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Internationaler Tag gegen Lärm

Internationaler Tag gegen Lärm

Wenn Lärm krank macht

24.04.2013 Ι Keine Stille, nirgendwo. Kaum hat der Arbeitstag begonnen, kaum sind die Kollegen eingetroffen, da geht es auch schon los - und Ruhe gibt es bis zum Abend nicht. Lärm ist allgegenwärtig, Lärm ist immerzu, Lärm ist gefährlich. Die IG Metall beantwortet heute, am internationalen "Tag gegen Lärm" die wichtigsten Fragen.

Tag für Tag sind Millionen von Arbeitnehmer einer extremen Geräuschkulisse ausgesetzt, Tag für Tag haben sie mit den Auswirkungen von Lärmbelästigung zu kämpfen. Betroffen sind nicht nur Arbeitsplätze in der verarbeitenden Industrie und im Bauwesen, auch normale Büroarbeit ist von hohen Lärmpegeln betroffen.


Was ist Lärm?

Nicht jedes Geräusch ist Lärm, nicht jedes Räuspern gleich bedrohlich. Und es kommt auch darauf an, ob ich das, was ich höre, auch hören will  - oder ob ich davon in meiner Arbeit gestört und abgelenkt werde. In Gesetzestexten wird Lärm heute häufig als "unerwünschter Schall" definiert; er ist ein ungewolltes Geräusch, dem der Mensch in einer hohen Intensität ausgesetzt ist, ohne, dass er es gänzlich abstellen könnte.


Wie wird Lärm gemessen?

Die Intensität des Lärms, seine Lautstärke, wird in Dezibel gemessen. Aufgrund des logarithmischen Maßstabs, dem die Berechnung zugrunde liegt, zeigt eine Steigerung der Lautstärke um 3 Dezibel bereits eine Verdopplung der Lärmintensität an. Die Lautstärke eines normalen Gesprächs beträgt etwa 65 Dezibel, Schreien erzeugt rund 80 Dezibel. Ob ein Lärmpegel gefährlich ist, hängt nicht nur von der Intensität, sondern auch von der Dauer ab. Aus diesem Grund legt man bei der Lärmmessung am Arbeitsplatz gewöhnlich einen Achtstundentag zugrunde.   


Welche Gefahren gehen von Lärm aus?

Lärm ist nicht einfach bloß Lautstärke. Lärm am Arbeitsplatz ist ein Stressfaktor, er wirkt sich negativ auf Konzentration und Leistung von Mitarbeitern aus. In einer im Frühjahr 2011 veröffentlichten Studie bezeichnete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Lärm als zweitgrößtes Gesundheitsrisiko weltweit. Wer in seiner Umgebung Lärm ausgesetzt ist, der kann davon krank werden. Ein dauerhaft hoher Lärmpegel bei der Arbeit kann bis zur Taubheit führen, zudem steigt das Unfallrisiko, weil das Hören und die sprachliche Verständigung erschwert ist.

Doch auch wenn Lärm nicht extrem hoch ist, hat er negative Auswirkungen. Studien zeigen, dass Lärm das vegetative Nervensystem beeinflusst, den Blutdruck erhöht und auch das Herz-Kreislauf-System schädigen kann. Die Symptome, die eine große Lärmbelastung auslösen, sind dabei vielfältig: Sinkende Aufmerksamkeit und nachlassende Konzentrationsfähigkeit gehören dazu, aber auch ständige Müdigkeit, Gereiztheit und Anspannung sowie Kopfschmerzen, Kreislaufstörungen und Magen-Darm-Beschwerden.


Wer ist besonders gefährdet?

Generell gilt: Je höher der Lärmpegel und je länger die Belastung, desto größer ist die Gefahr lärmbedingter Schäden. Im verarbeitenden Gewerbe sowie im Bergbau sind rund 40 Prozent der Arbeitnehmer während mehr als der Hälfte ihrer Arbeitszeit erheblichen Lärmbelastungen ausgesetzt. Doch auch in Großraumbüros ist die Lautstärke oft gefährlich hoch. Studien der Krankenkassen zufolge fühlt sich jeder Vierte in Deutschland durch Lärm an seinen Arbeitsplatz gestört, vier bis fünf Millionen Beschäftigte sind während der Arbeit gesundheitsschädlichem Lärm von mehr als 85 Dezibel ausgesetzt.  


Welche Rechte haben Arbeitnehmer?

Arbeitgeber sind gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter vor lärmbedingten Gesundheits- und Sicherheitsrisiken am Arbeitsplatz zu schützen. Eine entsprechende Arbeitsschutz-Verordnung ist im März 2007 in Kraft getreten. Damit wurden die europäischen Bestimmungen zu Lärm und Vibrationen in einer Richtlinie zusammengefasst und in deutsches Recht umgesetzt. 

Am Anfang steht immer eine Gefährdungsbeurteilung des Arbeitsplatzes, die Lärmmessungen beinhaltet, aber auch sämtliche Quellen lärmbedingter Gefahren (etwa Unfälle und Hörverlust) erfassen soll. Darauf folgt die Umsetzung eines auf der Gefährdungsbeurteilung basierenden Maßnahmenpaketes um auf diese Weise die Lärmquelle, wo immer möglich, zu begrenzen oder zu beseitigen. Der Arbeitgeber hat zudem für die Bereitstellung persönlicher Schutzausrüstungen zu sorgen, sowie die Arbeitnehmer über die bestehenden Gefahren zu unterrichten. Die Überwachung der Risiken und Überprüfung der Präventivmaßnahmen hat fortlaufend zu geschehen. 


Was kann ich selbst tun?

Schon klar: Maschinen lassen sich nicht abstellen, Motoren dröhnen unvermindert vor sich hin und auch das Telefon wird weiterklingeln  - und doch: mit ein paar einfachen Verhaltensweisen  können Sie zusammen mit ihren Kollegen am Arbeitsplatz für einen besseren Lärmschutz sorgen. Das fängt mit Kleinigkeiten an. Überprüfen Sie beim Telefonieren und bei sonstigen Gesprächen ihre eigene Lautstärke. Oft geht es auch eine Spur leiser. Teamsitzungen und Besprechungen sollten immer in entsprechende Räume verlegt werden, auch, wenn sie nur kurz sind. Benutzen Sie, sofern es die Arbeitssituation zulässt, ruhig Ohrstöpsel, so wird der Lärm ein Stück gefiltert. Zuletzt: Technische Geräte wie Kopierer, Drucker, Kaffeemaschine sollten, wo immer es geht, aus den Arbeitsbereichen verbannt werden. 

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