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Ingenieursarbeit im global office

Ingenieursarbeit im global office

Vom Outsourcing zum Crowdsourcing

23.09.2011 Ι Ingenieure und IT-Beschäftigte arbeiten heute vielfach global vernetzt. Zur Verlagerung von Arbeit, dem Outsourcing, kommt inzwischen der Trend des Crowdsourcing hinzu. Diese neue Form der Arbeitsorganisation birgt Risiken für die Beschäftigten und testet die Grenzen der Belastbarkeit.

Im Engineering findet eine zunehmende Standardisierung von Entwicklungsprozessen statt. Diesen Trend bestätigen Beschäftigte und Betriebsräte. Forschungs- und Entwicklungsaufgaben finden nicht mehr zwingend in Deutschland statt, sondern werden in Teilen oder überwiegend im Ausland erledigt. Es haben sich unter anderem die großen Entwicklungsregionen Indien, China und Osteuropa etabliert, wo ein rasanter Aufbau von Know-how stattfindet. Wurden vor wenigen Jahren noch "minderwertigere" kleine Aufträge dorthin vergeben, die dann im Mutterhaus zusammengefügt wurden, so arbeiten die Entwicklungsbüros dort immer mehr auf Augenhöhe mit den deutschen Partnern.

Teamarbeit grenzenlos

Die Entwicklung ist rasant. Bei der inzwischen üblichen transnationalen Teamarbeit ist der virtuelle globale Player gefragt: Informatiker und Techniker, für die es keine Grenzen mehr gibt. Sie müssen nicht mehr um die Welt reisen, um für irgendwelche Kunden Software zu entwickeln, einen Computer zu steuern oder eine Anlage zu warten. Es reicht, wenn das Gerät, der Kunde und der IT-Spezialist im Netz miteinander verbunden sind. 

Die Zusammenarbeit ist hoch komplex und wird über räumlich weit entfernte Teams verteilt. Für die Unternehmen ergeben sich Kostenvorteile, für die Beschäftigten jedoch mehr Stress und begrenzte Transparenz. Zu beobachten ist hier schon seit längerem eine Kultur der Selbstausbeutung. Oft identifizieren sich die Beschäftigten so stark mit einem Projekt, dass sie alles dafür tun, um es rechtzeitig fertig zu stellen. Dafür gehen sie auch mal am Samstag oder Sonntag ins Büro. Auch die Angst, durch billigere Konkurrenz im Ausland irgendwann mal den Job zu verlieren, spielt keine unbedeutende Rolle.

Manchmal ein mulmiges Gefühl

In China, Indien und Osteuropa stehen inzwischen eine große Vielzahl an sehr gut ausgebildeten Fachkräften zur Verfügung. In Deutschland wird bei Fluktuation nicht mehr jede Arbeitskraft ersetzt. Stattdessen findet ein weiterer Beschäftigungsaufbau im Ausland statt. Kollegen aus Indien und China kommen zur Einarbeitung nach Deutschland und nehmen anschließend das Entwicklungswissen in ihre Herkunftsländer mit. Die Aufgaben werden dort meist billiger erledigt. "Unsere Beschäftigten haben manchmal das ungute Gefühl, sich selbst überflüssig zu machen", erläutert der Betriebsrat eines Automobilzulieferers.

Seit einigen Jahren schwappt ein neuer Trend von Amerika nach Europa. Die neue Arbeitsmethode heißt Crowd Sourcing. Software-Firmen bedienen sich dabei des Know-hows von Privatpersonen oder halb-professionellen Privatleuten, um neue Anwendungen zu entwickeln und Produkte zu optimieren. Über das Internet wenden sie sich an eine anonyme Masse (crowd) unbekannter Akteure. Wer besonders innovativ und mit einem kleinen Honorar zufrieden ist, bekommt den Zuschlag. So bekommen die Firmen für wenig Geld viel kreatives Wissen, das sie für neue Geschäftsideen weiterverwenden. Bezahlt wird nicht mehr nach der Zeit, die für eine Aufgabe verwendet wurde, sondern nach dem gelieferten Ergebnis.

Schutz vor Überforderung

Experten sprechen von "digitaler Akkordarbeit". Die Aufgaben werden unentgeltlich oder sehr gering bezahlt erledigt. Durch Crowdsourcing wird der Druck auf Normalarbeitsverhältnisse erhöht. Die Übergänge zwischen Crowdsourcing und klassischem Outsourcing sind fließend. Manche Firmen wenden Crowdsourcing bereits intern an, etwa IBM. Die Standorte Deutschland und Österreich sind dank der Initiative von Arbeitnehmervertretern noch davon ausgenommen. Fachleute sehen darin die Gefahr zur Prekarisierung von Arbeit. Sie fordern, diesem Trend rechtzeitig gegenzusteuern. Betriebliche Regelungen können dabei helfen, die Leistungsbedingungen zu definieren und Schutz vor Leistungsüberforderung zu bieten.

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