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ITK-Symposium der IG Metall: Experten diskutieren über Potenzial in der IT-Branche

ITK-Symposium der IG Metall: Experten diskutieren Potenzial der ITK-Branche

Zu wenig in Bits und Bytes gedacht

20.06.2013 Ι Werden der Maschinen- und der Automobilbau auch in Zukunft die Konjunktur am Laufen halten? Das hängt davon ab, ob Unternehmen und Politik die strategische Bedeutung der Informationstechnologie begreifen. Die Antwort mag überraschen - und genau das ist das Problem.

"Wir sind beim traditionellen Engineering weltweit führend", sagt Dieter Rombach. "Wenn wir das mit der ITK zusammenführen, dann ist mir um Arbeitsplätze in den nächsten zehn Jahren nicht bange". Der Experte vom Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) spricht morgen mit zahlreichen anderen Experten auf dem ITK-Symposium der IG Metall über die Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg in allen Wirtschaftszweigen. Eine drängende Diskussion. Denn Politiker sowie die Entscheidungsträger der altehrgedienten Branchen wie dem Maschinenbau haben anscheinend noch nicht gänzlich verstanden, welches Potenzial in der Informationstechnologie, in Unternehmens- und Produktionssoftware steckt. Das muss sich ändern, sagt die IG Metall. Bits und Bytes sind längst ein entscheidender Wirtschafts-Treibstoff. Wer ihn nicht nutzt, wird abgehängt.

ITK-Kompetenz konsequent aus- und aufbauen

Oder wie Dieter Rombach es ausdrückt: "In einigen Branchen sind wir an der Spitze einer Rolltreppe. Aber wenn wir einfach stehen bleiben, dann fahren wir nach unten." Langfristig würden sich Arbeitsplätze in Deutschland nur halten lassen, wenn konsequent ITK-Kompetenz aus- und aufgebaut wird. Müssen wir dafür in Zukunft alle Informatiker werden? "Nein", winkt der Institutsleiter ab. "Aber trotzdem müssen wir schon in den Schulen damit anfangen, ITK effizient zu nutzen." Im globalen Wettbewerb setzen sich die innovativsten Unternehmen durch. Das macht zum einen versierte Köpfe notwendig.

Zum anderen macht es ein Umfeld nötig, das nachhaltige Innovationen auch zulässt. Was darunter für die ITK-Branche zu verstehen ist? Zweierlei, wie der Professor für Software Engineering erklärt: "Für eine Region bedeutet Nachhaltigkeit, durch Bereitstellung innovativer IKT-Kompetenzen nicht nur attraktiv für Neuansiedlungen zu werden, sondern Firmen auch langfristig zu binden. Für eine Firma bedeutet Nachhaltigkeit, mit immer wieder aktualisierten IKT-Kompetenzen im globalen Wettbewerb bestehen zu können."

"Software ist der Enabler für den Geschäftserfolg"

Unter anderem letztere Firmen berät Rombach über IT-Strategien. Noch nicht alle hiesigen Großkonzerne hätten die strategische Bedeutung von Software erkannt. Vielleicht weil viele Vorstandsmitglieder aus dem Maschinenbau kommen. "Momentan ist es noch so, je sicherheitsrelevanter IT für eine Firma ist, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt sie", hat er die Erfahrung gemacht. Das muss sich dringend ändern. "Software ist der Enabler (Anm. Red.: Ermöglicher) für den Geschäftserfolg", lässt Rombach keinen Platz für abwartende Haltungen. "Und das gilt für alle Branchen."

Kleinere Unternehmen würden sich da schneller anpassen. Für sie sind pfiffige IT-Ideen ein entscheidendes Alleinstellungsmerkmal. "Ein Schnellboot versinkt schnell", sagt Rombach. "Ein Flugzeugträger langsam."

Software-Cluster als Vorbild 

Kürzlich zog Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) nach einer Reise ins Silicon Valley die Aufmerksamkeit der Branche auf sich. "Unser Ziel ist es, dass Deutschland bis 2020 bei der Informations- und Kommunikationstechnologie zu den führenden drei Nationen gehört", sagte Rösler am Ende seines viertägigen Besuchs. Ein ehrgeiziges Ziel. Ein Vorbild für ein fruchtbares Umfeld könnte der Sogenannte Software-Cluster im Südwesten Deutschlands sein. Rund um die Zentren Darmstadt, Karlsruhe, Saarbrücken, Walldorf und Kaiserslautern arbeiten Forschungseinrichtungen, Universitäten und Unternehmen eng zusammen. Gemeinsam entwickeln sie Unternehmenssoftware der Zukunft, was auch jungen Startups Perspektiven bietet und sich konjunkturell überaus bemerkbar macht. Dafür wurde der Software-Cluster bereits von der Bundesregierung ausgezeichnet.

Mehr Gewicht auf Querschnitts-Branchen

Insgesamt gehe die ITK-Strategie der Bundesregierung in die richtige Richtung, sagt Rombach. Aber eines werde ganz allgemein nicht genügend berücksichtigt. "Mehr als 80 Prozent passiert in den Querschnitts-Branchen Medizin, Automobilzulieferer, Banken und so weiter." Dort würden die größten Zukunftschancen liegen. "Die Automobilindustrie ist bei uns groß geworden, weil wir unter anderem die beste Produktionstechnik hatten." Das müsse auf die Software übertragen werden. "Wir brauchen jetzt die beste Prozesstechnik, um in allen Bereichen intelligente Produkte herzustellen. Sonst könnte man sie auch in Indien produzieren."

Ein Hemmnis sollte sich ablegen lassen. "Momentan hapert es noch ein wenig an unserem Selbstvertrauen", sagt Rombach und macht deutlich, dass Wirtschaft und Politik ihr Glück in den eigenen Händen halten. "Wenn wir IT und Engineering stärker zusammenführen, kann eigentlich nichts passieren."

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Prof. Dieter Rombach
Dieter Rombach

ist seit 1996 Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (FhG IESE). Daneben ist er als Berater für verschiedene europäische und amerikanische Unternehmen und Behörden tätig.

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