IG Metall
IGMetall.de - Springe direkt:
Inhalt
     
IAB-Studie: Arbeitszeitkonten bewähren sich als Krisenmanagement

IAB-Studie: Arbeitszeitkonten bewähren sich als Krisenmanagement

Arbeitszeitkonten verhinderten Beschäftigungseinbruch

17.11.2010 Ι Jeder dritte Betrieb hat während der Wirtschaftskrise Arbeitszeitkonten genutzt, um Jobs zu sichern. Das hat eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergeben. Die Arbeitsmarktforscher stellen fest: Insbesondere Kurzarbeit und der Abbau von Arbeitszeitguthaben haben im Krisenjahr 2009 dafür gesorgt, dass die Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer insgesamt stabil blieb.

Um Beschäftigung in der Krise zu sichern, haben Betriebe neben der Kurzarbeit vor allem die Flexibiltät von Arbeitszeitkonten genutzt. Jedes dritte Unternehmen hat laut Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) während der Krise Guthaben auf den Arbeitszeitkonten ab- oder Zeitschulden aufgebaut, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Sinnvolle Kombination hat Beschäftigung gesichert
Nach Auffassung der IG Metall ist es gerade die sinnvolle Kombination aus betrieblichen Instrumenten wie den Arbeitszeitkonten sowie tarif- und arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gewesen, die das Know-How der Beschäftigten und somit die Innovationsfähigkeit in den Betrieben gesichert hat. Aber auch die auf Initiative der IG Metall ausgeweitete Kurzarbeit und Abwrackprämie für Altautos sowie flexible Tarifabschlüsse und betriebliche Vereinbarungen wie beispielsweise in der Metall- und Elektrobranche haben ebenfalls dazu beigetragen, Beschäftigung zu sichern.

Zeitguthaben um rund 45 Stunden abgebaut
Die Zeitguthaben der Beschäftigten reduzierten sich laut IAB-Studie bis zum dritten Quartal 2009 im Durchschnitt von rund 72 auf 27 Stunden. In jedem vierten krisenbetroffenen Betrieb waren bis zu diesem Zeitpunkt die Plusstunden aufgebraucht und in fünf Prozent der betroffenen Betriebe Minusstunden aufgebaut. Damit haben Unternehmen seit Juli 2008 bis zum dritten Quartal 2009 pro Arbeitnehmer rund 45 Stunden abgebaut.

Effektives Instrument in der Krise
Eine weitere Erkenntnis der Wissenschafler: Größere Betriebe nutzten weitaus häufiger die Flexibilität der Arbeitszeitkonten als kleinere Unternehmen. Mit dieser Flexibilität konnten die Betriebe ihre Reaktionszeit im Krisenfall verkürzen und dazu nutzen, Jobs zu sichern. Bei anziehender Konjunktur seien sie zudem in der Lage gewesen, den Auslastungsgrad und die Produktivität schnell zu steigern, so IAB-Forscherin Ines Zapf. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der Abbau der Guthaben auf den Arbeitszeitkonten und damit der Rückgang der gesamten Arbeitszeit geholfen haben, trotz der schweren Wirtschaftskrise einen Beschäftigungseinbruch zu verhindern.

Das IAB verweist jedoch darauf, dass Arbeitszeitkonten vor allem die sogenannten "Insider" des Betriebs - die Beschäftigten - schützten, was zulasten der "Outsider" am Arbeitsmarkt - den Arbeitssuchenden - gehen könnte, da im Falle eines Aufschwungs weniger offene Stellen neu zu besetzen seien.

Themen

Alles rund um Ihren Arbeitsplatz.

Links und Zusatzinformationen
Die Studienergebnisse in Kürze
  • In gut einem Drittel der befragten Betriebe wurden während der Krise Guthaben auf den Arbeitszeitkonten abgebaut oder Zeitschulden aufge- baut, um Beschäftigung zu sichern.

  • Insgesamt war die Krise in drei von vier Unternehmen Ursache für den Abbau der Guthaben. Bei den direkt betroffenen Betrieben traf dies in neun von zehn Fällen zu.

  • Im Durchschnitt wurden in krisen- betroffenen Unternehmen rund 45 Stunden pro Arbeitnehmer abgebaut. In sechs von zehn dieser Betriebe hatten mehr als 60 Prozent der Belegschaft ihre Zeitguthaben verringert.

  • Nur in fünf Prozent der betroffenen Unternehmen wurden Zeitschulden gemacht.

  • Die Flexibilität war in den Betrieben, die Arbeitszeitkonten zur Beschäfti- gungssicherung nutzten, viel größer, als es gesamtwirtschaftliche Durchschnittswerte zeigen.


Grundlage der Studie sind nach Angaben des IAB unter anderem Daten aus einer Betriebsrätebefragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) im dritten Quartal 2009. Die Ergebnisse stützen sich auf Angaben von Betriebsräten in Unternehmen mit mindestens 20 Beschäftigten.

Servicebereich