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Betriebe ausgelastet - Belegschaften überlastet. Foto: panthermedia

IG Metall-Betriebsrätebefragung in der Luft- und Raumfahrtindustrie

Betriebe ausgelastet - Belegschaften überlastet!

19.07.2012 Ι Die deutsche Luft- und Raumfahrtindustrie soll mehr Dauerarbeitsplätze schaffen, die Leiharbeit reduzieren und die Ausbildungsquote von derzeit fünf Prozent erhöhen. Diese Forderungen leitet die IG Metall aus einer Pilotbefragung unter den Betriebsräten in der Branche ab.

Die IG Metall hat erstmals eine Befragung der Betriebsräte in der Luft- und Raumfahrtindustrie durchgeführt. Dabei haben der 22 Unternehmen geantwortet, die 84,4 Prozent aller Beschäftigten repräsentieren.

Leiharbeit und Werkverträge weit verbreitet

Als besonders kritisch betrachten die Betriebsräte das Ausmaß der Leiharbeit in der Branche. "Es passt nicht zusammen, dass etwa bei Airbus Aufträge für sieben Jahre vorliegen und dort gleichzeitig eine der höchsten Quoten bei der Leiharbeit gilt", sagte Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall. Derzeit liegt die Leiharbeitsquote in der Branche bei durchschnittlich 13,6 Prozent. Auch mit der Dauer der Einsätze in Leiharbeit ist die Gewerkschaft nicht zufrieden. "Durchschnittlich sind die Betroffenen mehr als drei Jahre in den Betrieben. Es gibt aber auch Beispiele, bei denen die Leiharbeit bis zu zwölf Jahre anhält", sagte Kerner.

Immerhin zeichnen sich hier mit dem jüngsten Tarifabschluss Veränderungen ab. Demnach müssen Leiharbeitnehmer der Metall- und Elektroindustrie nach zwei Jahren fest eingestellt werden - sofern es keine anderen betrieblichen Regelungen gibt.

Belegschaften an der Grenze der Belastbarkeit

Für die Gewerkschaft geht es bei der Umfrage aber nicht nur um Daten für die Beschäftigung, sondern auch um die Arbeitsbedingungen. So könne die hohe Auslastung bei der Hälfte der Betriebe nur durch Überstunden bewältigt werden. "Für viele Mitarbeiter gibt es über Monate hinweg keine Fünftagewoche. Damit sind sie an der Grenze der Belastbarkeit", sagte IG-Metall-Vorstand Kerner. Allein in neun Betrieben liefen 2,7 Millionen Stunden Guthaben auf, das entspricht rund 1683 Vollzeitstellen.

Aktuell zählt die Branche 53 112 feste Mitarbeiter. Wenn man nun das Überstundenvolumen der Stammbeschäftigten und die Zahl der Leih- und der Werkvertragsnehmen dazu addiert, kommt die IG Metall rein rechnerisch auf weitere knapp 14 000 Stellen. Damit würde die Zahl der Jobs in der Branche auf 66 762 steigen.


Qualifikationsniveau sichern

Mit den Ergebnissen der Umfrage will die IG Metall im weiteren Schritt zu einer Strategie für die Personalentwicklung der Branche beitragen. Um genügend qualifiziertes Personal zu bekommen, sollen künftig Techniker berufsbegleitend für Ingenieursaufgaben fortgebildet, mehr Plätze für Studien neben dem Beruf angeboten und die Förderung von Arbeitnehmern nicht auf Führungspersonal begrenzt werden.

"Die Unternehmen müssen die Weichen stellen: mehr Ausbildungsplätze schaffen, Beschäftigte weiterqualifizieren, ältere Fachkräfte und Frauen bessere berufliche Chancen bieten", erläutert Jürgen Kerner.

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