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Foto: Hannibal Hanschke / Picture-Alliance

IG Metall gratuliert Martin Kannegiesser zum 70sten Geburtstag

Kooperation statt Konfrontation

10.11.2011 Ι Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser wird heute 70 Jahre alt. Die IG Metall gratuliert ihm herzlich zum Geburtstag. Und blickt zurück.

Martin Kannegiesser ist Ostwestfale. Und damit ist eigentlich über den Präsidenten vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall alles gesagt. Ostwestfalen sind ein sturer Menschenschlag. Sie sind aber auch verlässlich, bodenständig und fleißig. Und - wie auch Martin Kannegiesser - werden Ostwestfalen auf den ersten Blick wegen ihrer Freundlichkeit und ihrem Humor oft unterschätzt.

Der Ostwestfale

In der Sache hart, im Wesen herzlich: Das Motto stellte Kannegiesser schon Mitte der 90iger Jahre unter Beweis, als er sich als Verhandlungsführer bei Tarifauseinandersetzungen in Nordrhein-Westfalen bei der IG Metall und den Arbeitgebern einen Namen machte. Kein Wunder, denn er ist auf der einen Seite ein Bilderbuch-Unternehmer, auf der anderen Seite ein kompromissbereiter Kämpfer, den wahrscheinlich sein Vater von einer politischen Karriere abhielt.

Der Unternehmer

Kannegiesser studiert Betriebswirtschaftslehre. Sein Vater, der kurze Zeit später schwer erkrankt, bittet ihn 1966, in das Unternehmen einzusteigen. Mit 29 Jahre übernimmt er dann die Führung des Unternehmens. Vier Jahre später stirbt der Vater. Und der Sohn macht das Unternehmen "Kannegiesser" im ostwestfälischen Vlotho zum Weltmarktführer. Rund 1300 Beschäftigte stellen heute an fünf Standorten in Deutschland und in einem Werk in England industrielle Faltmaschinen, Trockner, Mangeln, Waschstraßen, Entwässerungspressen und Waschschleudermaschinen her. Es gibt weltweit nur zwei Hersteller, die solche Komplettsysteme anbieten können.

Bis zum Erfolg war es ein langer Weg. Strukturkrise in der deutschen Textilindustrie. Globalisierung. Restrukturierung. Anfang der 90iger Jahre wurden 300 Jobs abgebaut. Kein Wunder, dass es harte Auseinandersetzungen zwischen Martin Kannegiesser und dem Betriebsratsvorsitzenden Friedhard Fichtner gab. Bis beide Seiten genug hatten von der ständigen Konfrontation. Kannegiesser und Fichtner setzten auf Kooperation. Der Betriebsrat machte eigene Vorschläge zur Umstrukturierung. Die Mitarbeiter bekamen mehr Freiraum, aber auch mehr Verantwortung. Es entstand eine Kultur des Miteinanders. Heute gerät Fichtner bei aller Distanz zu seinem Arbeitgeber auch schon mal ins Schwärmen. Wären alle Chefs so wie der Martin Kannegiesser, dann gäbe es nur halb so viele Arbeitslose in Deutschland. Und Kannegiesser lobt die deutsche Mitbestimmung in den Himmel. Faire und sichere Jobs, dafür stehen beide, Betriebsrat und Unternehmer.


Der Arbeitgeberchef

Eine Kultur, die nicht auf Konfrontation sondern auf Kooperation setzt, das ist Kannegiessers Credo. Nicht nur als Unternehmer, auch als Arbeitgeberchef. Viele Metaller haben ihm in langen, zähen Nächten gegenüber gesessen Am Ende solcher Tage muss ein Konsens stehen. Ein Kompromiss, mit dem beide Seiten leben können. Wie zum Beispiel in der Blitz-Tarifrunde 2010, wo es der IG Metall noch vor der großen Krise gelang, ein Plus für die Mitglieder rauszuholen.




Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser (r.), kommentiert am Mittwoch (12.11.08) in Sindelfingen im Beisein des Vorsitzenden der IG Metall, Berthold Huber, die Ergebnisse der Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie Baden-Württemberg. Foto: Michael Latz / ddp/ dapd 


Kannegiessers Urteil: Der Tarifabschluss sichert in der größten Krise der Nachkriegszeit Hunderttausende von Arbeitsplätzen, stabilisiert die Realeinkommen der Beschäftigten und stellt zugleich für 2011 eine Tabellenerhöhung um 2,7 Prozent in Aussicht - zum damaligen Zeitpunkt eine mutige Zusage. Aber auch das zeichnet den Gesamtmetall-Präsidenten, der seit elf Jahren an der Spitze des Verbands steht, aus. Eine faire, verlässliche Tarifpolitik.

Der Visionär
Oft klingt er wie ein Gewerkschafter, schrieb die Berliner Zeitung "Tagesspiegel". Stimmt. Zum Beispiel beim Thema Vereinbarkeit. Eine weitere Vision: attraktive Jobs auch in ländlichen Regionen. Das ist für ihn künftig überlebenswichtig. Deshalb mischt er vor Ort in Vlotho und Umgebung in zahlreichen Ausbildungs- und Qualifizierungsprojekten mit. Und mit Volldampf schiebt er im eigenen Verband etwas an, worüber die meisten Unternehmer nur reden: das Fördern von Frauen in Führungspositionen. Die Geschäftsführerin von Gesamtmetall ist eine Frau.
In seiner Ära gründete IG Metall und Gesamtmetall das gemeinsame Versorgungswerk Metallrente, das Beschäftigten Möglichkeiten zur betrieblichen Altersvorsorge anbietet. Unter ihm wurde das "Pforzheimer-Abkommen" im Jahr 2004 abgeschlossen. Ein Tarifvertrag, der unter bestimmten Bedingungen den Beschäftigten unter anderem Gehaltskürzungen und dem Arbeitgeber Jobgarantien abverlangt. Und in der Wirtschaftskrise 2009/2010 machte sich Kannegiesser zusammen mit Berthold Huber, dem Ersten Vorsitzenden der IG Metall, "im Schulterschluss" stark, mit Kurzarbeit die Beschäftigten möglichst sanft durch die Krise zu bringen.

Einer von der anderen Seite
Bei einigen Themen kommen Gesamtmetall und IG Metall bisher aber nicht zusammen: wie zum Beispiel der Leiharbeit oder der unbefristeten Übernahme für Azubis. Eine weiterer Streitpunkt: Kannegiesser wünscht sich noch mehr Flexibilität für die Unternehmer. Und da hört dann für die meisten Metallerinnen und Metaller, aber auch der Politiker die Sympathie auf.
Manche Gewerkschafter finden deshalb, der Mann geht ja gar nicht. Am Ende sei er doch nur ein ausgekochter Funktionär. Die meisten aber respektieren ihn. Manche mögen Martin Kannegiesser sogar. Und die Gewerkschafter, die ihn auch persönlich kennen, haben eine klare Meinung: "Schade, dass er einer von der anderen Seite ist."

Quelle Bild links oben: Rolf Vennenbernd / Picture-Alliance

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