternehmen ändern. "Man muss beispielsweise den Beschäftigten auch für Dinge, die selbstverständlich sind, Wertschätzung entgegenbringen", sagt sie. Wenn Wertschätzung nur Spitzenkräften zuteil wird, ist klar, dass die meisten leer ausgehen. Das demotiviert. Nicht jeder kann Spitzenkraft sein. Trotzdem steuert jeder etwas bei. Das zu erfahren sei wichtig, um Zugehörigkeit zu empfinden. Eine flache Hierarchie oder ein toll klingender Titel in der E-Mail-Signatur können Wertschätzung nicht ersetzen. "Oft reicht doch schon ein gutes Wort des Chefs", sagt Elli.

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Elisabeth Angerer

"Ich war noch nie jemand, der gern im Alleingang unterwegs ist. Je größer eine Gruppe mit gemeinsamen Interessen, desto mehr kann man erreichen - und desto mehr Spaß hat man."