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Interview mit Wilhelm Segerath, Gesamtbetriebsratsvorsitzender ThyssenKrupp Steel AG

Interview mit Wilhelm Segerath, Gesamtbetriebsratsvorsitzender ThyssenKrupp Steel AG

Arbeitsplätze sind keine Spekulationsobjekte

21.04.2010 Ι "Wir lassen nicht zu, dass unsere Zukunft in den Casinos der Spekulanten verspielt wird", kündigt Wilhelm Segerath, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats ThyssenKrupp Steel AG an. Im Interview erklärt er, warum stabile Rohstoffpreise wichtig sind und wie es nach dem Aktionstag am 22. April 2010 weitergeht.

Die Stahlindustrie kommt langsam aus der Krise. Trotzdem plant ihr nun einen europaweiten Aktionstag am 22. April 2010. Warum?
Ob wir wirklich aus der Krise herauskommen, da bin ich mir gar nicht sicher, weil diejenigen, die das derzeit proklamieren, die gleichen sind, die die Krise verursacht haben. Ich stelle fest, die Ursachen der Krise sind von Wirtschaft und Politik nicht analysiert. Die Banken machen auf den deregulierten Märkten weiter wie bisher und gefährden unsere Arbeitsplätze. Deshalb führen wir den europaweiten Aktionstag in Duisburg, am 22. April 2010, um 11.55 Uhr (5 vor 12!) durch, denn wir Stahlarbeiter wollen nicht, dass unsere Arbeitsplätze an der Börse und auf dem Finanzmarkt verzockt werden. Darum fordere ich alle auf, uns an diesem Tag in Duisburg zu unterstützen.

Warum sind stabile Rohstoffpreise gerade für die Stahlindustrie so wichtig?
Wenn in Zukunft Rohstoffe und damit meine ich alle Rohstoffe, insbesondere für die Stahlindustrie Kohle und Eisenerz ähnlich wie Immobilien an der Börse und auf dem Finanzmarkt zu spekulativen Objekten werden, gefährdet das die industrielle Wertschöpfungskette in BRD und in Europa nachhaltig. Spekulative Derivatgeschäfte, Leer-Geschäfte, Wetten auf Börsenkurse, Wetten auf Staatspleiten (Griechenland) und in Zukunft Wetten auf Rohstoffpreise sind für mich kriminelle Akte, die die Politik verbieten muss. Wir brauchen Planungssicherheit für das Produkt, für die Kunden und für unsere Arbeitsplätze.

Der Gesamtbetriebsrat fordert im Duisburger Appell, dass die Politik entschieden gegen weltweite Rohstoffspekulationen vorgeht. Was genau sind eure Forderungen?
Wir wollen, dass die Politik die Ursachen für die noch bestehende Finanzkrise - die Banken machen weiter wie bisher - analysiert und damit die industrielle Wertschöpfungskette der Bundesrepublik und Europa mit dem Leitwerkstoff Stahl nachhaltig erhalten bleibt und somit auch unsere Arbeitsplätze als Existenzgrundlage eine Zukunft haben. Unsere Forderungen sind gerichtet an Angela Merkel und Jose Manuel Barroso, weil die nationale Regierung mit klaren Regeln auf dem Finanzmarkt und für die Börse vorangehen muss und die industrielle Wertschöpfungskette genauso systemrelevant ist, wie die Banken, insbesondere für den Zusammenhalt einer demokratischen Gesellschaftsstruktur. Deshalb benötigen wir ein abgestimmtes Rostoffkonzept zwischen Politik, Wirtschaft und IG Metall auf nationaler und europäischer Ebene.

In Nordrhein-Westfalen hat die Landesregierung in einem Gespräch Anfang April bereits Unterstützung zugesagt. Wie soll denn diese Unterstützung aussehen?
Ich habe es so verstanden, dass der derzeitige Ministerpräsident von NRW seine Wirtschaftsministerin beauftragt hat, ein Rohstoffkonzept mit der IG Metall in unserem Sinne zu entwickeln, in Zusammenarbeit mit Politik, Wirtschaft und IG Metall. Diese Erkenntnis halte ich für einen guten Anfang und sie muss über den Landtagswahlkampf hinaus strahlen.

Wie geht es nach dem Aktionstag am 22. April 2010 weiter?
Eins ist klar, wir Stahlarbeiter lassen es nicht zu, dass unsere Zukunft in den Casinos der Spekulanten verspielt wird. Dagegen werden wir uns auch nach dem 22. April 2010 wehren, weil wir einen Kurswechsel in Deutschland und Europa brauchen. Dafür sind wir bereit, mit der Bundesregierung, der EU-Kommission und mit allen gesellschaftsrelevanten Gruppen zu reden, aber auch zu kämpfen.

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Wilhelm Segerath
Mehr zur Person

Wilhelm Segerath ist Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats ThyssenKrupp Steel AG, Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp Steel AG und ehrenamtliches Vorstandsmitglied der IG Metall.

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