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Interview mit Sandra Minnert, ehemalige Fußball-Nationalspielerin

Interview mit Sandra Minnert, ehemalige Fußball-Nationalspielerin

Vielfältigkeit macht erfolgreich

20.06.2012 Ι Sandra Minnert hat als Fußballerin fast alles gewonnen, was zu gewinnen war. Die ehemalige Nationalspielerin macht sich für die Respekt-Initiative stark. "Wenn man gemeinsam an einem Strang zieht, wie im Mannschaftssport, kann man vieles erreichen. Das ist in den Betrieben auch so", ist ihre Botschaft.

Welche Rolle hat Respekt für Dich als Sportlerin gespielt?

Sandra Minnert: Die anderen zu akzeptieren und zu respektieren ist gerade im Sport sehr wichtig. Ohne Respekt kann man seine gesteckten Ziele nicht erreichen. Das Wichtige an Respekt ist doch: Nur wenn jeder so sein darf, wie er ist, kommt sein ganzes Potenzial zum Tragen. Jeder trägt auf seine Weise seinen Teil zum Erfolg bei. Es ist die Vielfältigkeit, die ein Team erfolgreich macht.

Wie bist Du als Mädchen zum Fußball gekommen?

Durch meinen Vater. Fast die ganze Familie - auch mein älterer Bruder und meine jüngere Schwester - haben in Gelnhaar, einem kleinen Ort in Hessen, im Verein gespielt. Das Wochenende haben wir meist auf dem Fußballplatz verbracht.

Hat Deine Umwelt Deine Entscheidung für den Fußball respektiert?

Damit hatte ich überhaupt keine Probleme, da meine Eltern die Entscheidung total unterstützt haben. Allerdings war ich anfangs meistens das einzige Mädchen auf dem Platz.

Frauenfußball hatte lange einen schweren Stand in Deutschland. Ist das jetzt anders?

Natürlich hat sich die Situation durch die Erfolge der Nationalmannschaft sehr verändert. Lange Zeit wurden wir belächelt, doch inzwischen sind wir gut positioniert. Trotzdem müssen die meisten Bundesliga-Spielerinnen, die nicht in der Nationalmannschaft spielen, weiterhin hauptberuflich arbeiten gehen und betrachten den Sport eher als ihr Hobby. Und die Bundesligaspiele finden in den Medien kaum Erwähnung; auch in der Sportschau schafft man es nur selten mal, deren Ergebnisse zu präsentieren. Abgesehen von internationalen Wettkämpfen hört man selten was vom Frauenfußball.

Du warst mit dem deutschen Frauenfußball-Team zweimal Weltmeisterin, fünfmal Europameisterin. Du hast den UEFA-Cup mit dem 1. FFC Frankfurt gewonnen, warst fünfmal Deutsche Meisterin. Stört es Dich, trotz dieser großartigen Erfolge immer im Schatten der Männer zu stehen?

Wir sind auf einem sehr guten Weg und stehen keineswegs im Schatten der Männer; das hat man ja bei der Frauen-WM deutlich gemerkt. Der Männerfußball hat eben einen hohen Stellenwert. Andere Sportlerinnen haben es aber deutlich schwerer als wir, etwa die Handballerinnen oder die Hockeyspielerinnen. Statt immer nur den Vergleich mit den Männern zu ziehen, sollte man uns einfach unseren Fußball spielen lassen.

Hast Du Rassismus und Diskriminierung im Sport erlebt?

Wenn man Erfolg hat, entsteht schon mal Neid und man hört manchmal Äußerungen, die kein Mensch braucht. Als erfolgreiches Team oder wenn es um Geld geht, wird man automatisch in bestimmte Schubladen gesteckt. Manche Spielerinnen sind zum Beispiel einfach nur schüchtern, was dann aber als Arroganz ausgelegt wird.

Wie geht man am besten mit Respektlosigkeit um?

Darüber reden hilft immer. Es ist wichtig, Probleme nicht unter den Tisch zu kehren. Wenn die Mannschaft das alleine nicht auf die Reihe kriegt, ist es die Aufgabe des Trainers, sein Team zusammenzurufen oder Einzelgespräche zu führen.

Du bist als Respekt-Botschafterin viel herumgekommen und hast jede Menge Respekt-Schilder aufgehängt. Wie viele Betriebe hast Du bis jetzt besucht?

Ich bin seit November 2011 dabei und habe in dieser Zeit sicher schon über 100 Betriebe besucht.

Heißt das nun, dass es in diesen Betrieben keine Probleme gibt?

Probleme gibt es natürlich überall, aber viele möchten mit diesem Schild sagen: "Bei uns läuft so was nicht." Mit einem Besuch ist das natürlich nicht getan; da muss schon jeden Tag weiter dran gearbeitet werden. Mit einer Schildaufhängung kann man aber ein erstes deutliches Zeichen setzen.

Gibt es eine Lehre aus dem Sport, die man auf die Arbeitswelt übertragen kann?

Wenn man gemeinsam an einem Strang zieht, wie im Mannschaftssport, kann man vieles erreichen. Das ist in den Betrieben natürlich auch so.

Was hältst Du davon, dass die Fußball-EM der Männer unter anderem ausgerechnet in der Ukraine stattfindet, die ein Demokratie-Defizit hat?

Als Sportler fährt man natürlich gerne zu internationalen Wettkämpfen. Die Zustände in der Ukraine sind sicherlich bedauerlich, aber man kann mehr verändern, wenn man vor Ort ist, als wenn man nicht hinfährt.

Und zum Schluss: Wie ist Dein Tipp für die Fußball-EM?

Die Vorrunde wird sicherlich nicht einfach, denn wir spielen in einer starken Gruppe. Auf jeden Fall gehören wir aber zu den Favoriten und ich wünschemir natürlich, dass die deutsche Mannschaft ins Endspiel kommt.

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